La Traviata glänzt in Detmold

Detmold – Die ältere Dame ist ganz aufgeregt. “Wissen Sie, ich sehe zum ersten Mal eine Oper, aber mein Enkel studiert Musik und hat gesagt, geh da hin, das wird dir gefallen.” Recht hat der Enkel. Giuseppe Verdis “La Traviata” wird nicht umsonst als Einstiegsdroge in die Opernszene bezeichnet. Geniales Sujet, geniale Musik und genial einfach erzählt, dass auch Opernneulinge sofort voll drin sind.

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Sopranistin Johanna Nylund als Violetta mit dem Detmolder Opernchor. – Foto Jochen Quast/Landestheater Detmold

Aber es geht ja nicht nur darum, Opernkultur möglichst niederschwellig auf die Bühne zu bringen, sondern auch darum, etwas Neues zu schaffen. Regisseurin Vivien Hohnholz gelingt es in ihrer ersten Regiearbeit für die Detmolder Oper, den historischen Stoff stimmig in die Gegenwart zu transportieren. Violetta ist keine Kurtisane, sondern ein modernes It-Girl, das in einer oberflächlichen Welt eine tiefe Sensibilität und Empathiefähigkeit offenbart, an der sie am Ende selbst zugrunde gehen muss, weil die Welt sich einfach nicht dafür interessiert, wie es in ihr aussieht und jeder nur sich selbst der nächste ist.

Zu neuen Stars in Detmold reüssieren

Vivien Hohnholz war bis Juli am Staatstheater Kassel engagiert. In Detmold hat sie mit La Traviata einen tollen Einstand gegeben. Ein großes Debüt zeigt auch die finnische Sopranistin Johanna Nylund (33) in der Hauptrolle der “Violetta”. Die Opernfans streiten, ob Bizets Carmen oder Verdis Violetta die größere Opernheldin ist. Johanna Nylund ist nicht die einzige neue Hauptrollenbesetzung. Auch für die polnische Zweitbesetzung Alexandra Szmyd (33) ist es das Debüt am Landestheater. Beide haben das Zeug, zu neuen Stars in Detmold zu reüssieren.

Zieht einen wie ein Sog in die Musik hinein

Längst ein Star in Detmold ist der schwedische Generalmusikdirektor Per-Otto Johansson (52). Gerade wurde sein Vertrag vorzeitig bis 2029 verlängert. Warum er in Detmold so beliebt ist, zeigt er auch in der musikalischen Leitung für La Traviata. Gefühlvoll und auf höchstem Niveau steht sein Orchester an der Seite der Gesangssolisten und Choristen. Schon die Ouvertüre beginnt mit allerfeinstem Streicherflirren und zieht einen, wie ein Sog in die Musik hinein. In der großen Koloratur-Arie „Sempre libera“, wo oftmals die Harfe mehr geschrubbt als gestrichen wird, um hörbar zu sein, kann Harfenistin Gerdie Broeksma dank der feinen Akustik im großen Haus in Detmold ihr Instrument so zart spielen, wie es die Begleitung erfordert. Wunderbar. Die musikalische Leitung an diesem Abend lag in den Händen des  1. Kapellmeisters Claudio Novati,

La Traviata wird in Detmold in diesem Jahr noch elfmal aufgeführt. Infos und Karten gibt es auf der Homepage des Detmolder Landestheaters.

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