Automatikuhr und Quarzuhr im Vergleich

Automatikuhr und Quarzuhr im Vergleich: Wo liegen die wirklichen Unterschiede im Alltag?

Automatikuhr und Quarzuhr im Vergleich

Jede Uhr hat ihren eigenen Charme: Automatikuhr und Quarzuhr sind nicht wirklich wartungsfrei – Foto Pixabay

Montagmorgen, 7 Uhr. Die Automatikuhr auf dem Nachttisch zeigt 11.04 Uhr und steht seit Sonntagvormittag still. Die Quarzuhr, die seit Wochen in der Schublade liegt, läuft dagegen einfach weiter. Wer sich zwischen beiden Antrieben entscheidet, wählt weniger eine Technik als einen Umgang mit der eigenen Uhr. Wo der Unterschied zwischen Quarz und Automatik im Alltag wirklich liegt, haben wir anhand der Herstellerdaten nachgerechnet.

Zwei Antriebe, zwei Arten, die Zeit zu zählen

Im Inneren einer Quarzuhr schwingt ein winziger Kristall, angeregt durch den Strom einer Knopfzelle. Bei den gängigen Werken liegt die Frequenz bei 32.768 Schwingungen pro Sekunde. Ein Schaltkreis teilt sie herunter und ein Schrittmotor bewegt die Zeiger, weshalb der Sekundenzeiger im Sekundentakt springt. Bewegliche Teile gibt es dabei deutlich weniger als in einem mechanischen Werk.

Eine mechanische Automatikuhr kommt ganz ohne Batterie aus. Bei jeder Bewegung des Handgelenks dreht sich ein Rotor und spannt die Zugfeder, deren Energie über das Räderwerk an die Unruh weitergegeben wird.

Gängige Werke takten mit 21.600 Schwingungen pro Stunde, also sechs pro Sekunde (daher der fast gleitende Sekundenzeiger). Der Quarz schwingt damit mehr als 5.000-mal schneller als die Unruh. Daraus erklärt sich ein Großteil des Unterschieds bei der Ganggenauigkeit.

Solaruhren sind übrigens keine dritte Technik. Auch sie arbeiten mit einem Quarzwerk und erreichen dieselbe Genauigkeit, nur ersetzen eine Fotozelle unter dem Zifferblatt und ein Akku die Einwegbatterie.

Wie genau ist genau? Seiko-Kaliber im Vergleich

Die erste Quarzarmbanduhr der Welt kam am 25. Dezember 1969 in Tokio in den Handel. Die Seiko Quartz Astron kostete 450.000 Yen und erreichte eine Ganggenauigkeit von ±5 Sekunden pro Monat, während mechanische Uhren damals bei einigen Sekunden pro Tag lagen. Was danach folgte, ging als Quarzkrise in die Geschichte der Uhrmacherei ein.

Heutige Alltagsmodelle bewegen sich in derselben Größenordnung wie dieser Pionier. Für seine aktuellen Quarzkaliber gibt der Hersteller im Schnitt ±15 Sekunden pro Monat an, umgerechnet eine halbe Sekunde am Tag. Einige Grand-Seiko-Modelle mit dem Kaliber 9F schaffen sogar ±5 Sekunden im Jahr.

Bei den Automatikwerken derselben Marke sieht die Rechnung anders aus. Das verbreitete Kaliber 4R35 darf laut Datenblatt zwischen 35 Sekunden Verlust und 45 Sekunden Gewinn pro Tag liegen, das höherwertige 6R35 zwischen -15 und +25 Sekunden. Im ungünstigsten zulässigen Fall summiert sich das beim 4R35 auf gut 22 Minuten im Monat, gegenüber 15 Sekunden beim Quarz. In der Praxis laufen viele Werke deutlich besser als ihre Toleranz, doch das Nachstellen bleibt ein wöchentliches Ritual. Selbst ein nach COSC-Norm zertifizierter Chronometer darf noch -4 bis +6 Sekunden am Tag abweichen.

Wer auf dieses Ritual verzichten und sich blind auf die Anzeige verlassen möchte, ist bei den Quarzuhren von Seiko gut aufgehoben. Die Spanne reicht vom zierlichen Damenmodell mit gut 20 Millimetern Gehäusebreite bis zum Chronographen, der in Fünftelsekunden stoppt. Bei allen Modellen, die wir uns angesehen haben, lag die Monatstoleranz bei ±15 Sekunden.

Ein Detail steht in beiden Datenblättern und wird gern überlesen. Die Werte gelten nur, wenn die Uhr am Handgelenk bei 5 bis 35 °C getragen wird. Eine Uhr, die im Winter auf der kalten Fensterbank liegt, hält sich nicht an diese Versprechen.

Automatikuhr: Das Wochenende als Härtetest

Die Gangreserve gibt an, wie lange eine voll aufgezogene Automatikuhr ohne Bewegung weiterläuft. Beim 4R35 sind es rund 41 Stunden, beim 6R35 rund 70 Stunden. Was das bedeutet, zeigt ein ganz gewöhnliches Wochenende.

Sie legen die Uhr am Freitag um 18 Uhr ab und greifen am Montag um 7 Uhr wieder danach. Dazwischen liegen 61 Stunden. Das 4R35 bleibt im Lauf des Sonntagvormittags stehen, das 6R35 hat am Montagmorgen noch etwa neun Stunden Reserve. Voraussetzung ist allerdings, dass die Feder am Freitag tatsächlich voll gespannt war, was nach einem Tag am Schreibtisch mit wenig Armbewegung keineswegs sicher ist.

Ganz hilflos ist der Besitzer einer Automatikuhr nicht. Beide Kaliber lassen sich auch über die Krone von Hand aufziehen, sodass die Uhr am Montagmorgen schnell wieder läuft. Die Uhrzeit muss er danach trotzdem neu einstellen. Wer mehrere Automatikuhren im Wechsel trägt, legt die gerade nicht getragenen deshalb oft auf einen Uhrenbeweger.

Die Quarzuhr kennt dieses Problem nicht. Ihre Batterie hält bei den genannten Modellen etwa drei Jahre, wobei die ab Werk eingesetzte Zelle nur eine Prüfbatterie ist und früher erschöpft sein kann. Solarquarzwerke speichern die Energie des Lichts in einem Akku und laufen je nach Kaliber sechs bis zehn Monate im Dunkeln weiter. Für eine Uhr, die nur sonntags oder zu besonderen Anlässen ans Handgelenk kommt, ist das ein schwer zu schlagendes Argument.

Was beide Uhren aus dem Takt bringt

Magnetismus ist der Störfaktor, über den beim Kauf kaum jemand spricht. Die Bedienungsanleitungen nennen ganz alltägliche Quellen, etwa Smartphones und Tablets, Netzteile, Handtaschen mit Magnetverschluss, Elektrorasierer oder das Induktionskochfeld. Eine Uhr mit der Standardangabe von 4.800 A/m sollte mehr als fünf Zentimeter Abstand zu solchen Gegenständen halten. Höher eingestufte Modelle mit 16.000 A/m vertragen laut Anleitung schon einen Zentimeter.

Betroffen sind beide Bauarten, wenn auch nicht auf dieselbe Weise. In der mechanischen Uhr reagiert die Spiralfeder der Unruh auf das Magnetfeld. Sie bleibt danach magnetisiert, sodass die Uhr dauerhaft vor- oder nachgeht und entmagnetisiert werden muss. In der Quarzuhr trifft es den Schrittmotor, der selbst mit Magnetkraft arbeitet. Ein starkes äußeres Feld bremst oder stoppt ihn, doch sobald die Uhr vom Magneten entfernt ist, läuft sie wieder normal und es genügt, die Zeit neu zu stellen. Erst nach einem extrem starken Feld rät der Hersteller auch hier zur Entmagnetisierung.

Diesen Eingriff stellt Seiko laut Anleitung auch innerhalb der Garantiezeit in Rechnung. Das Smartphone liegt deshalb besser nicht direkt neben der abgelegten Uhr.

Automatikuhr oder Quarzuhr: Wartungsfrei ist keine von beiden

Hartnäckig hält sich die Vorstellung, eine Quarzuhr brauche außer einer neuen Batterie nichts. Die Bedienungsanleitungen sehen das anders. Für die mechanischen Kaliber empfiehlt Seiko eine Überholung etwa alle drei bis vier Jahre. Fast wortgleich steht dieselbe Empfehlung in den Anleitungen der Quarz- und Solarwerke.

Auch in einer analogen Quarzuhr treibt nämlich ein Räderwerk die Zeiger an, dessen Öl mit den Jahren altert. Dazu kommen die Dichtungen. Lassen sie nach, gelangen Schweiß und Feuchtigkeit ins Gehäuse.

Der eigentliche Unterschied liegt in dem, was passiert, wenn man die Wartung vernachlässigt. Bei der Automatikuhr verschmutzt das Öl, die Teile reiben sich ab und das Werk bleibt irgendwann stehen. Das geschieht schleichend und kündigt sich oft durch einen schlechteren Gang an.

Bei der Quarzuhr droht der Schaden dagegen von der leeren Batterie. Bleibt sie länger im Gehäuse, kann sie auslaufen und das Werk beschädigen, weshalb die Anleitung rät, eine erschöpfte Batterie so schnell wie möglich zu ersetzen.

Viele Quarzwerke warnen rechtzeitig. Springt der Sekundenzeiger plötzlich in Zwei-Sekunden-Schritten, ist die Batterie fast leer. Wer eine Quarzuhr für längere Zeit in die Schublade legt, bekommt dieses Signal natürlich nicht mit. Den Wechsel lässt man am besten beim Uhrmacher machen und mit einer Dichtigkeitsprüfung verbinden, statt selbst am Gehäuseboden zu hebeln.

Auch bei den Kosten liegen die beiden weit auseinander. Ein Uhrenratgeber schätzt die Wartung über zwanzig Jahre auf 600 bis 1.200 Euro für eine Automatikuhr und auf 200 bis 400 Euro für eine Quarzuhr. Das sind grobe Richtwerte, die je nach Marke, Werk und Werkstatt deutlich abweichen können. Den Batteriewechsel zahlt der Besitzer übrigens selbst dann, wenn die Zelle noch während der Garantie leer wird.

Welche Uhr passt zu welchem Alltag?

Entscheidend ist weniger die Technik als die Art, wie Sie eine Uhr tragen. Wer jeden Tag dieselbe Uhr am Arm hat, Freude am Mechanischen findet und das Nachstellen nicht als Last empfindet, wird mit einer Automatikuhr glücklich. Ihr Reiz lässt sich schwer in Zahlen fassen, der fast gleitende Sekundenzeiger und der Blick auf den Rotor durch einen Glasboden gehören dazu.

Für alle anderen spricht vieles für eine Quarzuhr. Das gilt für die Zweit- oder Sonntagsuhr und für jeden, der sich über drei Minuten Abweichung nach einer Woche ärgern würde. Auch als Geschenk an jemanden, der Uhren nur gelegentlich trägt, ist Quarz die sicherere Wahl. Unsere Empfehlung fällt deshalb eindeutig aus. Wer nur eine einzige Uhr besitzen will und keine Lust auf Rituale hat, kauft Quarz.

Bei der Lebensdauer dreht sich das Bild allerdings um. Ein mechanisches Werk besteht aus Teilen, die ein Uhrmacher in der Regel noch Jahrzehnte später nachfertigen oder aufarbeiten kann. Bei älteren Stücken entscheiden Originalteile und belegte Wartungen sogar mit darüber, was eine alte Uhr wirklich wert ist. Ein Quarzwerk hängt dagegen an seiner Elektronik. Für ein GPS-Solarkaliber nennt der Hersteller einen Standardzeitraum von sieben Jahren für die Ersatzteile. Bei einer Überholung kann laut Anleitung auch gleich das ganze Werk getauscht werden.

Wie lange Mechanik halten kann, zeigt ein Besuch im St.-Paulus-Dom in Münster, wenn mittags das Glockenspiel der astronomischen Uhr erklingt. Gebaut wurde sie zwischen 1540 und 1542, ihr Kalender reicht bis ins Jahr 2071. Ganz so lange muss eine Armbanduhr nicht durchhalten. Eine gut gewartete Automatikuhr lässt sich aber durchaus an die nächste Generation weitergeben. Für viele Käufer ist genau das der Grund, die kleinen Unannehmlichkeiten in Kauf zu nehmen.

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