Korn acht Jahre gelagert – jetzt abgefüllt

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Bocholt – Am 19. März 2012 destillierte Magnus Geuting seinen edlen Münsterländer Korn in zwei Brenngängen aus selbst angebauten Weizen und Malz. In einem alten Cognac-Fass aus Eichenholz hatte der Edelkorn im Fasslager der traditionsreichen Gutsbrennerei westlich von Bocholt Zeit,  zu einem milden, harmonischen und ausgewogenen Destillat heranzureifen, mit einer runden Getreidenote, fruchtigen Aromen und einer feinen Vanillewürze. Jetzt hat Geuting den Edelkorn mit 40 Volumenprozent Alkohol auf Flaschen gezogen. Für eine sieben Jahre im Sauternes-Fass gelagerte Abfüllung seines Edelkorns bekam Geuting im Jahr 2015 eine Gold-Medaille der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft. Der Preis der 0,5-Liter-Flasche ist unverändert 25,00 Euro. Im Westfalium-shop ist die Edel-Spirituose aus der prämierten Abfüllung noch zu bestellen.

Korn aus dem Münsterland

Acht Jahre ist der jetzt abgefüllte Edelkorn der Brennerei Geuting im alten Cognac-Fass gereift – Foto Gutsbrennerei Geuting

Die Gutsbrennerei Joh. B. Geuting wurde im Jahre 1837 von Johann Andreas Geuting gegründet. In den ersten 50 Jahren des Bestehens konnte man kaum von einer Brennerei im heutigen Sinne sprechen. Derzeit nannte man einen solchen Betrieb in der hiesigen Gegend „Fuselstöcherije“. Diese war noch primitiv und in einem Teil der noch heute bestehenden alten Scheune untergebracht.

Mit dem Branntweinsteuergesetz vom 24. Juni 1887 kam die Fabrikatsteuer auf den erzeugten Branntwein. Dieses führte zwangsläufig zur Verschlussbrennerei. Für Johann Theodor Geuting (1824 – 1900) war das der Anlass, aus seinen dürftigen Räumlichkeiten auszuziehen und sich in einem neuen, fortschrittlicheren Brennereigebäude zu etablieren. Es wurde mit für damalige Zeiten modernsten Destilliergeräten ausgerüstet und Brennkontingent wurde erheblich erhöht. Die Gutsbrennerei Geuting konnte sich nach wenigen Jahren als die größte Kornbranntweinbrennerei des westlichen Münsterlandes bezeichnen. Ein Bild auf einer alten Vertreterkarte gibt davon Zeugnis.

Nach dem Tode von Johann Theodor übernahm sein Sohn Johann Bernhard Geuting (1861 – 1926) den gewachsenen Betrieb. Er legte gesteigerten Wert auf die geschmackliche Ausbeute seiner Erzeugnisse. So ließ er den Korn geruhsam in Eichenholzfässern lagern. Während der Zeit dieses Besitzers wurde der Familienbetrieb mit dem Firmennamen „Johann Bernhard Geuting“ ins Handelsregister eingetragen.

Leider erkrankte Johann Bernhard und er konnte die Geschäfte nicht mehr ausreichend führen. Aber seine Frau und die inzwischen herangewachsenen Söhne setzten sich tatkräftig für den weiteren Ausbau des Familienbetriebes ein. Mitte der 20 er Jahre dachte man an eine Umgestaltung der inzwischen veralteten Brennerei. Im Jahre 1926 war es dann soweit, eine totale Renovierung mit Vergrößerung des alten Gebäudes wurde vollzogen. Auch jetzt wieder wurden Destillierapparate nach neusten Erkenntnissen eingebaut. Noch mehr Wert legte man auf die Reinigung des Kornrohspiritus. Mit Hilfe eines modernen Rektifiziergerätes (Feinbrennsäule) gewann man ein Kornfeindestillat erster Güte. Die Rezeptur des Alkohols erwies sich als noch ausgeklügelter. Außerdem wurden in der neuen Brennerei weit größere Eichenholzfässer aufgestellt. Ein erhöhtes Brennrecht und die daraus folgenden größeren Mengen Branntwein konnten so besser gelagert werden. Dies wirkte sich nicht nur enorm auf die Qualität, sondern auch auf die Quantität des „Geutings Korn“ aus.

Der Viehbestand musste im Laufe der Jahre zahlenmäßig angehoben werden, um den Brennrückstand, die Schlempe, vollständig an die Tiere zu verwerten. Dies ist eine Bedingung für eine landwirtschaftliche Brennerei. Leider verstarb eineinhalb Jahre nach dem Tode von Johann Bernhard auch der Nacherbe Johann im Alter von 28 Jahren. Vorerst trat dann die Frau von Johann Bernhard die Nachfolge an.

Ein Jahr nach dem Ende des zweiten Weltkrieges übernahm Josef Johann Geuting (1903-1982) die Brennereitradition mit persönlichen Einsatz. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte man lediglich vier Sorten alkoholischer Getränke angeboten, Korn, Doppelkorn, Kornanis und Wacholder. Nach dem Krieg wurden weitere Erzeugnisse in die Produktpalette aufgenommen. So wurde neben den althergebrachten Destillaten verschiedene Liköre angeboten, so zum Beispiel der Kräuterlikör Gauding, ein Likör den viele Kenner wegen seines hervorragenden Geschmackes und den nicht zu verachtenden 30 Volumenprozenten Alkohol zu schätzen wissen.

Bei Geuting wird Korn gebrannt

Eingebettet in die typisch münsterlandische Landschaft: Die Gutsbrennerei Geuting verwendet Getreide aus der Region – Foto Gutsbrennerei Geuting

Als Anfang der 70er Jahre viele Brennereien dazu übergingen ihr Spirituosengeschäft gemeinsam zu betreiben, blieb der Familienbetrieb Geuting eigenständig, um nach wie vor die individuellen Spezialitäten zu offerieren. Nach Josef Geutings Tod führten Erhard und Ulrike Geuting im Geiste der Vorfahren die althergebrachte Brenntradition fort. Die Betriebsprozesse wurden rationalisiert. So wurde eine neue Getreidesiloanlage – und Lagerung gebaut. Weiterhin wurde das alte Maischverfahren mit dem Henzedämpfer in das Kaltmaischverfahren mit Wärmerückgewinnung geändert, welches zu einer erheblichen Energieeinsparung führte. Zudem wurden die alten Eisengärbottiche durch moderne V2A – Edelstahl – Gärbottiche mit einer Kohlensäurewäsche ersetzt, um eine optimale Alkoholausbeute gewährleisten zu können.

Nach dem abgeschlossenen BWL – Studium und Lehrgängen zum Destillateur und Kornbrenner trat Magnus Geuting 1997 in das Unternehmen ein. Er strukturierte den Betrieb im Jahr 2.000 neu, verlagerte den Spirituosenverkauf von der Brennerei in den neuen Verkaufs- und Präsentationsraum und begann mit der Produktion hochwertiger Whiskys. Seitdem bietet die Gutsbrennerei Geuting ihre Spirituosen auch in verschiedenen sandgestrahlten Präsentflaschen sowie in Flaschen mit eigenem Etikett als Geschenkidee an.

Gutsbrennerei Joh. B. Geuting, Tel. 02871/43552, www.gutsbrennerei-geuting.de

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