Hans-Werner-Henze-Preis für Enno Poppe

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Westfalen – Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) hat seinen mit 12.800 Euro dotierten Hans-Werner-Henze-Preis in diesem Jahr an den in Hemer (Märkischer Kreis) geborenen Komponisten und Dirigenten Enno Poppe verliehen. LWL-Direktor Dr. Wolfgang Kirsch hat den „Westfälischen Musikpreis“ dem Künstler am 17. Februar  im Parktheater Iserlohn für seine kompositorischen Leistungen überreicht. Der LWL vergibt seinen Musikpreis alle sechs Jahre für besondere Leistungen zeitgenössischer Komponisten, die aus Westfalen stammen oder hier wirken.

Der LWL zeichnet Enno Poppe mit seinem Hans-Werner-Henze-Preis aus. Foto: Kai Bienert

Der LWL zeichnet Enno Poppe mit seinem Hans-Werner-Henze-Preis aus.
Foto: Kai Bienert

„Enno Poppe zählt zu den international renommiertesten Komponisten seiner Generation und strahlt auch als Dirigent im Bereich zeitgenössischer Musik große Wirksamkeit aus. Sein Schaffen ist durch das Ausloten verschiedenster musikalischer Systeme gekennzeichnet, die der Komponist aufstellt, um sie dann in ihrer selbst auferlegten Beschränktheit an ihre Grenze zu führen“, zitierte Kirsch aus der Begründung der Jury.

In seiner Laudatio beschrieb Prof. Dr. Hans-Joachim Wagner von der Kunststiftung NRW Poppes Musik so: „Nichts liegt Enno Poppe ferner als eine Verengung von Kommunikation. Er begreift musikalische Formen und Klänge im Sinne Theodor W. Adornos als ’sedimentierte Inhalte‘. Formen und Klänge in Poppes Musik besitzen eine Geschichte, die unsere Erwartungen als Hörer leiten, und mit der es kritisch umzugehen gilt. Poppe nimmt diese kritische Haltung ein, er hebelt die Konventionen aus, er spielt mit Erwartungen, führt die Zuhörer in entlegene Winkel und gleichsam in die Irre.“

Für herausragend hält Wagner, dass Poppe „eine singuläre künstlerische Position im gegenwärtigen Musikleben bezogen hat. Wir müssen ihm danken für eine unendliche Fülle von Werken höchster kompositorischer Individualität; Werke, die uns Zuhörern immer wieder neue Hör- und Seherfahrungen garantieren. Das bis ins kompositorische Detail überzeugende In- und Miteinander von technischer Konstruktion und gestisch-musikalischem Ausdruck dürfte in seiner Folgerichtigkeit heute einzigartig sein“, lobte Wagner.

Den musikalischen Beweis für die Qualität von Poppes künstlerischem Schaffen lieferte das ensemble mosaik aus Berlin, das in der Besetzung Ernst Surberg an der virtuellen Hammond-Orgel und Flügel, Chatschatur Kanajan an der Violine und Mathis Mayr am Violoncello dem Publikum Poppes Werke „Arbeit“, „17 Etüden für Violine solo“ und „Trauben“ näher brachte.

Der 1969 in Hemer geborene Enno Poppe lebt und arbeitet heute in Berlin. Von 1990 bis 1998 absolvierte er ein Dirigier- und Kompositionsstudium an der Hochschule der Künste in Berlin. Seit 1998 ist er der musikalische Leiter des „ensemble mosaik“, mit dem er dreimal einen Förderpreis der Ernst von Siemens Musikstiftung erhielt. Seit 2008 ist er Mitglied der Akademie der Künste Berlin, seit 2009 der Akademie der Wissenschaften und Künste des Landes Nordrhein-Westfalen.

Der an Poppe verliehene Westfälische Musikpreis, der im Jahr 1959 das erste Mal vergeben wurde, ist seit 2001 nach dem international renommierten westfälischen Komponisten Hans-Werner-Henze benannt. Henze erhielt den Musikpreis selber im Jahr 1995. Die Auszeichnung soll darauf aufmerksam machen, dass hervorragende Komponisten aus Westfalen stammen oder hier wirken. Die Komponisten leisten durch ihre Werke einen Beitrag zur aktuellen musikalischen Kultur Westfalens.

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