Slow Food NRW: Auf der Liste der guten Vorsätze für das neue Jahr ist bei vielen eins zu finden: der Wunsch, gesünder und vor allem bewusster zu essen. Ansetzen muss man da nicht erst bei der Zubereitung der Speisen an, sondern bereits bei der Herstellung der Rohstoffe. Die Slow-Food-Bewegung ist eine internationale Bewegung, deren Anhänger sich dafür einsetzen, dass jeder Mensch Zugang zu Nahrung hat, die sein Wohlergehen sowie das der Produzenten und der Umwelt erhält. Entscheidet man sich für Lebensmittel von Slow-Food-Erzeugern, entscheidet man sich für drei Dinge: Gutes Essen, das wohlschmeckend, nahrhaft und frisch ist. Sauberes Essen, das hergestellt wurde ohne die Ressourcen der Erde oder die Umwelt zu belasten und ohne Schaden an Mensch, Natur und Tier zu verursachen. Und faires Essen mit angemessener Bezahlung und fairen Bedingungen für alle – von der Herstellung über den Handel bis hin zum Verzehr.

Foto: Rike Kappler führt durch die Räume der Bäckerei Cibaria – Foto Slow Food Münsterland
Längst ist die Slow-Food-Bewegung, die weltweit mehr als 100.000 Mitglieder zählt, auch in Westfalen angekommen. Bei Slow Food NRW gibt es vier große Lokalgruppen für Westfalen-Lippe, auch Convivien genannt: Münster, Dortmund, Bielefeld/Ostwestfalen-Lippe und das Sauerland. Unter den Mitgliedsbetrieben befinden sich Lebensmittelproduzenten aller Sparten, von Fleischereien über Käsereien bis hin zu Imkereien.
Ein Lebensmittelproduzent, der bei Slow Food NRW mitmacht, ist der Meierhof Rassfeld in Gütersloh. Getreu dem Motto „Geboren, um frei zu leben“ werden dort Freiland-Puten gehalten. Von der Aufzucht bis zur Schlachtung und zum Verkauf geschieht hier alles aus einer Hand: Der „Herr der Puten“, Landwirt Friedrich Wilhelm Haver Rassfeld, zieht kleine Eintagsküken der englischen Naturrasse Kelly-Turkey in einem warmen Stall auf. Nach etwa acht Wochen verlassen sie diesen behüteten Ort, um in der großen Freiheit der Wiesen und Wälder um dem historischen Bauernhof ein möglichst unbeschwertes Leben zu führen. „Hier können sie gackern wie ihnen der Schnabel gewachsen ist und scharren, was das Zeug hält“, weiß Haver Rassfeld zu berichten. Denn entgegen der gängigen Praxis in der modernen, permanent unter Leistungsdruck stehenden Landwirtschaft, werden den Puten die Schnäbel nicht eingekürzt und die Füße sind voll entwickelt. So gesund wie das Umfeld ist auch die Ernährung. Extensive Haltung erfordert energiearmes Futter, daher wachsen die Puten erheblich langsamer als ihre Artgenossen in der modernen Landwirtschaft. Das macht sich später in der Fleischqualität bemerkbar: Das Fleisch ist feinfaserig, dunkel in der Erscheinung und fest im Biss. Es liefert Eiweiß, wichtige Vitamine, Mineralstoffe und ist fett- und kalorienarm. Ein Puter vom Meierhof Rassfeld wiegt schon mal bis zu 18 Kilogramm – natürlich viel zu viel für eine Familie. Deswegen wird er zerlegt und die Keulen, die Brust oder das Filet werden im Hofladen neben hausgemachten Kuchen und Konfitüren frisch und geräuchert angeboten. Auch gibt es dort andere Gaumenfreuden aus Putenfleisch, wie Frischwurst, Lachsschinken, Putenklopse Königsberger Art und vielem mehr. Auch die Bäckerei Cibaria in Münster gehört zu Slow Food NRW.
Für seine Sonderausgabe „Küchentour“ hat Westfalium sich bei weiteren Slow-Food-Herstellern der Region umgeschaut, darunter die Fleischerei Laschke in Heek, die Sauerländer Bauernkäserei Löffler aus Schmallenberg, der Pralinenhersteller Meister Eders süße Werkstatt aus Marienmünster, Die Marmeladenmanufaktur aus Münster und die Imkerei Regenbogenhof aus Schloss Holte.
Diese und weitere Themen rund um Küchen, Kochen und Köstlichkeiten lesen Sie im 2013 erschienenen Westfalium extra „Küchentour“. Im Online-Shop von Westfalium ist das Küchentour-Heft noch erhältlich. Jetzt im Westfalium-shop bestellen
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