Buchtipp: Deutsch-polnische Lyrik

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Westfalen – Das Veranstaltungsnetzwerk [lila we:] literaturland westfalen empfiehlt regelmäßig lesenswerte Bücher mit Bezug zur Region Westfalen. Dieses Mal dabei: deutsch-polnische Dichtungen vom Arnsberger Lyriker Hans Claßen – jetzt auch erhältlich im Westfalium-Shop.

Johann Joseph Claßen: Wie Windvisionen gehen die Glocken Vinetas – Romantik-Nachhall (deutsch-polnisch), jetzt erhältlich im Westfalium-shop

Im Vorwort von Grzegorz Supad, der die Gedichte Claßens ins Polnische übersetzte, heißt es: Claßen stellt seinem neuen Lyrikband den Untertitel „Romantik-Nachhall“ voran, weil er damit auf eine Kontinuität in der romantischen Ausdrucksweise der europäischen Dichtung hinweisen will. Auf der Suche nach einer fiktiven blauen Blume durchstreift er das heimische wie fremde Gefilde: am Gestade der Ostsee, am Ufer des Atlantiks. Bisweilen klettert er in die Schluchten des Gebirges, weil er hofft, die rare Blume gerade in einem schattigen Felsspalt sprießend aufzufinden.

Seine durch erfinderische Prägung gekennzeichneten Dichtungen nannte Claßen „Wie Windvisionen gehen die Glocken Vinetas“. Es dürften dieselben Glocken bzw. Stimmen sein, die im ehemaligen „Atlantis des Nordens“ [Die Stadt Vineta ist der Sage nach eine untergegangene Stadt an der Südküste der Ostsee.], einer längst untergegangenen Welt des Pruzzenlandes (im alten Ostpreußen), zu vernehmen waren. Stimmen, die einst meisterhaft Johannes Bobrowski in „Schattenland Ströme“ heraufbeschworen hatte. Genau wie Bobrowski verschrieb sich auch Claßen überwiegend dem eher als frigid empfundenen Norden Europas; so kann man sein Gemüt und sein ganzes lyrisches Schaffen erleben, die nötige Kraft, um am Meeresgrund Vinetas ruhenden Glocken in Bewegung zu setzen, daß sie tsunamiartig die Seewogen auftürmen. Dennoch: „Niemand vernimmt sie./ Das Brausen der Brandung/ Vergräbt ihr Verwehen// Kein Wort aus den Wogen -/ Vergaß das Vergängnis/ Die Stimmen am Grund?“

Trotz dieser Ohnmacht, die Claßen verstört, mit den Stimmen Vinetas kommunizieren zu können, bleibt doch ein Trost in der Lehre eines altbewährten Lehrmeisters: Goethe nämlich hinterließ jene überzeitlichen Verse, über die man nur schwer hinwegdichten kann: „Alles Vergängliche/ ist nur ein Gleichnis;/ das Unzulängliche/ hier wird’s Ereignis Ö“ (Chorus Mysticus) Claßen scheint dieses goethesche Prinzip verinnerlicht zu haben. Daher stellte er sich einer dichterischen Herausforderung und schuf einen aus zarten Formulierungen zusammengestellten Bilderband voller stimmungsvoller Impressionen, die nahezu alle Sinnesreize eines Lesers bewegen können.

Zum Autor:
Johann Joseph Claßen wurde 1953 in Oberschledorn im Hochsauerland geboren. Er studierte Deutsch und Geschichte an der Pädagogischen Hochschule Lörrach und der Universität Paderborn. Hans Claßen, heute wohnhaft in Arnsberg, ist Vorsitzender und Autorensprecher der Literarischen Gesellschaft Sauerland – Christine-Koch-Gesellschaft e.V. sowie Initiator der Möhnesee Literaturschiff-Fahrt und des Autorenkreises Möhnesee. Charakteristisch für sein lyrisches Werk ist die Konfrontation typischer Motive der Klassik oder Romantik mit der Wirklichkeit heute. Hans Claßens Gedichte werfen so neues Licht sowohl auf die früheren Literaturepochen als auch auf unsere Gegenwart.

Johann Joseph Claßen: Wie Windvisionen gehen die Glocken Vinetas, Romantik-Nachhall, deutsch-polnisch, Görlitz: Bergstadtverlag Wilhelm Gottlieb Korn 2016, 153 Seiten, 12,5 cm x 20,5 cm, ISBN 978-3870573416, 12,90 Euro

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Kommentare

  1. super

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