
Die Beihilfe übernimmt 70 Prozent der Kosten, die zur Behandlung von Krankheiten aufgebracht werden müssen. Dazu zählen auch Operationen und Krankenhausaufenthalte – Foto Pixabay
Beihilfe für Lehrkräfte in NRW: Was Anwärter und Beamte wissen müssen. Mit der Ernennung ändert sich die Krankenversicherung.
Für Beamtenanwärter ist das mehr als eine Formalie: Das Land zahlt von diesem Tag an einen festen Teil der Krankheitskosten direkt, und der Rest lässt sich erheblich günstiger absichern als vorher. Vorausgesetzt, man stellt rechtzeitig um.
Krankenversicherung für Beamtenanwärter
Schon als Beamtin oder Beamter auf Widerruf besteht Beihilfeanspruch, in der Regel über 50 Prozent. Die andere Hälfte muss privat abgedeckt werden.
Dafür gibt es die Restkostenversicherung. Sie versichert nur den Anteil, den das Land nicht trägt, und kostet deshalb deutlich weniger als eine Vollversicherung. Die meisten Anbieter führen zusätzlich Anwärtertarife zu reduzierten Beiträgen.
Gesetzlich versichert bleiben kann man. Nur zahlt man dann den vollen Beitrag ohne Arbeitgeberanteil, während der Beihilfeanspruch ungenutzt verfällt. Einige Bundesländer bieten inzwischen die pauschale Beihilfe an, bei der das Land die gesetzliche Versicherung bezuschusst. Nordrhein-Westfalen hat diesen Schritt bislang nicht gemacht, obwohl er im Koalitionsvertrag von 2022 steht.
Ein Hinweis zum Zeitpunkt: Die private Versicherung prüft den Gesundheitszustand. Vorerkrankungen können Zuschläge oder Leistungsausschlüsse auslösen. Viele Versicherer öffnen ihre Tarife für neu verbeamtete Personen allerdings zu erleichterten Bedingungen, wenn der Antrag kurz nach der Ernennung gestellt wird. Eine anonyme Voranfrage vor dem Antrag klärt die Ausgangslage, ohne dass eine Ablehnung aktenkundig wird.
Die Beihilfesätze
| Personenkreis | Satz |
| Aktive Beamtinnen und Beamte | 50 % |
| … ab zwei Kindern (nur für eine Person) | 70 % |
| Versorgungsempfänger im Ruhestand | 70 % |
| Ehegatte oder eingetragene Lebenspartnerin | 70 % |
| Kinder und Waisen | 80 % |
Beihilfe und Versicherungsleistung dürfen zusammen nie über den tatsächlichen Kosten liegen. Beim Ehegatten kommt eine Einkommensgrenze hinzu, die jährlich angepasst wird und für 2027 bei 24.873 Euro Vorjahreseinkommen liegt. Wird sie überschritten, entfällt der Anspruch für diese Person. Die Einzelheiten stehen bei der Finanzverwaltung NRW.
Beihilfeantrag in NRW: zuständig sind die Bezirksregierungen
Wer in NRW einen Beihilfeantrag stellt, reicht ihn nicht zentral ein, sondern bei seiner Bezirksregierung. Für Westfalen sind Münster, Arnsberg und Detmold zuständig, wobei in Detmold zusätzlich die Zentrale Koordinierungsstelle Beihilfe sitzt.
Maßgeblich ist die Bezirksregierung, die Ihre Bezüge abrechnet, nicht die räumlich nächste. Nach einer Versetzung lohnt der Blick auf die Bezügemitteilung.
Bei der Frist haben Sie mehr Luft als oft angenommen: Aufwendungen müssen innerhalb von 24 Monaten beantragt werden, spätestens 24 Monate nach Ausstellung der ersten Rechnung. Einmal im Jahr sammeln und gebündelt einreichen ist also unproblematisch. Wer die Frist unverschuldet versäumt, etwa wegen längerer Krankheit, kann eine Ausnahme geltend machen.
So läuft der erste Antrag:
- Personalnummer und zuständige Bezirksregierung von der Bezügemitteilung übernehmen
- Erstantrag ausfüllen, dabei Angaben zu Familienstand, Kindern und Einkommen des Partners bereithalten
- Rechnungen im Original oder als Scan beifügen, Rezepte nicht vergessen
- Kopien für die eigenen Unterlagen behalten, die Belege gehen nicht zurück
- Nach dem Erstantrag genügt für Folgefälle der Kurzantrag
Den Bearbeitungsstand können Sie über das Online-Portal Ihrer Bezirksregierung abfragen. Nachfragen per Telefon beschleunigen nichts und binden dort Kapazität, die für die Bearbeitung fehlt.
Beihilfeergänzungstarif für die verbleibenden Lücken
Beihilfefähig ist nicht alles, und nicht alles wird voll erstattet. Bei Sehhilfen, Zahnersatz und Heilpraktikerleistungen greifen Höchstbeträge, für Wahlleistungen im Krankenhaus gelten eigene Regeln.
Diese Differenz deckt ein Beihilfeergänzungstarif ab. Er lohnt sich vor allem bei absehbar hohem Zahnbedarf oder wenn Ein- und Zweibettzimmer im Krankenhaus wichtig sind. Bei jungen, gesunden Anwärtern ist er oft verzichtbar und lässt sich später nachrüsten, dann allerdings mit erneuter Gesundheitsprüfung.
Im Ruhestand
Als Versorgungsempfänger steigt der Satz auf 70 Prozent, der private Anteil sinkt auf 30. Die Absicherung wird im Alter also günstiger, nicht teurer, was den Unterschied zu Angestellten ausmacht.
Festgelegt wird das allerdings früh. Wie sich die Beiträge im Alter entwickeln und wie stark Altersrückstellungen den Anstieg abfedern, hängt am Tarif, den man zu Dienstbeginn unterschreibt.
Häufige Fragen
Bekommen Lehramtsanwärter schon Beihilfe?
Ja, ab der Ernennung zur Beamtin oder zum Beamten auf Widerruf, in der Regel mit 50 Prozent.
Wie lange habe ich Zeit für den Antrag?
24 Monate ab Entstehen der Aufwendungen, spätestens 24 Monate nach der ersten Rechnung.
Wer bearbeitet meinen Antrag in Westfalen?
Die Bezirksregierung, die Ihre Bezüge abrechnet: Münster, Arnsberg oder Detmold.
Kann ich als Beamtin gesetzlich versichert bleiben?
Ja, aber ohne Arbeitgeberanteil und ohne Landeszuschuss. Eine pauschale Beihilfe gibt es in NRW bisher nicht.
Haben angestellte Lehrer in NRW Anspruch auf Beihilfe?
Nein. Der Anspruch hängt an der Verbeamtung. Angestellte Lehrkräfte sind regulär gesetzlich versichert und erhalten den Arbeitgeberanteil.
Was ist ein Beihilfeergänzungstarif?
Eine Zusatzversicherung für Beträge, die Beihilfe und Restkostenversicherung zusammen nicht abdecken.














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