Alkoholsteuer: Kornbrenner schlagen Alarm

Ein guter Korn braucht Zeit. Die Politik ist gerade schneller. Der Bund braucht Geld. Zum 1. Januar 2027 will der Bund die Alkoholsteuer kräftig erhöhen: von 13,03 auf 15,64 Euro je Liter reinen Alkohols. Ein Plus von 20 Prozent. Das wird den Bundeshaushalt nicht sanieren, aber es ist eine Stellschraube, die sich der Bundesregierung gerade anbietet – mit einem leisen Hinweis auf zusätzlich gewünschte Gesundheitsaspekte.

Alkoholsteuer: Kornbrenner schlagen Alarm

Alkoholsteuer: Die geplante Steuererhöhung trifft die familiengeführten Brennereien besonders hart – Foto Allianz Kulturerbe Münsterländer Kornbrennereien

Im Münsterland kommt das gar nicht gut an. 17 überwiegend familiengeführte Brennereien in der Region haben sich in der „Allianz Kulturerbe Münsterländer Kornbrennereien“ zusammengeschlossen und machen gegen die Pläne mobil. Rund 660 Menschen arbeiten nach Angaben der Allianz in den Mitgliedsbetrieben. Dazu kommen noch Arbeitsplätze in Landwirtschaft, Verpackung, Logistik, Handel und Gastronomie.

Bundesweit könnten durch sinkende Absätze bis zu 8.000 Jobs gefährdet sein, warnt der Zusammenschluß. Eine gesicherte Prognose ist das nicht. Sprecher Rüdiger Sasse, Inhaber der Feinbrennerei Sasse in Schöppingen, nennt die Zahl ausdrücklich eine Schätzung. Sie beschreibe aber „ein reales Risiko“. Die Münsterländer schließen sich deshalb einem bundesweiten Protest der Branche an. Ihre Forderung: Die Steuer soll um höchstens einen Euro je Liter reinen Alkohols steigen. Außerdem wollen sie mehr Vorlauf und eine Überprüfung der Folgen für Konsum, Steuereinnahmen und Arbeitsplätze.

Grundsätzlicher ist ihre Kritik am Steuersystem. Spirituosen würden belastet, während andere alkoholische Getränke anders oder gar nicht zusätzlich besteuert werden. Langfristig fordert die Allianz deshalb eine fairere Besteuerung, die sich stärker am tatsächlich enthaltenen Alkohol orientiert.

Dabei geht es im Münsterland nicht nur um Flaschen und Umsätze. Viele Brennereien sind seit Generationen in Familienhand und eng mit Landwirtschaft und Gastronomie verbunden. Seit 2025 gehört die handwerkliche Brennkunst sogar zum bundesweiten Immateriellen Kulturerbe.

Das schützt eine Branche sicherlich nicht vor steigenden Steuern. 8.000 gefährdete Jobs bleiben zunächst eine Zahl der Betroffenen. Doch genau deshalb lohnt ein genauer Blick auf die Folgen. Denn eine Steuer lässt sich in Berlin schnell mit einem Federstrich erhöhen. Ob deshalb weniger getrunken wird oder am Ende nur andere Getränke im Glas landen, ist eine ganz andere Rechnung.

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