Droste Welten starten im Rüschhaus

Droste Welten erschließen das Leben und Werk der Poetin Annette von Droste-Hülshoff. Gestern (1. Juli) wurde der erste Teil des geplanten Ausstellungsensembles im Rüschhaus eröffnet.

Droste Welten starten im Rüschhaus

Das italienische Zimmer im Haus Rüschhaus – Foto Hanna Neander

Die Droste Welten verbinden die Ausstellungen auf der Burg Hülshoff in Havixbeck mit der im Rüschhaus in Münster-Nienberge. Das Ausstellungsensemble erschließt die Lebens- und Schreibwelten der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff (1797–1848) an zwei historischen Originalorten neu. Erstmals steht damit in Deutschland eine Schriftstellerin im Zentrum einer dauerhaft angelegten, umfassenden Ausstellung.

Droste Welten starten im Rüschhaus

Gruppenbild zur Eröffnung der Droste Welten (alphabetisch) Jörg Albrecht, Stefan Ast, Prof. Dr. Ursula Frohne, Sarah Giese, Dr. Georg Lunemann, Miriam Michel, Prof. Dr. Rita Morrien, Dr. Ortrun Niethammer, Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger – Foto Ute Schernau

Die festliche Eröffnung der Droste Welten wurde eingeleitet von Grußworten von Dr. Georg Lunemann, Direktor des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe und Kuratoriumsvorsitzender der Annette von Droste zu Hülshoff-Stiftung, und Stefan Ast, Geschäftsführer der NRW-Stiftung, die das Rüschhaus als Eigentümerin trägt.

Ein Panel mit der Literaturwissenschaftlerin Dr. Ortrun Niethammer und der LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger fragte nach der Aktualität Annette von Droste-Hülshoffs und beleuchtet, warum das Rüschhaus als authentischer Lebens- und Schreibort der Autorin innerhalb der Literaturmuseen eine besondere Stellung einnimmt.

Schirmfrau der Droste Welten ist die Schriftstellerin Cornelia Funke. Für sie ist die Poetin Annette von Droste-Hülshoff eine der wichtigsten deutschen Autorinnen: »Es ehrt mich sehr, dass ich die Schirmfrau einer Ausstellung sein darf, die ihren Besuchern eine so vielschichtige, anfassbare und unvergessliche Begegnung mit Annette von Droste-Hülshoff beschert. Diese Dichterin ist so voller Überraschungen, nicht nur in ihrem Werk, sondern auch in ihrem Leben und ihrer Auseinandersetzung mit sich und der Welt.«

Droste Welten starten im Rüschhaus

Ansicht Italienisches Zimmer – Foto Hanna Neander

Die neue Dauerausstellung widmet sich den Jahren, die Annette von Droste-Hülshoff im Rüschhaus verbrachte – der Zeit, in der ihre wichtigsten Werke entstanden. Die Ausstellung fragt, was es bedeutete, als Frau im 19. Jahrhundert zu schreiben: unter den Erwartungen der Familie, den Regeln des Literaturbetriebs und den Grenzen, die Geschlecht und Stand zogen. Handschriften, Bücher und persönliche Gegenstände geben Einblick in ihre Arbeitsweise und den literarischen Alltag einer Autorin im 19. Jahrhundert. Die Ausstellung ist in deutscher und englischer Lautsprache sowie in Deutscher Gebärdensprache zugänglich. Über Audioguides können Besucher Gedichte und Prosatexte Drostes hören. Textblätter laden dazu ein, Drostes Schreiben als persönliche Sammlung mitzunehmen.

Zeitgenössische künstlerische Positionen treten in Dialog mit den historischen Materialien. Die Schriftstellerin Dorothee Elmiger folgt Motiven aus Droste-Hülshoffs Novelle Die Judenbuche. Ihre Installation versammelt kurze Textstücke in Drostes Handschrift – Fragmente von bis zu zwanzig Zeilen, in denen Figuren, Eigenschaften und Handlungselemente sichtbar werden. Eine Installation von Katrin Mayer und Jenni Tischer im Eingangsbereich rückt Droste und ihre Amme Maria Catharina Plettendorf ins Zentrum und fragt nach weiblicher Produktivität.

Auf der Garteninsel entsteht ein Mitmach-Garten. Besucher können hier selbst pflanzen und ernten. Er knüpft an die Tradition des historischen Nutzgartens an, der zu Annette von Droste-Hülshoffs Zeit zum Alltag des Hauses gehörte. Zur Eröffnung startet auch das Café Schneckenhäuschen, benannt nach dem Namen, den Droste ihrem Arbeitszimmer gab.

Zusammen mit der Burg Hülshoff in Havixbeck, dem Geburtsort Annette von Droste-Hülshoffs, bildet das Rüschhaus einen der zwei Ausstellungsorte der Droste Welten. Beide Orte sind durch den Lyrikweg verbunden, einen sieben Kilometer langen Erlebniswanderweg mit 21 Informationsstationen. Zusammen erschließen sie einen neuen Zugang zu einer Autorin, deren Texte bis heute gelesen und weitergedacht werden.

Droste Welten starten im Rüschhaus

Ansicht Arbeitszimmer – Foto Hanna Neander

Vom 1. bis 5. Juli ist der Eintritt in das Museum frei. Da die Besucherzahl im Haus begrenzt ist, kann es zeitweise zu Wartezeiten kommen. Diese lassen sich jedoch entspannt im Café oder im Garten verbringen.

Annette von Droste-Hülshoff, 1797 auf der nahegelegenen Burg Hülshoff geboren und dort aufgewachsen, zog im September 1826 nach dem Tod ihres Vaters gemeinsam mit ihrer Mutter Therese und ihrer Schwester Jenny in das Haus Rüschhaus. Sie lebte hier rund zwanzig Jahre. Die Räume im Zwischengeschoss des Hauses wurden für sie ausgebaut. Ihr Arbeitszimmer nannte sie ihr »Schneckenhäuschen«. Zum ersten Mal verfügte sie über ein eigenes Einkommen: eine Leibrente von 300 Reichstalern. Das Rüschhaus wurde zum Ort ihrer produktivsten Schaffensphase. Hier entstanden zahlreiche Balladen unter anderem Der Knabe im Moor, große Teile des Gedichtzyklus Das geistliche Jahr und die Novelle Die Judenbuche. 1838 erschien ihr erster Gedichtband unter Quasi-Pseudonym, 1844 ein zweiter, diesmal unter vollem Namen.

Das Haus Rüschhaus liegt sechs Kilometer westlich von Münster, am Rand des Stadtteils Nienberge, eingebettet in die Münsterländer Parklandschaft. Errichtet wurde es zwischen 1745 und 1748 vom Barockbaumeister Johann Conrad Schlaun als sein eigener Landsitz. Ein zweigeschossiges, mächtiges Backsteinhaus bildet den Mittelpunkt der Anlage, ergänzt durch zwei Nebengebäude und einen Vorhof; eine Gräfte umschließt das gesamte Ensemble. Der Barockgarten folgt symmetrischen Gestaltungsprinzipien und öffnet den Blick weit in die umliegende Landschaft. Das Gebäude verbindet bäuerliche Architektur der Region mit repräsentativen Formen des Barocks und gilt als eines der bedeutenden Beispiele westfälischer Barockarchitektur.

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