Brakel. Nah an der Historie und doch sehr heutig: Die aktuelle Saalinszenierung der Judenbuche von Annette von Droste-Hülshoff in Brakel mit der Freilichtbühne Bökendorf ist ein Muss für jeden Droste-Fan.
Grünes Licht und leises Vogelgezwitscher empfängt die Theaterbesucher in der Aula der Brakeler Gesamtschule. Es ist ein bisschen, als wenn man draußen im Wald wäre. Im Bökendorfer Hasenholz, wo die Freilichtbühne Bökendorf seit 75 Jahren ihre Inszenierungen aufführt. Viermal ist dort auch schon “Die Judenbuche” von Annette von Droste-Hülshoff gespielt worden. Erstmals 1964 und zuletzt 1997 anlässlich des 200. Geburtstags der Dichterin, die mit dem Bökerhof in Bökendorf eng verbunden war und die mit der Judenbuche einer Begebenheit rund um das “Dorf B” der Brakeler Ortschaft Bellersen zu einem literarisches Vermächtnis verholfen hat.
Premiere mit stehenden Ovationen gefeiert
Anlässlich des 75-jährigen Jubiläums hat die Freilichtbühne Bökendorf das Stück nun zum fünften Mal und erstmals überhaupt in einer Indoor-Produktion auf die Bühne gebracht. Die Premiere am Freitag in der restlos ausverkauften Aula der Gesamtschule Brakel wurde mit frenetischem Jubel und stehenden Ovationen gefeiert.
Der Freilichtbühne ist es gelungen, ein dicht gewebtes Kammerspiel in großer Besetzung auf die Bühne zu bringen. Die Herausforderung bei jeder Judenbuche-Inszenierung besteht darin, dass man sich die Novelle erstmal für die Bühne zurechtbiegen muss. Annette von Droste-Hülshoff hat die Geschichte 1842 ja als Prosa-Literatur veröffentlicht und nicht als Bühnendrama.
Von fünf auf 20 Personen erweitert
Viermal hat die Freilichtbühne die Bühnenfassung selbst erarbeitet. Diesmal hat Regisseur Stefan Rumphorst sich für die Adaption des Berliner Autors Kristo Sagor (49) entschieden. 2014 hatte Sagor diese Version als Uraufführung für das Junge Theater Münster verfasst. Ursprünglich für fünf Spieler konzipiert hat Sagor mit Regisseur Stefan Rumphorst das Stück auf 20 Personen erweitert.
Alles bekommt eine besondere Wucht
Es ist ein bisschen so, als hätte man einen Popsong für Bigband arrangiert. Alles bekommt noch mal eine besondere Wucht. So tritt die Rolle der Mutter Margreth gleich vierfach auf. Was die Laienschar der Freilichtbühne Bökendorf mit dieser Judenbuche auf die Bühne bringt, stellt Vieles dessen, was auf Klassiker spezialisierte Profi-Ensembles zeigen, in den Schatten. In ihren Rollen brillieren insbesondere Neil Kahrmann, Joss Spieker-Siebrecht, Mika Germer, Carsten Meier und Judith Schaffer. Die eigens von der Kasseler Komponistin und Cellistin Regine Bunke geschaffene Bühnenmusik hält das Stück atmosphärisch in einer spannungsgeladenen Schwebe.
Homogen-stimmiges Bühnenbild
Das Ausstattungsteam sorgt mit schlichten naturweißen Kostümen und wenigen bewusst gesetzten Farbakzenten für ein trotz der vielen Akteure sehr homogen-stimmiges Bühnenbild. Insgesamt gelingt der Freilichtbühne mit ihrer aktuellen Judenbuche-Reloaded-Version eine nah an der Historie bleibende und zugleich sehr im Heute angesiedelte Auseinandersetzung mit einem Klassiker der westfälischer Weltliteratur. Droste-Fans sollten sich diese Version der Judenbuche keinesfalls entgehen lassen. Die weiteren Aufführungen sind Samstag, 22. November 19.30 Uhr, Sonntag, 23. November 16 Uhr, Freitag, 28. November 19.30 Uhr, Samstag, 29. November, 19.30 Uhr (mit DGS) und Sonntag, 30. November 16 Uhr. Karten gibt es online auf der Homepage der Freilichtbühne.















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