Groll und Heilung: Figuration wird ganz neu gedacht. Vom 31. August bis 26. Oktober 2025 widmet das Stadtmuseum Beckum sich einem Thema, das jeder kennt, aber kaum jemand so pointiert auf die Leinwand, ins Objekt oder ins Foto bringt: „Groll und Heilung“. Schon der Titel klingt wie ein Drama in zwei Akten, das eine dunkel, das andere hoffnungsvoll.
Genau dieses Spannungsfeld loten bekannte Künstlerinnen und Künstler des Westdeutschen Künstlerbundes in ihren Werken aus. An der Ausstellung sind mit ihren Arbeiten beteiligt: Jochem Ahmann, Julia Arztmann, Jackie Bamfaste, Renate Behla, Edgar A Eubel, Friedhelm Falke, Peter Gros, Ulrich Haarlammert, Anne Kückelhaus, Andrea Küster, Ulrich Langenbach, Marion Niessing, Edith Oellers, Stephanie Pech, Christoph Platz, Thomas Prautsch, Silke Rehberg, Mira Schumann, Elke Seppmann und Bernhard Sprute.
Gezeigt werden Positionen, die auf unterschiedliche Weise mit Figuration umgehen. Das Spektrum reicht von klassischer Malerei bis zu experimentellen, intermedialen Arbeiten. Dabei wird deutlich: Figuration ist alles andere als ein überholtes Konzept. Sie kann Abbild sein, erzählerische Verdichtung oder nur noch Spur einer Vorstellung. Die Bandbreite ist breit und sehr persönlich geprägt.
„Figur“ bedeutet in dieser Ausstellung nicht zwangsläufig Körper oder Gesicht. Es ist vielmehr ein künstlerisches Prinzip, das zwischen Andeutung und Klarheit changiert. Mal erkennt der Besucher die dargestellte Welt unmittelbar wieder, mal entzieht sie sich und bleibt rätselhaft.
Die Ausstellung stellt diese Mehrdeutigkeit bewusst in den Mittelpunkt. Schmerz und Wut, wie sie im Titel anklingen, sind in vielen Arbeiten präsent, als Bild für persönliche oder gesellschaftliche Konflikte. Doch gleichzeitig finden sich Gesten der Versöhnung, fragile Momente des Trosts, künstlerische Versuche, Verletzungen zu verwandeln. „Heilung“ ist hier nicht als sentimentale Auflösung gemeint, sondern als Möglichkeit, neue Perspektiven zu gewinnen und die Wirklichkeit neu zu erfahren.
Damit führt „Groll und Heilung“ auch eine Debatte innerhalb der Kunst weiter. In Teilen der Szene gilt Figuration aktuell als altmodisch, fast schon als anrüchig akademisch. Der ironische Ausstellungstitel spielt mit diesem Vorurteil. Tatsächlich zeigen die ausgewählten Werke aber, wie vital figuratives Arbeiten sein kann.
Das Stadtmuseum Beckum hat die Schau als eine Art Parcours durch unterschiedliche Ausdrucksformen angelegt. Die Besucherinnen und Besucher sollen keine abschließende Deutung serviert bekommen, sondern vielfältige Zugänge ausprobieren können. Manche Werke sprechen über unmittelbare individuelle Emotionen, andere entfalten sich erst beim längeren Betrachten.
Groll und Heilung sind keine abstrakten Begriffe, sondern Erfahrungen, die jeder kennt. Indem die Künstlerinnen und Künstler sie in Bilder übersetzen, machen sie diese Emotionen verhandelbar.
Die Ausstellung lebt von der Reibung, vom Nebeneinander widersprüchlicher und unterschiedlicher Haltungen. In dieser Spannung liegt ihr Zauber: Sie zeigt, wie reich die Figuration im 21. Jahrhundert sein kann – und wie sie uns inspiriert, die eigene Wirklichkeit neu zu betrachten und zu entdecken. JB
Öffnungszeiten: täglich 9:30-12:30 Uhr, 15:00-17:00 Uhr außer Mo, Sa-Vormittag und an Feiertagen
Stadtmuseum Beckum, Markt 1, 59269 Beckum, Tel. 02521/294243, www.dein-beckum.de















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