Ziviler Ungehorsam: „Café Päusken“ öffnet wieder

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Gegen die staatlichen Lockdown-Maßnahmen regt sich erster ziviler Ungehorsam: Corona-Verordnungen in allen Formen und Farben haben den Gastwirten hierzulande seit einem Jahr faktisch die Existenzgrundlage entzogen. Viele Gastronomen haben die Faust in der Tasche, denn sie haben im vergangenen Jahr oft viel Geld investiert, um ihre Betriebe Corona-sicher zu machen. Für Sabine Goller aus Rietberg ist das Maß jetzt voll: Sie hat vor Ostern ihr „Café Päusken“ trotz staatlichem Verbot wieder für Gäste geöffnet. Und ziemlichen Ärger mit Ordnungsamt und Polizei bekommen.

Ziviler Ungehorsam Corona

Das Café Päusken in Rietberg öffneten am Gründonnerstag seinen Biergarten – und setzte damit ein Zeichen – Foto Café Päusken

Nicht nur in Westfalen sehen Gastwirte einfach nicht mehr ein, warum sie nicht unter entsprechenden Auflagen und mit begrenzten Gäste-Zahlen öffnen dürfen. Sie fühlen sich zu Recht von der Politik verschaukelt, zumal es an ihre Existenz geht. Im Frühlingsheft von Westfalium hat Dieter Wosberg, Präsident des Hotel- und Gaststättenverbands Westfalen bereits gemutmaßt, dass es in Kürze solche Protestaktionen geben würde. Wenn die Beschränkungen nicht aufgehoben würden – rechnete er mit Aktionen des zivilen Ungehorsams. Die Nerven liegen blank.

Am Gründonnerstag, dem 1. April hat das Rietberger Café Päusken der Familie Goller erstmals wieder Gäste in seinem Biergarten empfangen. „Wir kämpfen ums Überleben“, betont Betreiberin Sabine Goller. Für die Behörden ist das aber kein Argument. Prompt stand das Ordnungsamt am Gründonnerstag im Café Päusken auf der Matte und schließlich wurde auch noch die Polizei alarmiert.

Am Ende des Tages war der Biergarten komplett leergeräumt, Tische und Stühle hatte das Ordnungsamt kurzerhand mitgenommen. „Wir wissen, dass wir nicht hätten öffnen dürfen, aber wir wollten damit ein Zeichen setzen“, erklärt Sabine Goller vor der Presse. Ziviler Ungehorsam: Corona und Lockdown machen sogar eine gestandene Rietbergerin rebellisch.

Ziviler Ungehorsam Corona

„Wir kämpfen ums Überleben“, erklärt Sabine Goller, die Betreiberin des Café Goller – Foto Café Päusken

Ihre Aktion hatten die leidenschaftlichen Gastwirte bei Facebook gepostet. Sie hofften damit auf viele zahlungswillige Gäste. „Zum Mittagstisch gibt es Geschnetzeltes mit Nudeln – wir freuen uns“.

Auf einem Aushang hatten sie den Gästen erklärt: „Wir bieten das To-Go-Geschäft an und stellen zum Verzehr den hinteren Biergarten zur Verfügung, damit unsere Ware nach den geltenden Hygiene- und Abstands- und Kontakt-Regeln verzehrt werden kann. Sie dürfen entscheiden, ob Sie es nutzen möchten.“ Das war tatsächlich ein Tacken zu viel des Guten.

Den Mitarbeitern des Ordnungsamts gefiel das ganz und gar nicht. Sie schritten ein, verboten unter Androhung eines Ordnungsgeldes den Betrieb des Biergartens und ließen schließlich auch die Polizei anrücken. Die schritt mit 14 martialisch ausgerüsteten Beamten zur Tat.

Das Mobiliar wurde kurzerhand einkassiert. Das Ordnungsamt will für den Abtransport und die Einlagerung die Gollers auch noch zur Kasse bitten. Alles soll seine Ordnung haben. Sabine und Frank Goller sind entrüstet. Ihnen sei zwar bewusst gewesen, dass sie mit ihrer Aktion provozieren würden – aber einer Ordnungswidrigkeit seien sie sich nicht bewusst. Immerhin hätten sie die Speisen To-Go herausgegeben. Dass sie zum Verzehr ihren Biergarten offeriert hatten, soll ihnen nun zum Verhängnis werden. jb/wg

Comments

  1. Hätten Sie im „Görli“ in Berlin Drogen verkauft wäre denen wohl weniger passiert.

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