Theater Münster 60 Jahre im neuen Haus

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Theater Münster: 60 Jahre ist das städtische Theater der Westfalenmetropole jetzt in seinem neuen Heim. Bis heute wird das Gebäude weltweit als „Donnerschlag in der Theaterarchitektur“ gefeiert. Am 4. Februar 1956 hob sich erstmals der Vorhang im neu erbauten – auf den Ruinen des Vorgängerbaus errichteten – Stadttheater an der Neubrückenstraße. Der von den Architekten Harald Deilmann, Max von Hausen, Ortwin Rave und Werner Ruhnau entworfene Bau zählt zu den eindrucksvollsten Zeugnissen der Nachkriegsmoderne in Westfalen.

Theater Münster 60

Theater Münster im Jahr 1956

Ein Rückblick: Zwischen 1895 und 1944 hatte Münsters Bühnenleben überwiegend im Lortzing-Theater stattgefunden. Ebenso wie die „Westfälische Schule für Musik“ war das Theater im ehemaligen Romberger Hof an der Neubrückenstraße und der Voßgasse angesiedelt. Nach der Bombardierung des Theaters am 9./10. Juli 1941 verlagerte das Stadttheater den Spielbetrieb in die weniger zerstörte, benachbarte Stadthalle, in der eine Behelfsbühne eingerichtet wurde.

Fünf Jahre nach Kriegsende, 1950, stimmte der Rat der Stadt Münster dem Wiederaufbau des Theaters nach den Plänen des städtischen Baurats Edmund Scharf zu. Die finanziellen Krisenjahre und der Aufbau von Dom, Schloss und Rathaus verhinderten jedoch über Jahre den Baubeginn. Nicht zuletzt bürgerschaftlichen Engagement und einer regen Spendentätigkeit war es zu danken, dass die Idee eines Neubaus kontinuierlich weiterverfolgt wurde und eine erneute Ausschreibung erfolgte.

Zu den 1953 eingereichten Entwürfen zählten neben dem überarbeiteten Plan von Edmund Scharf die Vorschläge von Hans Ostermann und der Architektengruppe Harald Deilmann, Max von Hausen, Ortwin Rave und Werner Ruhnau. Das Votum des Rats orientierte sich an Urteil der Gutachter, die im Januar 1954 eindeutig die Lösung der vier jungen Architekten favorisiert hatten. Die Idee, dem wiedergewonnen historischen Zustand der Altstadt einen modernen Neubau entgegenzusetzen, diesen aber gleichzeitig durch vielfältige architektonische Bezugspunkte in den urbanen Kontext zu integrieren, hatte sich durchgesetzt.

Die Grundsteinlegung für den Theaterneubau erfolgte am 16. Mai 1954; die Bauarbeiten am Großen Haus sollten 20 Monate dauern; die Gesamtkosten betrugen 5,3 Millionen DM. Am Samstag, 4. Februar 1956 wurde mit Mozarts „Zauberflöte“ in einem über fünfstündigen Festakt das neue Haus in Münster eröffnet und als erster Nachkriegsbau eines Theaters in Deutschland euphorisch gefeiert.

Die Theatertradition in Münster wurde im 18. Jahrhundert durch Franz Freiherr von Fürstenberg begründet. Der Kurfürst ließ 1774 im ehemaligen Schlachthaus am Roggenmarkt nach Plänen des Architekten Wilhelm Ferdinand Lipper das so genannte Komödienhaus errichten, Münsters ersten Theaterbau. Die Münsteraner kamen nun in den Genuss von Singspielen und Opern. Prominenter Akteur an dieser Spielstätte war Albert Lortzing, der zwischen 1826 und 1833 als Schauspieler und Sänger in Münster tätig war.

Nach dem Abbruch des Hauses 1890 entstand mit dem wenige Jahre später eröffneten Lortzing-Theater im ehemaligen Adelshof der Familie von Romberg an der Neubrückenstraße ein eleganter Theaterbau. In den umgebauten Pferdeställen des Romberger Hofes wurde das Lortzing-Theater am 30. November 1895 mit Zar und Zimmermann als neue Spielstätte eröffnet. Im Jahr 1900 wurde das Theater um den Westerholtschen Hof, in dem schon Beethoven Konzerte gegeben hatte, in Richtung der Voßgasse erweitert. Nach der Übernahme der Gebäude durch die Stadt wurde das Theater ab 1906 als Städtisches-Lortzing-Theater weitergeführt.

Alfred Bernau leitete von 1929 bis 1932 das Theater. Im Stadtführer hieß es 1930: „Die Theater der Stadt Münster sehen ihre vornehmste Aufgabe darin, Stätten wahrer, veredelter Kunst zu sein, klassische Werke und Werke moderner Autoren in Wort und Klang vorzuführen und damit als kulturelle Erziehungsfaktoren zu wirken. Neben Schauspiel und Oper darf und soll aber auch die leichte Muse zur Geltung kommen. Die moderne Operette und die Werke der Komponisten um die Jahrhundertwende sorgen für vergnügliche Stunden, ebenso vereinzelte Schwänke und Possen. Über allem weht ein Geist vornehmsten Künstlertums, reifsten, eifrigsten Schaffens im Dienste Thaliens. Eine Tanzgruppe bietet auch auf diesem Gebiet Abwechslung in dem Repertoire der beiden Bühnen Münsters.“

Theater Münster 60 Jahre: In jeder Spielzeit stehen im Großen Haus, im variablen Kleinen Haus und in der neuen Spielstätte U2 mittlerweile rund 30 Premieren und 600 Vorstellungen auf dem Spielplan.

Musiktheater

Das Musiktheater Münster zeigt Werke von der Barockzeit bis zur Gegenwart. Oper, Operetten und Musicals werden vom Sängerensemble, dem Chor und dem Sinfonieorchester Münster dargeboten.

Schauspiel im Theater Münster

Das Schauspiel Münster bringt die großen Werke der Weltliteratur ebenso wie Ur- und Erstaufführungen junger Autoren auf die Bühne.

Tanz im Theater Münster

Das international zusammengesetzte Ensemble des TanzTheaterMünster legt den Schwerpunkt auf den zeitgenössischen Tanz. Choreografische Interpretationen literarischer Vorlagen stehen ebenso auf dem Programm wie abstrakte Tanzabende, Gastchoreografien, eigene Stückentwicklungen und Musiktheater. Sehr beliebt ist das neue Format „Dance Lab„.

Junges Theater

Das Junge Theater Münster spielt Märchen- und Mythenstoffe ebenso wie zeitgemäße Bearbeitungen von Klassikern, Stückentwicklungen, Uraufführungen und Stücke junger Autoren, die sich mit der Lebenswelt der jungen Zuschauer beschäftigen. Daneben gibt es Möglichkeiten zum Mitspielen sowie Einführungen, Workshops und Probenbesuche.

Konzerte im Theater Münster

Mit rund 80 Konzerten pro Jahr präsentiert das Sinfonieorchester Münster sinfonische Werke, Kammerkonzerte, Kinder-, Chor- und Kinokonzerte sowie Open-Air-Veranstaltungen. Kooperiert wird mit Solisten ebenso wie mit befreundeten Orchestern, was Aufführungen aufwendiger Werke mit großer Besetzung ermöglicht.

Theater Münster 60

Einer der Höhepunkte 2019: Choreograph Hans Henning Paar zeigt „Der himmlische Spiegel“ – Foto Oliver Berg

Jazzfestival, Theatergespräche, Lyrikertreffen

Theater Münster 60 Jahre im neuen Haus: Der eindrucksvolle Theaterbau ist auch das Zuhause zahlreicher weiterer Veranstaltungen: Die Veranstaltungsreihe Theatergespräche wurde 2009 begründet. In den Theatergesprächen referieren Wissenschaftler zu einem literarischen, kunsthistorischen oder kulturgeschichtlichen Thema. Schauspieler aus dem Ensemble des Theaters lesen oder rezitieren ausgewählte Briefe, Tagebuchnotizen, Passagen aus literarischen Werken, Kritiken, Zeitzeugenberichte etc., so dass sich für das Publikum eine Dialogsituation zwischen Wissenschaft und Kunst, Theorie und Praxis ergibt. Die Reihe wird von ihrem Begründer Wolfgang Türk moderiert und organisiert. Bisherige Themen waren: 2009: Anna, Effi, Nora und die anderen – Literarische Frauengestalten des 19. Jahrhunderts; 2010: Der Spießer – Eine literarische Anatomie der Mittelmäßigkeit; 2010: Eros und Macht – Die femme fatale in der Literatur der Jahrhundertwende; 2010/11: Frauen um Goethe; 2011: Die Diva; 2011/12: Heinrich von Kleist; 2012: Der Dandy; 2012/13: Gerhart Hauptmann; 2013/14: Georg Büchner; 2014/15: Frank Wedekind.

www.theater-muenster.com

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