Kunsthaus Kannen zeigt: Gefangene Geheimnisse

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Amelsbüren – Das Kunsthaus Kannen zeigt vom 14. Februar bis zum 1. Mai 2016 „Gefangene Geheimnisse – Kunst im sozialen Kontext“. Die Ausstellung zeigt die Ergebnisse von vier Kunstprojekten aus der Langzeitstudie „Gefangene Geheimnisse“ von Cony Theis.

Cony Theis: paar - unpaar

Cony Theis: paar – unpaar

Die künstlerischen Arbeiten von Cony Theis entstanden im sozialen Kontext und markieren damit Grenzen und Berührungspunkte zugleich. Ihr partizipatorischer Ansatz und die daraus entstehenden Kunstwerke der Projektephasen werden im Kunsthaus Kannen gezeigt. Das vom Landschaftsverband Rheinland (LVR) initiierte Langzeitprojekt „Gefangene Geheimnisse“ wurde in vier forensischen Psychiatrien in NRW als dialogischer Prozess mit Patienten und Patientinnen durchgeführt. Im Juli 2015 fand das Kunstprojekt „paar/ unpaar“ in der Christophorus Klinik auf dem Alexianer- Areal in Münster statt.

Nach einem Atelierbesuch bei der Künstlerin in Köln gab es vorbereitende Gespräche mit dem ärztlichen Direktor Prof. Dr. Dieter Seifert, dem Pflegedirektor Renko Janßen, der Ergotherapeutin Christina Kolberg-Quiel und weiteren MitarbeiterInnen der Klinik, in denen die Künstlerin ihre dialogische Arbeit vorstellte und von ihren Erfahrungen aus den vorausgegangenen Kunstprojekten in den LVR-Kliniken Bedburg-Hau und Langenfeld berichtete.

Cony Theis: paar - unpaar

Cony Theis: paar – unpaar

Theis entwickelte dann ein Kunstprojekt mit dem Arbeitstitel „paar / unpaar (Doppelkopf)“. Damit war das Thema und zugleich die Vorgehensweise umrissen: Die Künstlerin malt den Patienten und er malt sie, beide nebeneinander auf demselben Blatt in DIN A4. Pinselstrich und Wasser lassen die Farben aufs Papier fließen. Das Aquarell ist eine sensible, schnelle Malpraxis, die für Zufälliges Raum lässt. So erlaubt sie das Spiel mit Form und Farbe, mit Flecken und Flächen, so dass auch ein unkontrollierter Moment auf dem Papier entstehen kann. Das Ergebnis sind technisch perfekte und zugleich fehlerhafte Porträts, die beide Merkmale der körperlichen Ähnlichkeit, die typische Mimik und das Wesen der Persönlichkeit erkennbar werden lassen; 9 Paare, jeweils Frau und Mann, welche den Betrachter direkt anschauen.

Cony Theis: Wabe aus GG III

Cony Theis: Wabe aus GG III

Während der zweiwöchigen Projektarbeit stand Christina Kolberg-Quiel der Künstlerin als Ansprechpartnerin zur Verfügung und begleitete ihren Zugang zu den acht Patienten. Als Artist in Residence wohnte Cony Theis im Gästezimmer auf dem Alexianer Campus, so dass sie auch Kontakte zu Mitarbeiter / innen und einen Einblick in den täglichen Klinikalltag bekommen konnte. Für einige Patienten brachte das Kunstprojekt den Alltag in Bewegung und ermöglichte ihnen einen persönlichen Zugang zu ihrem eigenen kreativen Potential. Besonders war für sie auch die Wertschätzung, so schön porträtiert zu werden, mit wohlgeformten Gesichtszügen und zartem Ausdruck. Die Künstlerin schaffte eine offene Atmosphäre und entwickelte einen individuellen Zugang zu den Menschen, was für beide Seiten einherging mit dem Loslassen von eigenen Vorstellungen, dem Umgang mit Enttäuschungen und mit der Bereitschaft, sich immer wieder neu einzulassen. Die zweite Woche brachte eine Intensivierung im Schaffensprozess, aber auch Irritationen und Verunsicherungen. Bewusst verzichtete Theis darauf, sich in das bestehende therapeutische Team zu integrieren, was ein Gefühl von Sicherheit vermittelt hätte. Die Patienten und Klinikmitarbeiter/innen fühlten sich durch das Kunstprojekt mit Cony Theis sehr bereichert und danken für die inspirierende Zusammenarbeit.

Erstmals kann dadurch die konkrete Interaktion zwischen Kunst und Psychiatrie sichtbar gemacht und durch Führungen und Vorträge begleitend nachvollzogen werden. Kunst im sozialen Kontext wird dann an diesem Ort für den interessierten Besucher erfahrbar.

Cony Theis hat von 1979 bis 1989 in Mainz und Düsseldorf studiert und war 1988 Meisterschülerin bei Prof. Crummenauer an der Kunstakademie Düsseldorf. Seit 1988 zeichnet sie Gerichtsillustrationen im Presseauftrag. Auf ihrer Homepage sind einige dieser Werke aus Gerichtsverhandlungen von großem öffentliches Interesse zu sehen. Seit 1998 ist sie künstlerische Mitarbeiterin bei Filmen von Jürgen Heiter. Sie hat von 1998 bis 2013 viele namhafte Stipendien erworben, darunter die der Künstlerhäuser Worpswede, Schloss Balmoral, Kloster Gravenhorst, Schloss Wiepersdorf und vielen mehr.

Die zahlreichen Ausstellungen in der gesamten Bundesrepublik und auch in Israel – und auch der Arbeiten in Sammlungen – sind hier gar nicht im Einzelnen aufzuführen. Seit 2013 ist Cony Theis Professorin für Bildende Künste an der Hochschule für Künste im Sozialen in Ottersberg.                                    

www.gefangene-geheimnisse.cony-theis.de

Kunsthaus Kannen / Alexianerweg 9 / 48163 Münster
Telefon 02501 – 96620560

www.kunsthaus-kannen.de


 

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