Als die Römer an der Pader lagen

Paderborn – Marschlager im Riemeke. Das Paderborner Museum in der Kaiserpfalz widmet sich einem besonderen Kapitel in der westfälischen Geschichte.

Marschlager

Besucher erhalten beim Mahlen von Getreide einen Eindruck vom Leben in einem Römerlager – Foto LWL-Archäologie/E. Daood

Der Fund war eine archäologische Sensation. Bei einer Baumaßnahme im Paderborner Zentrum  im Bereich des Riemekeviertels waren vor vier Jahren Archäologen auf die Überreste eines historischen römischen Marschlagers gestoßen. Jetzt ist die Grabung von damals aufgearbeitet und als neue Sonderausstellung im LWL-Museum in der Kaiserpfalz zu sehen. Sie belegt, dass die Römer weiter nach Osten vorgedrungen sind, als bislang angenommen.

Neues Licht auf die Präsenz der Römer in Westfalen

„Die Entdeckung des römischen Marschlagers hat ein neues Licht auf die Präsenz der Römer in Westfalen-Lippe geworfen”, sagt Museumsleiter Dr. Martin Kroker. Unter dem Titel „Von Co-Living bis Glamping. Römer an Pader und Lippe” zeigt das LWL-Museum in der Kaiserpfalz exklusiv Funde aus der Zeit des ersten römischen Kaisers Augustus. So ein Römerlager hat etwas vom modernen Glamping – also Camping mit Luxus in zum Teil recht festen Behausungen.

Vor über 2.000 Jahren marschierten die Römer vom Rhein entlang der Lippe nach Osten. Museumsleiter Dr. Martin Kroker: „Bis zu drei Legionen mit rund 15.000 Soldaten waren hier unterwegs.” Ein Schwerpunkt der Ausstellung liegt daher auf der Organisation der römischen Armee. Von der Vermessung des Lagerplatzes bis zum Bau von Spitzgräben, Wällen, Brunnen und Feldbacköfen folgte alles einem präzisen Schema. Selbst die Contubernia genannten Zeltgemeinschaften waren standardisiert. Kommandeure genossen luxuriöse Unterkünfte. „Funde wie Scherben von Weinamphoren und Reste von Feldbacköfen und Brunnen belegen nicht nur die strategische Nutzung der Lager, sondern auch den weitreichenden Nachschub aus dem Mittelmeerraum”, erklärt Paderborns Stadtarchäologin Dr. Sveva Gai.

Eine weitere Tagesetappe nach Osten

Neben militärischer Präzision zeigt die Ausstellung im LWL-Museum in der Kaiserpfalz auch das Alltagsleben der Legionäre. „Die Römer mahlten ihr Getreide, backten Brot, kochten Puls – einen Brei aus Weizen, Fleisch und Kräutern – und genossen importierte Spezialitäten wie Olivenöl, Wein oder Austern. In ihrer Freizeit spielten sie Würfel- und Brettspiele oder reparierten ihre Ausrüstung.

„Wir zeigen in unserer Ausstellung, dass die Römer nicht nur in den großen Lagern an Rhein und Lippe waren, sondern entlang der Lippe auch bis an die Pader gezogen sind”, betont Stadtarchäologin Sveva Gai. In Westfalen gibt es mehrere Orte, in denen mittlerweile Stand- und Marschlager bekannt und mit Funden belegt sind. Bislang galt Anreppen bei Delbrück als das Östlichste. Mit der Entdeckung des Marschlagers in Paderborn hat sich diese Grenze noch einmal rund 25 Kilometer weiter nach Osten verschoben. Die Strecke entspricht ziemlich genau einer militärischen Tagesetappe.

Mitmachstationen sorgen für einen Abwechslung

Neben den Funden sorgen die lebensgroßen Illustrationen des britischen Zeichners und Historikers Graham Sumner sowie zahlreiche Mitmachstationen für einen abwechslungsreichen Museumsbesuch. In den detailverliebten Dioramen gibt es für die Besuchenden immer wieder lustige Szenen aus dem Alltag der Legionäre im Marschlager zu entdecken. An Mitmachstationen können sie die Marschrüstung eines Legionärs tragen, sich in eine Toga oder eine farbenfrohe Stola gewanden. An anderer Stelle besteht die Möglichkeit, mit einer Handmühle Getreide für den Puls zu mahlen. Nach getaner Arbeit darf natürlich auch das gemeinsame römische Spiel nicht fehlen.

Die Ausstellung „Von Co-Living bis Glamping” im LWL-Museum in der Kaiserpfalz bietet bis zum 1. November einen einzigartigen Einblick in die Römerzeit Westfalen-Lippes und macht Geschichte für Jung und Alt auch durch ein umfangreiches Begleitprogramm aus Führungen und Kreativ-Workshops erfahrbar.

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