Kunstmuseum Pablo Picasso Münster zeigt Sammlung Klewan: Giacometti, Picasso, Masson, Dubuffet – Grenzgänger der Pariser Moderne.
Das Kunstmuseum Pablo Picasso Münster präsentiert über 200 Werke der Pariser Moderne aus der Privatkollektion des Münchner Sammlers Helmut Klewan. Im persönlichen Kontakt des Sammlers mit zahlreichen Zeitgenossen der Pariser Kunstszene ist eine in ihrer Struktur und ihren Schwerpunkten einzigartige Sammlung entstanden, die die surrealistische Avantgarde der Zwischenkriegsjahre mit der Pariser Nachkriegsmoderne vereint.
„Ich bin dem Picasso-Galeristen Daniel-Henry Kahnweiler begegnet und berichtete ihm von meinen Plänen, auch Galerist zu werden. Darauf entgegnete mir Kahnweiler, dann solle ich nur nie anfangen, selber zu sammeln, das wirke sich schlecht auf das Geschäft aus. Rückblickend betrachtet war das der schlechteste Ratschlag, dem ich jemals gefolgt bin. Ich hätte noch viel, viel mehr sammeln sollen,“ berichtet der ehemalige Kunsthändler Helmut Klewan lächelnd über seine Anfänge als Galerist und Sammler.

Zur Sammlung Klewan gehören auch Skulpturen von Alberto Giacometti – Foto Hanna Neander / Picasso-Museum
Einen Schwerpunkt seiner Arbeit als Galerist in München und Wien bildete seit den 1970er-Jahren, neben dem Einsatz für zeitgenössische Künstler wie Arnulf Rainer, Hermann Nitsch, Günter Brus und Dieter Roth, die Kunst der Pariser Moderne. Als Leihgeber zahlreicher musealer Ausstellungen sowie als Herausgeber der deutschsprachigen Übersetzung der Schriften André Massons liegt Helmut Klewan seit vielen Jahren die Vermittlung der Kunst der französischen Moderne am Herzen.
„Für jemanden, der mit einem schlechten Ratschlag begonnen hat zu sammeln, ist bei Herrn Klewan Grandioses und Außergewöhnliches zusammengekommen“, betont Museumsleiter Prof. Dr. Markus Müller. „Unser Hauspatron Pablo Picasso hat einmal unbescheiden gesagt: Gebt mir ein Museum und ich werde es füllen. Helmut Klewan kann da mit seiner Kollektion spielend mithalten. Diese Tatsache illustriert sehr anschaulich unsere neue Ausstellung aus seinen Beständen.“
In der Ausstellung im Kunstmuseum Pablo Picasso treffen große Werkkonvolute von Alberto Giacometti, Pablo Picasso, André Masson und Jean Dubuffet auf ausgesuchte Werke bedeutender Surrealisten. Dabei beleuchtet die Schau das Schaffen von Grenzgängern der Kunst der französischen Moderne, die die ästhetischen Konventionen ihrer Zeit sprengten.
Von Alberto Giacometti werden über 70 Gemälde, Skulpturen, Zeichnungen und Druckgrafiken präsentiert, die der Künstler in seinem kleinen Atelier in der Rue Hippolyte-Maindron in den Nachkriegsjahren schuf. Die Präsentation im Kunstmuseum besticht durch intime Porträts von seiner Familie, Sammlern, sowie befreundeten Künstlern und Schriftstellern, die Giacomettis intensiven künstlerischen Schaffensprozess beleuchten. Ikonische Schwarz-Weiß-Fotografien von u.a. Henri Cartier-Bresson, Denise Colomb und Ernst Scheidegger erlauben einen Einblick in Giacomettis Arbeit im Atelier und sein Leben im Pariser Quartier Latin.
Pablo Picasso ist mit rund 50 Zeichnungen und Radierungen vertreten, die über 30 Schaffensjahre umspannen. Von seinen Experimenten mit einem surrealistischen Formenvokabular in den 1930er-Jahren bis hin zu ausgewählten Werken aus seinen letzten großen Radierzyklen der späten 1960er- und frühen 1970er-Jahre, vereinigt die Schau Höhepunkte seines grafischen Schaffens. Fotografien aus den 1950er-Jahren von André Villers und Franz Hubmann, die den Künstler porträtieren, ergänzen die Präsentation.
Von André Masson sind 20 Gemälde, Skulpturen und Zeichnungen aus über 40 Schaffensjahren in der Ausstellung zu besichtigen. Von den sog. automatischen Zeichnungen mit denen Masson im Umfeld der Surrealisten in den 1920er-Jahren experimentierte bis hin zu den farbgewaltigen Gemälden seines Spätwerks veranschaulicht die Schau die stilistische Vielfalt des französischen Künstlers.
Von Jean Dubuffet werden über 40 Gemälde, Zeichnungen und Druckgrafiken präsentiert, die in den Nachkriegsjahren entstanden sind. Beeinflusst von den Graffiti auf Pariser Häuserwänden, Kinderzeichnungen und den Kunstwerken psychisch Erkrankter erschuf Dubuffet ein singuläre und radikale Bildsprache, die bewusst mit traditionellen Vorstellungen von Schönheit brach und die vermeintlich „niedere Kunst“ zur Avantgarde erhob.
Ebenfalls in der Ausstellung im Kunstmuseum vertreten sind Gemälde, Skulpturen, Zeichnungen, Druckgrafiken und Fotografien von Künstlerinnen und Künstlern wie u.a. Giorgio de Chirico, Max Ernst, Man Ray, Meret Oppenheim, Toyen, Dorothea Tanning, Salvador Dalí und René Magritte, die eng mit dem Surrealismus verbunden waren. Anhand von Einzelwerken kann die Entwicklung surrealistischer Bildsprachen von der Gründung der Bewegung in den 1920er-Jahren bis in die Nachkriegszeit hinein nachvollzogen werden.
„Die Besucher können in der Ausstellung erfahren, wie im Umfeld von literarischen Zeitschriften wie Nouvelle Revue française oder Les Temps modernes neue Netzwerke zwischen den Bildenden Künstlern der Nachkriegsmoderne und Intellektuellen wie Jean Paulhan, André Malraux, Georges Bataille, Jean-Paul Sartre und André Breton entstanden sind. Die Ausstellung vermittelt einen faszinierenden Einblick in Leben und Arbeit der Künstler, die das kulturelle Klima der Pariser Nachkriegsjahre entscheidend prägten,“ resümiert Kurator Alexander Gaude.
Öffnungszeiten:
11. Juli – 25. Oktober 2026
Dienstag bis Sonntag
Fotos: Hanna Neander / Picasso-Museum
















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