In Lügde rollen die Osterräder

Lügde -Nirgendwo in Deutschland wird die jahrhundertealte Tradition des Osterräderlaufs so gepflegt wie im ostwestfälischen Lügde. Der Osterräderlauf Lügde verbindet altes Brauchtum und großes Spektakel.

Osterräderlauf Lügde

Brennendes Rad beim Start auf dem Lügder Osterberg – Foto Dechenverein Lügde

Wenn auch in diesem Jahr in der Nacht des Ostersonntags sechs brennende Riesenräder den Lügder Osterberg hinabrasen, läuft diesmal ein neues Rad mit. Das kommt nur selten vor, denn die massiven Räder aus Eichenholz haben eine Lebensdauer von rund 40 Jahren. Das neue Rad wurde nach überlieferten Vorgaben von einem jungen Zimmermann im Lügder Unternehmen Holzbau Ohms gebaut. Wer wissen möchte, wie ein Osterrad aussieht, bevor es das erste Mal seine Feuerreise ins Tal der Emmer antritt, hat im Vorfeld beim Umzug und dem Stopfen der Räder am Ostersonntag Gelegenheit, einen Blick darauf zu werfen.

Osterräderlauf  Lügde ist Immaterielles Kulturerbe

Ausgerichtet wird der Osterräderlauf Lügde vom Verein der Osterdechen. Dessen 600 Mitglieder sorgen dafür, dass die historischen Bräuche und Handwerkstraditionen rund um die Veranstaltung lebendig bleiben. Das gilt auch für den Bau des neuen Osterrads. „Mündliche Überlieferung spielt hier eine große Rolle“, erklärt Andreas Marz, der Vorsitzende des Dechenvereins. Auch aus diesem Grund zählt die UNESCO den Osterräderlauf zum Immateriellen Kulturerbe Deutschlands.

Junger Zimmermann, alte Handwerkstradition

Osterräderlauf Lügde

Finn Querbach arbeitet am neuen Osterrad. Foto Dechenverein Lügde

Der Osterräderlauf  ist eine Klammer für vieles, das in Lügde passiert. Über alle Generationen hinweg ist die Identifikation mit der traditionsreichen Veranstaltung groß. Der junge Zimmermann Finn Querbach empfindet es als Ehre, den Bau des neuen Rads zu verantworten: „Ich bin stolz darauf, ein Teil der Geschichte der Osterräder zu sein. Erfahrene Vereinsmitglieder unterstützten Finn Querbach von Holzbau Ohms bei der Arbeit. Wie dick müssen die Eichenbohlen sein? Aus wie vielen Segmenten setzt sich das Rad zusammen? Wie wird die Inschrift eingearbeitet? „Antworten auf diese Fragen erhielt Finn Querbach von Vereinsmitgliedern, die in der Vergangenheit selbst Osterräder gebaut haben, z.B. 2017“, erklärt Uwe Tillmanns, Pressewart des Osterdechenvereins. „Es muss millimetergenau gearbeitet werden, damit das Rad ‚rund‘ läuft. Das ist eine große Verantwortung.“

Osterrad trägt Friedensbotschaft

Seit Februar wartet das 170 Zentimeter hohe und 280 Kilogramm schwere neue Rad auf seinen Einsatz. Der erste öffentliche Auftritt war die Taufe in der Emmer am Montag vor Ostern. Bis Karsamstag wird es mit den restlichen fünf Osterrädern im Fluss Wasser aufnehmen. Die Feuchtigkeit verhindert, dass die Räder am Ostersonntag Feuer fangen, wenn das Stroh in ihren Speichen in Brand gesetzt wird. Menschen in Lügde und darüber hinaus ein Gefühl der Zugehörigkeit zu vermitteln: Das ist dem Osterdechenverein wichtig. Wie schon 2022 zu Beginn des Ukrainekriegs setzt der Verein auch 2026 ein Zeichen für den Frieden. Die Inschrift des neuen Rades bringt dies zum Ausdruck: „Das Osterkreuz das Tal erhellt, ich lauf für Frieden in der Welt.“

Das Programm für den Osterräderlauf Lügde

Am Karsamstag, 4. April, um 14 Uhr startet im Emmerauenpark das Unterhaltungsprogramm mit Bewirtung und Fahrgeschäften. Zwischen 16 und 18 Uhr spielt der Fanfarenzug aus Brake auf. Er ist auch dabei, wenn der Osterdechenverein die gewässerten Räder gegen 17 Uhr aus der Emmer holt und in einem Umzug durch die Altstadt fährt. Am Ostersonntag, 5. April 2026, spielt das Blasorchester der Stadt Lügde zwischen13 und 14 Uhr am Marktplatz. Ziel des sich anschließenden Umzugs mit den geschmückten Rädern ist der Lügder Osterberg. Um 14 Uhr startet das Unterhaltungsprogramm im Emmerauenpark. Der Eintritt in den Park und der Zugang zur Laufstrecke der Räder kostet zehn Euro. Für Kinder unter sechzehn Jahren ist der Eintritt frei.

Tausende Besucher entlang der Strecke

Um 15 Uhr beginnen auf dem Osterberg die Vorbereitungen zum Räderlauf: Mitglieder des Dechenvereins stopfen die Räder mit Roggenstroh. Gegen 18 Uhr entzünden sie ein großes Osterfeuer, das weithin sichtbar ist. Gegen 21 Uhr wird das Stroh Rad für Rad in Brand gesetzt. Erfahrene Dechen stoßen die Eichenräder nacheinander vom Berg ab. Entlang der Strecke beobachten Tausende, wie die brennenden Riesen ihr Ziel im Tal erreichen. Um 22 Uhr geht der Osterräderlauf mit einem Hochfeuerwerk zu Ende. Kostenfreie Parkplätze gibt es in Laufnähe zum Veranstaltungsort. Übernachtungsgäste finden Hotels in Lügde, Schieder-Schwalenberg und Bad Pyrmont.

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