“Heimspiel” – Ausstellung im Hawerkamp

“Heimspiel” – Ausstellung im Hawerkamp Münster: Manchmal ist Heimkommen kein Zurückfallen in alte Muster, sondern ein Auftritt mit Selbstbewusstsein und ein Bekenntnis zur Herkunft.

"Heimspiel" - Ausstellung im Hawerkamp

Rainer Bauer: Zeichen des Abends – Foto Rainer Bauer

Im September vom 21. September bis zum 12. Oktober 2025 treffen sich sieben Künstlerinnen und Künstler im Hawerkamp zum „Heimspiel“. Brigitte Baldauf, Rainer Bauer, Jürgen Kottsieper, Martina Meyer-Heil, Klaus Möllers, Thomas Prautsch und Sabine Swoboda eint, dass sie einst an der Kunstakademie Münster ausgebildet wurden. Die meistem von ihnen sind Schüler und Meisterschüler von Udo Scheel. Rainer Bauer war Schüler von Prof. Hermann-Josef Kuhna und Thomas Prautsch bei Prof. Ludmilla von Arseniew und Prof. Timm Ulrichs.

"Heimspiel" - Ausstellung im Hawerkamp

Klaus Möllers: Großer Strandautomat – Foto Klaus Möllers

Von einer „Münsteraner Schule“ zu sprechen, ist verlockend. Und doch täuscht der Begriff. Denn die Positionen, die hier aufeinandertreffen, könnten unterschiedlicher kaum sein. Was sie eint, ist weniger ein gemeinsamer Stil als vielmehr eine Haltung: die Unabhängigkeit, die Eigenständigkeit sowie die Inspiration durch ihren akademischen Lehrer, der seine Studierenden immer forderte, ohne sie zu formen. „Es geht darum, selbstständig zu einem authentischen Ergebnis zu kommen“, sagt Prof. Udo Scheel rückblickend. Freiheit als didaktisches Prinzip, das ist vielleicht das wahre Band zwischen seinen ehemaligen Schülern.

"Heimspiel" - Ausstellung im Hawerkamp

Arbeit von Martina Meyer-Heil in ihrem Atelier im Hawerkam – Foto Martina Meyer-Heil

Die Liste der Ausstellenden liest sich wie ein Schlaglicht auf die aktuelle Münsteraner Kunstszene. Brigitte Baldauf spielt in ihren Arbeiten mit Oberfläche und Schein. Ihre Bilder zeigen Strukturen, die an imaginäre Landschaften erinnern: geheimnisvoll, irritierend, verführerisch. Rainer Bauer lässt Naturprozesse auf die Leinwand drängen. Seine Landschaften sind Spiegelungen, Wind, Wasser.

"Heimspiel" - Ausstellung im Hawerkamp

Sabine Svoboda: Archiv – Foto Sabine Svoboda

Martina Meyer-Heil führt den Betrachter in mythische Innenwelten. Schrille Farben, bizarre Figuren, archaische Szenen verschmelzen zu Kosmen aus Punkten und Zeichen. Klaus Möllers malt wie einer, der den Traum nicht loslässt. Seine surreal anmutenden Gemälde erzählen Geschichten, die ins Absurde kippen. Sie sind  rätselhaft, vielschichtig, kaum zu fassen.

Thomas Prautsch arbeitet seriell: Stadtansichten, Landschaften, Treppen. Er spielt mit Licht, Schatten und Strukturen, die erst aus der Distanz zu einem Ganzen werden. Sabine Swoboda verbindet Fundstücke. Jürgen Kottsieper reduziert auf Linien und Striche. Seine Bleistift- und Kaltnadelradierungen wirken wie Netze oder seismographische Aufzeichnungen innerer Bewegungen.

"Heimspiel" - Ausstellung im Hawerkamp

Thomas Prautsch: Kanalbaustelle – Foto Thomas Prautsch

Die Ausstellung umfasst rund 30 Arbeiten. Sie zeigt überwiegend Gemälde, ergänzt durch Zeichnungen, Radierungen und Mischtechniken. Gemeinsam ist ihnen das Offene, das Rätselhafte. Nichts ist so, wie es auf den ersten Blick erscheint. Fast alle Werke verlangen einen zweiten, dritten Blick. Sie sind Spiegel, Resonanzräume, Spielwiesen des Denkens. „Es geht um Bilder, die neue Spielräume eröffnen“, sagt Brigitte Baldauf.

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Brigitte Baldauf: Schwamm – Foto Brigitte Baldauf

Natürlich ist auch Udo Scheel selbst Teil dieses „Heimspiels“. Nicht als Aussteller, sondern als Impulsgeber und gewissermaßen „graue Eminenz“. Scheel betonte schon als Lehrer das „dialogische Prinzip“: zuhören, Fragen stellen, Intentionen verstehen, Probleme sichtbar machen. Kein starres Formen, sondern ein Denken in Bildern, das sich ins Konzeptionelle weitet. Diese Haltung trägt noch heute FrüchteDas Spannende an dieser Ausstellung: Hier gibt es kein nostalgisches Treffen ehemaliger Kommilitonen. Die Künstlerinnen und Künstler sind längst arriviert. Sie stellen in Münster, Berlin, Düsseldorf oder anderswo aus. Sie haben Preise gewonnen, Kataloge veröffentlicht, Sammler gefunden. „Heimspiel“ bedeutet also nicht Rückkehr ins Vergangene, sondern das Selbstbewusstsein, mit eigener Handschrift aufzutreten, gemeinsam, aber ohne Gruppenzwang.

Wer die Ausstellung besucht, sollte Zeit und Neugier mitbringen. Es geht nicht um schnelle Effekte, sondern um ein Sich-Einlassen auf Eigenarten, Brüche und Verwandlungen. „Heimspiel“ zeigt, dass eine gemeinsame Herkunft keine stilistische Gleichschaltung bedeutet, sondern im Gegenteil zu einer Befreiung führen kann. So ist diese Schau zugleich eine Hommage an einen Lehrer, der Freiheit lehrte, und ein Ausblick: Kunst, die von Münster ausging, ist längst unterwegs in der Welt  und bleibt doch immer wieder hier verankert.

„Heimspiel“ ist vom 21. September bis 12. Oktober 2025 in der Ausstellungshalle am Hawerkamp in Münster zu sehen.

Jörg Bockow

„Heimspiel“ Ausstellung mit sieben Kunstschaffenden in der Ausstelungshalle im Hawerkamp Münster

Öffnungszeiten: Sa 15.00-18.00 Uhr, So 12.00-18.00 Uhr

Hawerkamp31, Hawerkamp 31, 48155 Münster, www.am-hawerkamp.de 

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