Rundgang 2026 in der Kunstakademie Münster

Rundgang 2026 in der Kunstakademie Münster: Die Studierenden der Kunstakademie Münster laden wieder ein zu ihrer großen Jahresausstellung, dem „Rundgang 2026“.

Rundgang 2026 in der Kunstakademie Münster

Beim Rundgang 2025 ging es gleich im Foyer los – Foto Kunstakademie Münster

Die 13 Künstlerklassen zeigen in ihren Ateliers ausgewählte Einzelarbeiten oder konzeptuelle Gruppenwerke. Auf den Ausstellungsflächen außerhalb der Klassen werden außerdem etwa 170 weitere Kunstwerke präsentiert werden, für deren Auswahl und Kuration ein sechsköpfiges studentisches Team (Ronja Eiselt, Leon-Maxim Lindner, Nura Mir Yousef, Daniel Schwinge, Chris Sudmann, Hyein Sung) – unterstützt von Prof. Juliette Blightman und Prof. Aernout Mik – verantwortlich zeichnet. Den Besuchern bietet sich beim Rundgang 2026 ein vielfältiger und tiefer Einblick in junge zeitgenössische Kunst.

Rundgang 2026 in der Kunstakademie Münster

Das kuratorische Team half bei der Auswahl der Kunstwerke (Vorne v.l.: Daniel Schwinge, Leon-Maxim Lindner, Ronja Eiselt. Hintere Reihe v.l.: Chris Sudmann, Nura Mir Yousef, Hyein Sung) – Foto Kunstakademie Münster

„Unser Fokus lag darauf, möglichst vielen Studierenden Raum zu geben, um ihre Kunst ausstellen zu können“, berichtet Chris Sudmann, Mitglied des kuratorischen Teams. „Wie können wir einen Rundgang kuratieren, in dem alle Positionen angemessen und wertschätzend gezeigt werden können?“, ergänzt Nura Mir Yousef die Leitfrage, die das Team beschäftigte.

Die Klasse von Juliette Blightman ist eine Klasse für erweiterte Malerei und hinterfragt im Rahmen des Rundgang 2026 konventionelle Formen der Kuration malerischer Praxis. Die Leinwand auf Keilrahmen verlässt dabei die Wand und findet neue Präsentationsformen, die den Malereibegriff räumlich wie konzeptuell öffnen. Dadurch werden nicht nur alternative Lesarten der Arbeiten möglich, sondern auch Einblicke hinter die Kulissen malerischer Prozesse und Bedingungen ihrer Entstehung sichtbar gemacht.

Rundgang 2026 in der Kunstakademie Münster

Beim Rundgang 2025 präsentierte sich die Klasse Deball – Foto Kunstakademie Münster

Eine „trophische Kaskade“ bezeichnet eigentlich die Auswirkung von Raubtieren auf andere Nahrungesebenen bzw. ein ganzes Ökosystem. Während zwischen Raubtier und Beutetier eine „trophische Beziehung“ besteht, weil das Beutetier Nahrung ist. Besteht zwischen Beutetier und Pflanzen keine direkte „trophische Beziehung“. Diese kann aber durch eine „Kaskade“ entstehen, wenn sich z.B. die Zahl der Raubtiere in einem Ökosystem erhöht und sich somit die der Pflanzenfresser verringert, hat das Einfluss auf die Pflanzenpopulation.

Es ist nicht zu vermuten, dass die in der Klasse von Mariana Castillo Deball, die ihre Ausstellung mit „Trophische Kaskade“ betitelt hat, Raubtiere auf die Besucher warten. Dass die vielfältigen Installationen, Performances and Workshops im Programm der Klasse auf eine Wechselwirkung mit dem Publikum zielen, darf dagegen angenommen werden, z.B. beim Salsa/Bachata-Workshop am Donnerstagabend.

Beim Rundgang 2025 präsentierte sich die Klasse Sistig – Foto Kunstakademie Münster

In eine „immersive Installation voller Spektakel und Sexappeal“ verwandelt die Klasse von Keren Cytter (Erweiterte Fotografie) ihren Raum. Auf einer selbstgefertigten Bühne wird ein durchgängiges Programm geboten. Performances, kinetische Skulpturen und eine Bar, an der nicht nur Cocktails, sondern auch Mixtapes und Publikationen serviert werden, sowie eine Gruppenausstellung der Klassenmitglieder erwarten die Gäste. Für den Eröffnungsabend hat die Klasse zudem den Science-Fiction-Autor und Kulturkritiker Mark von Schlegell mit seiner Ein-Mann-Band „Connecticut“ eingeladen.

„Eckstein, Eckstein, alles muss versteckt sein!“, heißt es in der Klasse von Nicoline van Harskamp, deren Schwerpunkt die performative Kunst ist. Sie fragt: “Was verstecken wir?  Wann verbergen wir uns? Und wollen wir darin schon einmal gefunden werden?”. Die Besucher sind zum Suchen und Entdecken des Verborgenen aufgefordert.

Die großformatige Bodenmalerei in der Klasse kooperative Strategien, gemeinschaftlich von Studierenden der Klasse entwickelt, orientiert sich an den grafischen Markierungen klassischer Turnhallenböden und verbindet malerische Flächen, Linien und Dynamik mit Bewegungsschemata aus dem Sport. Sie bildet die formale Grundlage der diesjährigen Arbeit der Klasse. Besucher*innen sind eingeladen, sich auf der Bodenarbeit zu bewegen, zu interagieren und sie dadurch zu aktivieren. Spiel wird hier als ästhetischer Prozess verstanden: einzelne Bereiche der Malerei gewinnen an Bedeutung, andere treten in den Hintergrund.

Die Klasse Kinoshita wird zum Schauplatz diverser Performances und Installationen und die Klasse Löbbert verspricht beim großen „Sonderverkauf“ im „Löbbert XXL“ gleich „120% auf alles“! Natürlich nur, solange der Vorrat reicht und nur im Aktionszeitraum! Aber Vorsicht: „Das Berühren der Ware verpflichtet zum Kauf!“

Die „Fylmklasse“ von Andreas Köpnick tritt unter dem Motto „Alles, was Hollywood zu bieten hat (…und noch mehr…)“ erneut selbstbewusst gegen die industrielle Filmproduktion an und behauptet, nicht nur die ästhetischen Grenzen des klassischen Kinos zu überschreiten, sondern „atemberaubende Einblicke in die verborgenen Labore des künstlerischen Nachwuchses“ zu bieten.

Ganz besonderen Besuch erwartet die Klasse von Aernout Mik (Bildhauerei). Niemand Geringeres als „DIE PRINZESSIN“ hat sich angemeldet! Die Klasse Mik bereitet ihr die Bühne und hat eigens aus diesem Anlass ihr Archiv sorgfältig aufgearbeitet. Zudem werden weitere Gäste erwartet.

Unter dem Titel „Der Künstler ist abwesend“ zeigt die Klasse Klaus Weber Performance- und Installationskunst und lädt ein zu einer „fünftägigen Pauschalreise voller Lebensfreude und Urlaubsstimmung“ mit „Sonne, Strand und Feierlaune“.

Das eigentlich sehr bunte und – nach eigener Angabe – „chaotische“ Atelier der Malereiklasse von Cornelius Völker verwandelt sich in eine farblich reduzierte Ausstellungsfläche, auf der die Werke der einzelnen Studierenden im Fokus stehen. Die Hängung der Arbeiten gibt Einblick in das künstlerische Schaffen der Klasse im vergangenen Jahr. Wie in jedem Jahr kann man beim Verweilen in der Klasse auch ein kühles, selbstgebrautes „Völkerbräu“ genießen.

Auch die Malereiklassen von Marieta Chirulescu und Julia Schmidt bieten Einblick in zeitgenössische, junge Malerei und Radierwerkstatt unter Leitung von Jenny Gonsior zeigt erneut eine Auswahl druckgrafischer Arbeiten von Studierenden.

Freunde der Film- und Videokunst können sich zusätzlich auf ein umfangreiches Filmprogramm freuen, das Jan Enste, Leiter des Studios für Digitale Kunst zusammen mit Studierenden kuratiert hat. Von Donnerstag bis Sonntag sind im Innenhof der Kunstakademie jeweils vier Videokunst-Arbeiten zu sehen, die für das Ausstellungsformat BLUE h entwickelt wurden. Die Videos laufen genau während der “Blue Hour”, der blauen Stunde, also die Zeit zwischen Sonnenuntergang und dem Ende der Dämmerung

Nach der erfolgreichen Premiere im letzten Jahr wird es auch in diesem Jahr eine Kooperation mit dem Cinema Münster geben.

Am Donnerstag, den 29. Januar, wird um 22:30 Uhr im Kino an der Warendorfer Straße eine Auswahl neuer Filme von Studierenden gezeigt. Das Programm dauert eineinhalb Stunden und wird von den Studierenden moderiert. Wer das Screening im Cinema verpasst, hat die Chance, dieses Programm und weitere filmische Arbeiten einmal täglich während des Rundgangs im Hörsaal der Kunstakademie zu sehen.

Zur Eröffnung der Ausstellung am 28.01.2026, 19:00 Uhr, wird auch der Oberbürgermeister der Stadt Münster, Tilmann Fuchs, mit einem Grußwort erwartet.

 

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