Festival „Westopia“ brachte Literatur auf die Bühne

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Festival „Westopia“ brachte Literatur auf die Bühne: Mit einem Konzert der Sängerin KUOKO ging das Festival „Westopia“ das Fest für eine mehrsprachige Literatur der Zukunft auf Burg Hülshoff zu Ende.

Festival "Westopia" brachte Literatur auf die Bühne

Lesung Othmann – Foto Kim Wilfriedsson

Fünf Tage widmete sich das Center for Literature (CfL)  gemeinsam mit dem internationalen Autorenkollektiv foundintranslation und mehr als 80 Autoren, Künstler und Wissenschaftler den toten Winkeln des Literaturbetriebs, der die Vielfalt und Vielschichtigkeit einer mehrsprachigen Literaturwelt nach wie vor nicht abbildet, und der Frage, wie eine inklusive Literaturlandschaft zukünftig aussehen kann.

Mit insgesamt 500 Besuchern, die an den Diskussionen, Lesungen, Vorträgen, Performances, Installationen, Workshops, Spaziergängen und Konzerten teilnahmen, war das Festival „Westopia“ bei schönstem Spätsommerwetter gut besucht.

Festival "Westopia" brachte Literatur auf die Bühne

Vorträge, Lesungen und Diskussionen – das Festival hatte ein abwechslungsreiches Programm – Foto Jill Abanico

Der Künstlerische Leiter des CfL, Dr. Jörg Albrecht, bemerkt: »Wir freuen uns, dass wir an fünf Tagen konzentriert mit dem Publikum darüber nachdenken konnten, was Literatur in einer vielstimmigen Gesellschaft eigentlich ist. Durch das Kollektiv foundintranslation haben andere Sprachen und Perspektiven das Programm geprägt, was nicht nur eine Bereicherung für sich ist. Wir als Institution wollen damit auch zeigen, dass es wichtig ist, Macht an die abzugeben, die (noch) nicht stark genug vorkommen.«

Das Festival „Westopia“ bot unterschiedlichste Themen: Die Autoren Daniela Dröscher, George Demir, Heike Geißler stellten zum Beispiel das Projekt „Check your habitus“ vor, das literarische Perspektiven zu Herkunft, Klasse, Bildungsaufstieg und dem Wechseln zwischen den sozialen Welten versammelt. Ronya Othmann und Joana Tischkau sprachen mit Nefeli Kavouras darüber, was Sexismus für eine Gesellschaft und die Kunst bedeuten, und warum ein #metoo in der deutschsprachigen Literaturszene bisher fehlt.

Festival "Westopia" brachte Literatur auf die Bühne

Auch die Workshops zogen viele Interessenten an – Foto Kim Wilfriedsson

Jovana Reisinger sprach in ihrer Keynote über Körperlichkeit und Wahrnehmung. Der amerikanische Schriftsteller Belo Miguel Cipriani beschäftigte sich in seiner Keynote mit der Zugänglichkeit von Literatur und Bildung auch für Menschen mit Behinderung. In einer zweitägigen Konferenz diskutierten Vertreter*innen aus Kulturvermittlung und Politik darüber, wie sich Kulturförderung in einer mehrsprachigen Gesellschaft verändern wird, und welche Instrumente es braucht, um Vielsprachigkeit und Diversität anders zu fördern.

Die Performance Westfailure mit acht internationalen Künstlern führte in einer Fahrradtour vom Westfälischen Kunstverein zur Burg Hülshoff quer durch Münster und brachte spielerisch die Frage nach den Grenzen des nationalstaatlichen Systems auf. Zahlreiche Veranstaltungen des Festivals waren mehrsprachig, am 4. September war das Festivalprogramm zudem in Deutscher Gebärdensprache zu erleben.

Das Kollektiv foundintranslation, bestehend aus Tomás Cohen, Annika Dorau, Hugh James und Nefeli Kavouras, wird nun eine Forderung für eine mehrsprachige, transnationale und diverse Literatur entwickeln, die am 3. Oktober auf 54books, dem Feuilleton im Internet, veröffentlicht wird, um die Diskussion über einen vielfältigeren und inklusiven Literaturbetrieb voranzutreiben.

Westopia ist Teil des Projekts  The White White West? und  wird gefördert von der Kulturstiftung des Bundes, gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, sowie durch die Kunststiftung NRW und das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW.

 

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