Universität Münster: Mittelmaß droht

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Münster – Sie gehört zu den größten Hochschulen in der Bundesrepublik, aber sie gehört nicht zu den besten. Die Westfälische Wilhelms Universität Münster (WWU) ist beim Wettbewerb um den Titel Exzellenz-Universität gescheitert. Im internationalen Außenbild wird die WWU in die zweite oder dritte Liga abrutschen. Top-Wissenschaftler und High-Potentials werden um Münster einen großen Bogen machen, für die eigene Karriereplanung wirkt die Universität Münster fürderhin wie Gift. International ist das Scheitern also eine krachende Niederlage! Vor allem, wenn man die gerade erfolgte Auszeichnung als bundesdeutscher Batteriestandort noch positiv mit in die Waagschale wirft. Nicht einmal unter den Top-Ten ist die Uni Münster mit dabei.  Ganz klar: Das Rektorat und die Institutsleitungen haben im Wettbewerb von den besten Hochschulen im Lande auf ganzer Linie versagt. Von einer gemeinsamen Teamleistung jedenfalls war für die Juroren nichts zu sehen. Das wirft die Bemühungen um mindestens zehn Jahre zurück.  Die Stadt Münster wird sich bedanken für diese tolle Standort-Werbung. Schönreden hilft da nicht weiter. Bitter!

Universität Münster

Schönreden hilft nicht weiter: Trotz der Enttäuschung war die Stimmung unter den Gästen gut – Fotos WWU/Thomas Mohn

In der Exzellenzstrategie des Bundes und der Länder ist die Entscheidung in der zweiten Förderlinie gefallen: Die Uni Münster war im Wettbewerb um den Titel einer Exzellenzuniversität mit ihrem Antrag „Exzellenz.integriert“ leider nicht erfolgreich. Das gab die Exzellenzkommission, die sich aus 39 Wissenschaftlern und den für Wissenschaft zuständigen Ministern des Bundes und der Länder zusammensetzt, am 19. Juli in Bonn bekannt. „Natürlich sind wir enttäuscht, weil wir schon heute zu den forschungsstärksten Universitäten in Deutschland zählen und wir mit unserem Konzept unser Potenzial für die Zukunft gut herausgearbeitet haben“, betonte WWU-Rektor Prof. Dr. Johannes Wessels. „Gerade deswegen sind wir jetzt entschlossen, unser Konzept, das wir mit einer herausragenden Teamleistung erstellt haben, auch nach dieser Absage umzusetzen – es wird nur etwas länger dauern.“

17 Universitäten und zwei Universitätsverbünde hatten es in die Endrunde des Wettbewerbs geschafft. Elf von ihnen dürfen sich jetzt offiziell Exzellenzuniversität nennen: die Universitäten in Aachen, Berlin, Bonn, Dresden, Hamburg, Heidelberg, Karlsruhe, Konstanz, Tübingen sowie in München die LMU und die TUM. Die Berliner Universitäten (HU, FU, TU) traten im Verbund an.

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Nach der Bekanntgabe der Ergebnisse, die viele WWU-Beschäftigte gemeinsam verfolgten, dankte Rektor Prof. Dr. Johannes Wessels allen Beteiligten

Bund und Länder werden diesen anerkannt besten Hochschulen jährlich rund 148 Millionen Euro zur Verfügung stellen, Förderbeginn ist der 1. November 2019. Nicht zum Zuge kamen neben der Universität Münster die Universitäten in Bochum, Braunschweig, Freiburg, Kiel, Köln und Stuttgart sowie die im Verbund angetretenen Hannoveraner Leibniz-Universität und die Medizinische Hochschule Hannover. Ziel der Förderung als Exzellenzuniversität ist es in erster Linie, die Universitäten als Einzelinstitutionen oder als Verbünde zu stärken und den Ausbau ihrer internationalen Spitzenstellung in der Forschung auf der Basis erfolgreicher Exzellenzcluster zu unterstützen.

„Meine herzliche Gratulation und mein großer Respekt gilt den ausgewählten Universitäten und dem Verbund Berlin! Sie haben eindrucksvoll dargelegt, wie Universitäten der Zukunft exzellent gestaltet werden können. Um als Universität international in der Spitze der Wissenschaft mit­zuspielen, braucht es neben einem sehr starken wissenschaftlichen Fundament eine klare Vorstellung vom eigenen Profil und dessen Weiterentwicklung. Die ausgewählten Universitäten haben sehr überzeugend unter Beweis gestellt, dass sie hierzu in jeder Hinsicht bestens aufgestellt sind“, sagte die Vorsitzende des Wissenschaftsrats, Prof. Dr. Martina Brockmeier.

Bedingung für eine Bewerbung in der zweiten Förderlinie war die Förderung von mindestens zwei Exzellenzclustern. Im September des vergangenen Jahres hatte die Universität Münster in dieser ersten Förderlinie die Zusagen für die Exzellenzcluster „Religion und Politik“ und „Mathematik Münster“ bekommen, die seit dem 1. Januar 2019 für die Dauer von sieben Jahren gefördert werden. Damit sollen international wettbewerbsfähige Fachverbünde gestärkt werden. Davon kann auch das Bibelmuseum der Universität profitieren.

Zukunftsvorhaben der Uni Münster

Trotz der Absage setzt die WWU mehrere Vorhaben aus ihrem Antrag „Exzellenz.integriert“ um. Zur Erhöhung der internationalen Reputation wird die Uni Münster beispielsweise renommierte Gastwissenschaftlerinnen und Gastwissenschaftler aus dem In- und Ausland einladen und die Bindung vielversprechender Nachwuchswissenschaftler intensivieren. Zudem wird das Zusammenwirken der Bereiche Forschung, Lehre, Transfer und Forschungsinfrastrukturen in den kommenden Jahren ausgebaut. Beispielsweise mit einem „Ideenlabor“, das als vorgeschalteter Mechanismus zur Auswahl relevanter Forschungsthemen von Wissenschaftlern aller Karrierestufen dient – damit werden vor allem kreative Potenziale der Forscher gehoben. Mit einem „Research Center for Digital Humanities“ stärkt die WWU den digitalen Strukturwandel in den Geisteswissenschaften – durch die Bündelung in einem fachübergreifenden Interessenverbund und durch eine leistungsfähige Serviceinfrastruktur.

In der Lehre wird das Prinzip des Forschenden Lernens eine noch bedeutendere Rolle einnehmen. Die Studierenden werden dabei möglichst frühzeitig an allen Phasen der Forschung in ihrem Fachgebiet beteiligt. Eine konkrete Maßnahme beinhaltet innovative Veranstaltungsformate, die den Austausch über Spitzenforschung in der Lehre unterstützen, etwa studentische Kongresse, Science-Slams und Round-Table-Gespräche.

Im sogenannten TransferRAUM wird die Brücke zwischen Forschung, Lehre und Transfer ausgebaut – die WWU versteht Transfer als die Übernahme zivilgesellschaftlicher Verantwortung durch die Beteiligung ihrer wissenschaftlichen Akteure an der Kooperation mit außeruniversitären Personen und Gruppen. Dies schließt unter anderem die klassischen Formen des Forschungstransfers ein, beispielsweise die Bereitstellung von Technologien und Patente bis hin zu Unternehmensgründungen. Für die WWU basiert Transfer darüber hinaus auf moderner Wissenschaftskommunikation, die auf einen intensiven Dialog mit der Öffentlichkeit setzt. Zu den konkreten Maßnahmen zählen dabei die dauerhafte Bindung von Lehrern an die Universität, die mit Blick auf den jeweils aktuellen Forschungsstand gezielt aus- und fortgebildet werden, der intensiven Nutzung der Studiobühne und der vier Universitätsmuseen als konkretem Raum für Austausch und Debatten sowie der Installation eines „Münster Summit“ als Bestandteil der Verleihung des Internationalen Preises des Westfälischen Friedens mit hochrangigen Gästen. Vielleicht gelingt es ja so, in den kommenden Jahren doch in den exklusiven Kreis von den besten Universitäten in Deutschland zu gelangen.

Zudem hatte die WWU auch in der jüngeren Vergangenheit für positive Schlagzeilen gesorgt. Beispielsweise mit der 70-Millionen-Euro-Förderung für das „Body and Brain Institute“ und der Zusage für die „Forschungsfertigung Batteriezelle“, bei der das Batterieforschungszentrum MEET der Uni Münster im Mittelpunkt steht – für dieses Projekt stellen Bund und Länder rund 700 Millionen Euro zur Verfügung.

Zum Hintergrund

Die Exzellenzstrategie ist die Fortführung der in 2005 initiierten Exzellenzinitiative – beide Wettbewerbe sollen der Stärkung universitärer Spitzenforschung an den besten Hochschulen in Deutschland dienen. Das Programm besteht aus zwei Förderlinien: Exzellenzcluster und Exzellenzuniversitäten. Derzeit werden 57 Cluster von 34 Universitäten mit 385 Millionen Euro pro Jahr gefördert. Die Universitäten, die mindestens zwei Exzellenzcluster eingeworben hatten, durften sich bis zum 10. Dezember 2018 um den Titel „Exzellenzuniversität“ in der zweiten Förderlinie bewerben.

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