Münster: Zwischen Feuerwehr und Papierarbeit

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Münster – An diesem Wochenende veranstaltet die Kunstakademie Münster ihren traditionellen Rundgang, bei dem die Studierenden der Akademie ihre aktuellen Arbeiten präsentieren und zur Diskussion stellen. Eröffnung ist am 30. Januar 2019 um 19.00 Uhr.

Wie im vergangenen Jahr werden zur Eröffnung des Rundgangs wieder zahlreiche Besucher erwartet – Foto: Kunstakademie Münster/Pressestelle

„Der Rundgang ist ein Lob auf den Erfindergeist, auf das aristotelische ´Denken in ersten Prinzipien´, auf die Gabe, Dinge zu entdecken, nach denen man nicht gesucht hat“, so Daniele Buetti, Professor an der Kunstakademie Münster über die große Jahresausstellung der Studierenden, zu der wieder Tausende Besucher erwartet werden. Gemeinsam mit Professor Klaus Weber sowie den Studierenden Micael Gonçalves Ribeiro, Frederike de Graft, Kerstin Hochhaus und Constanze Kriester bildet er das Team, welches in diesem Jahr für die Kuratierung der zahlreichen Ausstellungsräume- und Flächen außerhalb der Klassenateliers verantwortlich ist. Für die Präsentationen der Klassen sind die Klassenmitglieder eigenständig verantwortlich. Dabei steht den Klassen jedes Jahr frei, ob sie Einzelarbeiten oder Gemeinschaftsarbeiten zeigen. Auch Kooperationen zwischen Klassen sind möglich.

Ein Ausstellungsraum beim Rundgang 2018. Die Studierenden bieten mit ihren Arbeiten einen Einblick in das „Labor“ Kunstakademie – Foto: Kunstakademie Münster/Pressestelle

Um die Ausstellungsplätze außerhalb der Klassen können sich alle Studierenden ab dem 3. Semester mit ihren Arbeiten bewerben. „Die Kluft zwischen der Anzahl der eingereichten Projekte und dem Raumangebot stellt jedes Mal eine Herausforderung dar“, schildert das KuratorInnenteam eines der grundlegenden Probleme. Eine weitere Herausforderung ergibt sich aus der Differenz zwischen dem hohen Ideal der künstlerischen Freiheit und den profanen Anforderungen der Brandschutzordnungen sowie diverser anderer Sicherheitsvorschriften, denen bei einer Großveranstaltung in einem öffentlichen Gebäude schlicht genüge getan werden muss. „Also besteht der Weg zum Rundgang immer aus Dialogen und Verhandlungen: zwischen Künstler und Kunstwerk, zwischen Theorie und Praxis, zwischen möglich und unmöglich, zwischen Feuerwehr und Papierarbeit, zwischen Wachsskulptur und Fluchtweg, zwischen White Cube und Untertreppe“ beschreibt das Rundgangsteam den Entstehungsprozess. Bei all diesen Herausforderungen, die die jährliche Ausstellung mit sich bringt, ist es genau dieses Suchen und Finden von Wegen, kreativen Lösungen und Kompromissen, das Treffen von künstlerischen Entscheidungen, was den Rundgang insbesondere für die Studierenden zu einem spannungsreichen Teil der Lehre macht.

Alltag trifft auf Popkultur, Biedermeier auf Paranoia

Im Gegensatz zu einem demokratischen Prinzip, bei dem einfach möglichst viele Arbeiten in relativ dichter Setzung präsentiert werden, was in der Vergangenheit auch schon erfolgreich erprobt wurde, hat sich das diesjährige Team für eine deutlich kuratierte und thematisch strukturierte Ausstellung entschieden, die weniger Arbeiten umfasst, um dafür den einzelnen Werken mehr Raum und der gesamten Ausstellung mehr Ruhe zu geben.

Teil dieses Konzepts ist auch die Setzung inhaltlicher Schwerpunkte zum Beispiel in den Ausstellungsräumen, die an das Foyer grenzen: So wird ein Raum der Alltagskultur gewidmet, in dem Popkultur auf den Schmutz zwischen den Zeilen trifft. Eine formal strenge, aber emotional unordentliche Gestaltung des Liegengelassenen erwartet die Besucher hier. An anderer Stelle wird es um Ordnungssysteme gehen, indem zwei Arbeiten gegenübergestellt werden, die sich auf differente Weise mit Fragen der Planung und Strukturierung des „Freien“ beschäftigen. In einem weiteren Raum treffen zwei Positionen zusammen, deren gemeinsamer Nenner die technische Erweiterung des Malereibegriffs ist. Beide bedienen sich eines digitalen Apparates um in die traditionelle Form der Ölmalerei einzugreifen.

Doch auch die oberen Stockwerke der Akademie lohnen eine aufmerksame Erkundung: Mit Unbehagen und Paranoia werden die Besucher in einem ursprünglichen Seminarraum im ersten Stock konfrontiert, in dem zum Rundgang „das Heimliche und das Unheimliche miteinander flirten werden“, so das KuratorInnen-Team. Ein Stockwerk höher lädt der „Palava Art Club“ zu performativen Lesungen und im „Publikationsraum“ werden Arbeiten gezeigt, die das Medium Buch als eigenen Ausstellungsraum ausloten. Im obersten Stock befindet sich ein „Filmraum“, in dem verschiedene Formate des bewegten Bildes räumlich versammelt und gegenübergestellt werden.

Dies und vieles mehr wartet darauf, von den Besuchern vielleicht nicht gesucht, aber doch gefunden zu werden.

 

Eröffnung:

Mittwoch, 30. Januar, 19:00 Uhr. Der Rundgang ist an diesem Abend bis 23:00 Uhr geöffnet

Weitere Öffnungszeiten:

Donnerstag, 31. Januar, bis Sonntag, 03. Februar, jeweils von 10:00 Uhr bis 20:00 Uhr


 

 


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