Holz unterm Hammer

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Einmal im Jahr veranstaltet das Regionalforstamt Münsterland eine Versteigerung von Baumstämmen. Vorwiegend hochwertiges Eichenholz wird dort meistbietend veräußert. 

Förster Guido Wolf-Beckhoff ist für den Holzlagerplatz in Wolbeck zuständig; Foto: Jennifer Bahn

Im Bürgerzentrum Schulze-Frenking in Nottuln-Appelhülsen herrscht schon um neun Uhr morgens fast eine gemütliche Kneipenatmosphäre: Rund zwei Dutzend Männer haben sich um die Tische versammelt, der Duft von frischem Kaffee liegt in der Luft, hier und da liegt ein Jagdhorn auf dem Tisch. Doch die Männer sind nicht zum Stammtisch hier. Was sie – teils von weit her angereist – an den südwestlichen Rand der Baumberge lockt, ist die Holzversteigerung Münsterland, die das Regionalforstamt Münsterland von Wald und Holz NRW alljährlich initiiert. Die Männer sind dementsprechend keine Freunde, sie sind konkurrierende Kaufinteressenten, die um den besten Preis für den Festmeter Wertholz konkurrieren. Entsprechend ernst sind ihre Mienen, wenn sich ihre Hände mit dem gelben Kärtchen zum Gebot heben.

Zur Versteigerung zugelassen sind Stämme verschiedenster Bäume, über Holz von Laubbäumen wie der Eiche, Esche, Kirsche, Linde, Rosskastanie, Roteiche, Erle oder Birke bishin zu Nadelhölzern wie Kiefer oder Lärche. „Manchmal ist auch etwas Ausgefallenes dabei“, erzählt Wolf-Beckhoff. Bei der Versteigerung im Jahr 2014 war das zum Beispiel Holz einer Magnolie. Die hatte ursprünglich im Park von Burg Hülshoff in Havixbeck gestanden, war aber bei einem Sturm entwurzelt worden. Guido Wolf-Beckhoff verrät: Bei der kommenden Versteigerung soll eine Platane angeboten werden.

Die meist vertretene Holzart mit einem Anteil von rund 70 Prozent ist jedoch die Eiche. „Die Eiche ist speziell im Münsterland sehr stark vertreten“, erklärt Wolf-Beckhoff. „Außerdem ist die Nachfrage recht konstant, der Preis unterlag in den letzten Jahren nicht so starken Schwankungen an Markt.“ Als Gegenbeispiel führt er Kirschholz an. Zu Zeiten, in denen dieses besonders in Mode war, hätten manche selbst für Stämme mit Makeln hohe Preise gezahlt. Insgesamt kamen bei der vergangenen Holzversteigerung knapp 1.200 Stämme unter den Hammer, darunter Einzelstämme und Stammholz, das zu Losen zusammengefasst wurde. Durchschnittlich wurden bei der Versteigerung Anfang diesen Jahres für Wertholz-Einzelstämme aus Eiche Erlöse in Höhe von 560 Euro je Festmeter erreicht, Wert- und Starkholzlose erzielten rund 340 Euro je Festmeter. So kann mitunter ein Gesamtumsatz von rund 750.000 Euro zusammenkommen.

Holz ist der wichtigste nachwachsende Roh-, Bau- und Werkstoff. In Nordrhein-Westfalen nimmt etwa 27 Prozent der Landesfläche Wald ein – das sind 915.800 Hektar. Wolf-Beckhoff versichert, dass das Abholzen für solche Versteigerungen keinen negativen Effekt auf den Waldbestand habe. Zudem kommt auf einen Holzeinschlag von 4,3 Millionen Kubikmetern pro Jahr – das entspricht 4,7 Kubikmeter je Hektar Waldfläche – wiederum ein Holzzuschlag von 8,3 Millionen Quadratmetern. Es kommt also fast doppelt so viel hinzu als weggenommen wird.

Auktionstag im Bürgerzentrum Schulze-Frenking in Nottuln-Appelhülsen: Die Holzversteigerung ist für die Kaufinteressenten ein ernstes Geschäft; Foto: Andrea Schneider

Das Holz bei der Versteigerung Münsterland stammt vorwiegend aus Privatwäldern – deren Anteil ist in Nordrhein-Westfalen mit 67 Prozent so hoch wie in keinem anderen Bundesland. Aber auch Holz aus Wäldern von Bund und Land wird angeliefert. Es stammt aus den Regionen Mübsterland, Sauerland, Ostwestfalen und dem Ruhrgebiet. Bis in die Mitte der 90er Jahre hinein war auch Holz aus Niedersachsen und den Niederlanden mit dabei. Das für die Versteigerung zugelassene Alt- beziehungsweise Starkholz ist rund 140 bis 200 Jahre alt und muss eine Mindestlänge von vier Metern erfüllen. Der zuständige Förster Guido Wolf-Beckhoff verspricht „ausgesuchte Stämme von guter bis sehr guter Qualität“. Von dieser überzeugt er sich nach der Anlieferung persönlich.

Wer sind die Kaufinteressenten, die solche Summen auslegen? „Das sind Leute aus Furnier- und Sägewärken, manchmal auch von Schreinereien und Tischlereien, und auch Händler, die das Holz dann weiterverkaufen“, weiß Wolf-Beckhoff. Für die Holzversteigerung Münsterland melden sich jedes Jahr 20 bis 30 solcehr Kaufinteressenten an. Sie stammen größtenteils aus der Region, aber auch aus angrenzenden Bundesländern. „Manchmal kommen auch welche aus dem Ausland, vor allem den Niederlanden und Frankreich“, ergänzt der Förster.

Vor der Versteigerung haben die Kaufinteressenten die Gelegenheit, das angebotene Holz auf dem Lagerplatz in Wolbeck zu begutachten. Mindestens vier Wochen vor Versteigerungstermin wird das Losverzeichnis veröffentlicht. Dann wird die Veranstaltung sowohl online als auch in einschlägigen Medien wie dem Holz-Zentralblatt angekündigt. Am Tag der Versteigerung kommen dann bereits um neun Uhr morgens alle im Bürgerzentrum Schulze-Frenking in Nottuln-Appelhülsen zusammen, spätestens um 9:30 Uhr geht es dann los. Je nach dem, wie viele Stämme zur Versteigerung angeboten werden, zieht sich die Veranstaltung bis 13 oder 14 Uhr.

Ab Mitte Dezember ist der Holzlagerplatz zur Besichtigung geöffnet; Foto: Jennifer Bahn

Guido Wolf-Beckhoff ist stolz auf die lange Tradition der Holzversteigerung Münsterland, denn öffentliche Versteigerungen wie diese gibt es nicht mehr viele. Andere Veranstaltungen dieser Art werden oft als Submission durchgeführt, bei der ein schriftliches Gebot bis zu einer gesetzten Frist eingereicht werden muss und der Höchstbietende den Zuschlag bekommt – selbst wenn er nur einen Euro mehr geboten hat als ein anderer. „Das ist das Schöne: Bei uns kriegt jeder mit, was der andere bietet“, freut sich Wolf-Beckhoff. Gelegentlich geht es deswegen nämlich ganz schön heiß her während der Auktion. „Da bezahlen manche absichtlich zu viel, nur weil sie eine persönliche Fehde austragen wollen“, erzählt Wolf-Beckhoff. Seit zwei Jahren wird eine solche Submission sogar online ausgeführt. „Ob diese Verkaufsform eine Zukunft hat, muss sich erst noch erweisen. Bisher hat sie sich jedenfalls noch nicht etablieren können“, so Wolf-Beckhoff. Die Holzversteigerung Münsterland dagegen, so ist sich der Förster sicher, die wird noch lange Bestand haben.

Landesbetrieb Wald und Holz NRW, Tel. 0251/917970, www.wald-und-holz.nrw.de

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