“Dalheimer Sommer” zwischen Krieg und Liebe

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Lichtenau-Dalheim – In seiner 22. Spielzeit stellt das westfälische Kulturfestival “Dalheimer Sommer” das vielschichtige Verhältnis zwischen Krieg und Liebe in Musik und Schauspiel in den Fokus. Unter dem Motto “Krieg und Liebe” laden insgesamt zwölf Veranstaltungen vom 20. Juli bis 12. August zu hochkarätigem Kulturgenuss in das ehemalige Kloster Dalheim (Kreis Paderborn), heute LWL-Landesmuseum für Klosterkultur, ein.

Auf Wanderschaft: Musik aus drei Epochen an drei Spielstätten – 2018 steht wieder ein Wandelkonzert auf dem Programm. Foto: Mathias Lim

Die Besucher erwarten ein Kammer-Musical voller Liebeswirrungen aus Shakespeares Zeiten ebenso wie eine moderne Internet-Liebschaft in der Bühnenfassung des Bestsellers “Gut gegen Nordwind”. Das Festspiel-Ensemble des Dalheimer Sommers, die “Capella Dalheimensis”, eröffnet unter der Leitung von Thomas Berning das Kulturfestival mit italienischer Musik aus der Zeit der Glaubenskriege. Weitere Programmhöhepunkte sind eine Lesung mit Musik und die hochklassig besetzte Konzertreihe, die in diesem Jahr durch ein Wandelkonzert (die Zuhörer gehen zu mehreren Spielorten) erweitert wird. Erstmals gastiert der “Dalheimer Sommer” mit einem Orgel- und Trompetenkonzert außerhalb des Klosters in der Gemeinde Lichtenau.

Die 22. Festival-Spielzeit steht unter der Intendanz des renommierten Musikers Arno Paduch. Veranstalter sind die Stiftung Kloster Dalheim und der Verein der Freunde des Klosters Dalheim e.V.

Preisgekrönte Musiker: Das “Johann Rosenmüller Ensemble” gestaltet unter der Leitung von Festivalintendant Arno Paduch in diesem Jahr das Abschlusskonzert des “Dalheimer Sommers”. Foto: Mathias Marxs

Der Kartenvorverkauf für den “Dalheimer Sommer” beginnt ab Donnerstag, 14. Juni.

Kultur in Zeiten des Krieges
“Die diesjährige Spielzeit widmet sich dem aktuellen Gedenken: Vor 100 Jahren endete der Erste Weltkrieg, und der Beginn des Dreißigjährigen Krieges jährt sich zum 400. Mal”, erinnert Dr. Ingo Grabowsky, Museumsdirektor des LWL-Landesmuseums für Klosterkultur. Die politischen Machtverhältnisse änderten sich gravierend und beeinflussten das gesamte gesellschaftliche Leben. Auch die Kultur blieb von den kriegerischen Auseinandersetzungen nicht verschont. “Musiker, Literaten und Theatermacher sahen sich plötzlich einem Verfall der Künste gegenüber. Sie verarbeiteten in ihren Werken nicht nur das Kriegsgeschehen – gleichzeitig wehrten sie sich in ihrem Schaffen gegen den Zusammenbruch der Kulturen”, erläutert Grabowsky.

Barock aus Italien: Im letzten Jahr begeisterte die “Capella Dalheimensis” mit “L’Orfeo”, 2018 gibt das Ensemble ein Meisterwerk von Abbatini zum Besten. Foto: LWL/Johanna Pietsch

Ein Festivalprogramm voller Gegensätze
Viele Künstler waren unmittelbar von den Kriegen betroffen und dazu gezwungen, das kulturelle Leben neu zu ordnen. “In der Epoche des Barock gab Heinrich Schütz beispielsweise weiterhin Konzerte, obwohl er seine Ansprüche an Aufführungspraxis und Instrumentarien erheblich verringern musste. Claudio Monteverdi schuf während des Dreißigjährigen Krieges seine Madrigale von Krieg und Liebe, die den Menschen voller Konflikte und Gegensätze als leidenschaftliches Wesen zeigen”, erklärt Arno Paduch, Intendant des “Dalheimer Sommers”.

Virtuoses Ensemble: Zum wiederholten Mal gastiert “Teatro del mondo” beim “Dalheimer Sommer”. 2018 mit einem Programm zu Monteverdis Madrigale. Foto: Patrick Siegrist

Monteverdis Werk spannt den Bogen zum Motto der diesjährigen Festivalsaison, da es sowohl die großen, weltlichen Konflikte als auch die zwischenmenschlichen Gefechte anspricht. “Hier kommt die Liebe als treibende Kraft hinzu: Sie ist durch alle Zeiten hinweg stets eine Muse für Künstler gewesen. Die Hingabe, Hoffnung und nicht zuletzt die Liebe zur Kunst stellen damit in diesen Zeiten einen wichtigen Faktor zum Erhalt der Kultur dar”, so Paduch weiter. “Das aktuelle Programm präsentiert Musik, Literatur und Schauspiel aus fünf Jahrhunderten, die sich zwischen Auseinandersetzungen und Kompromissen, Feindseligkeit und Zuneigung – Krieg und Liebe bewegen”, so Paduch, für den es die dritte Intendanz des “Dalheimer Sommers” ist. Gemeinsam mit Grabowsky und Hans-Dieter Seidensticker, dem Vorsitzenden des Vereins der Freunde des Klosters Dalheim e.V., freut er sich auf vier Wochen erstklassiger Aufführungen.

Eröffnungskonzert durch das Festspielensemble
Nach der erfolgreichen Premiere im letzten Jahr gibt die “Capella Dalheimensis” mit italienischer Musik aus der Zeit der Glaubenskriege das Eröffnungskonzert (21. Juli) des “Dalheimer Sommers”. Das Ensemble – eine Zusammenstellung von erfahrenen Musikern, Studentinnen und jungen Absolventen verschiedener deutscher Hochschulen – steht in diesem Jahr unter der Leitung von Domkapellmeister Thomas Berning von der Paderborner Dommusik. Der Schwerpunkt des Konzerts liegt auf der sechzehnstimmigen Messe von Antonio Maria Abbatini. “Das Meisterstück italienischer Musik ist der Lateranbasilika in Rom gewidmet, wo Abbatini von 1627 bis 1629 Kapellmeister war”, erläutert Paduch. Daneben werden auch Werke Alter Musik von Giovanni Bassani, Constante Ruggieri u.a. dargeboten.

Hochklassiger Kulturgenuss: Museumdirektor Dr. Ingo Grabowsky, Festivalintendant Arno Paduch und Hans-Dieter Seidensticker, Vorsitzender des Vereins der Freunde des Klosters Dalheim e.V. (v.l.), haben das Programm des diesjährigen “Dalheimer Sommers” vorgestellt und dabei eine der neuen Spielstätten, den Gewölbekeller, präsentiert. Foto: LWL/Kristina Schellenberg

Konzertreihe
In der Tradition der vergangenen Jahre präsentiert die Konzertreihe erstklassige Ensembles Alter Musik. Den Anfang macht das “Teatro del mondo” unter der Leitung von Andreas Küppers. Die sieben Sänger und acht Instrumentalistinnen des Ensembles begeben sich auf die Spuren von Claudio Monteverdi und führen seine “Madrigali guerrieri et amorosi” (ital.: Madrigale von Krieg und Liebe) aus dem 17. Jahrhundert auf. Es folgt ein Konzertabend von “CordArte” und Viola Blache mit den venezianisch-theatralischen Werken von Heinrich Schütz. Mit Musik zum Dreißigjährigen Krieg, darunter Andreas Hammerschmidt und Gustav Düben, gibt das preisgekrönte “Johann Rosenmüller Ensemble” unter der Leitung von Festivalintendant Arno Paduch das Abschlusskonzert des “Dalheimer Sommers”.

Wandelkonzert durch Raum und Zeit
“Nach längerer Pause steht in diesem Jahr wieder ein Wandelkonzert auf dem Programm”, so Grabowsky. “Dieses besondere Konzerterlebnis gibt die Gelegenheit, Musik aus drei Epochen an drei historischen Spielstätten des Klosters Dalheim zu genießen.” Besucherinnen begeben sich auf eine musikalische Wanderschaft: In der Klosterkirche führen Meike Leluschko und Jenny Meyer mit Gesang und Harfe in die französische Romantik. Katja Dolainski und Klaus Mader lassen mit Blockflöte und Laute das Italien des 17. Jahrhunderts im ehemaligen Refektorium wiederaufleben. Zurück in die Moderne geht es im historischen Gewölbekeller mit Ulrich Lettermann und seinen Saxofonimprovisationen.

Gastspiel in Lichtenau
Erstmals gastiert der “Dalheimer Sommer” in der Pfarrkirche St. Kilian, die Platz für 170 Besucher bietet. Joachim Pliquett und Arvid Gast präsentieren mit Trompete und Orgel Werke von Loeillet, Buxtehude, Bach u.a. aus vier Jahrhunderten und zeigen die große Bandbreite instrumentaler Kombinationen vom frühen Barock aus Norddeutschland, über Italien bis zu moderneren Klängen aus Frankreich. Dabei stimmt das seit fast vierzig Jahren gemeinsam auftretende Duo sein Repertoire gekonnt auf die Akustik der Räume und den Charakter der Kirchenorgel ab.

Lesung mit Musik für Jugendliche und Erwachsene
Eine Brücke zur Dichtung schlägt die Lesung mit Musik. Autorin Maja Nielsen liest aus ihrem Jugendbuch “Feldpost für Pauline”. Im Roman erhält die 14-jährige Pauline mit fast 100 Jahren Verspätung Post aus Verdun und ist dem Geheimnis des historischen Briefes mit detektivischer Neugier auf die Spur. Irmelin Podszus begleitet die Reise in die Vergangenheit mit dem Cello.

Schauspielkunst mit Witz und Tempo
Mit Hochzeitstrubel und einer außer Kontrolle geratenden E-Mail-Beziehung werden die Schauspielaufführungen des “Dalheimer Sommers” modern inszeniert.
Das “Holzhausen-Quartett” ist zum zweiten Mal beim Kulturfestival und zeigt mit “Viel Lärm um nichts” ein Kammer-Musical nach Shakespeare, in dem die Figuren in einen Liebes-Wirbel voller überraschender Wendungen und Witz gezogen werden. In rasendem Tempo schlüpfen Sabine Fischmann und Till Krabbe in alle Rollen des Stücks und verbinden Shakespeares Verse mit der heutigen Sprache. Begleitet wird das Musical von einer frechen Komposition von Markus Neumeyer und dem Gesang von Bariton Berthold Possemeyer mit Liedern von Mozart bis Loriot. Grabowsky: “Mit dem ‘Holzhausen-Quartett’ bleiben wir unserem Anspruch treu, beim Theater weiterhin unkonventionelle Wege zu gehen. Persönlich freue ich mich besonders auf das Sprechtheater von ‘austroPott’, das zum ersten Mal zu Gast beim ‘Dalheimer Sommer’ ist.” Katja Heinrich und Harald Schwaiger bringen Daniel Glattauers Bestseller “Gut gegen Nordwind”, die moderne Version eines Briefromans, auf die Bühne. In ihren Rollen bewegen sie sich auf dem schmalen Grat zwischen totaler Fremdheit und unverbindlicher Intimität.

Picknickkonzert
Das Picknickkonzert lädt zu einer entspannten Landpartie mit “percussion posaune leipzig” nach Dalheim ein. Wenn drei Posaunisten und ein Schlagzeuger zusammen ein Konzert geben, ist das schon für sich genommen ein Erlebnis. Wenn die Besucherinnen dann auch noch Picknickdecken und -körbe mitbringen, steht einem vergnüglichen Nachmittag im Freien nichts mehr im Weg. Die musikalische Bandbreite der seit über 25 Jahren zusammenspielenden Profimusiker reicht von Thomas Morley über Johann Sebastian Bach und Duke Ellington bis hin zur Auftragskomposition “Der weiße Hai im Alpensee”.
Kurzentschlossene werden im Klosterwirtshaus am Ort mit dem kulinarischen Angebot von Familie Brand verwöhnt. Bei schlechtem Wetter zieht das Konzert in die Musikscheune Neuer Schafstall um. Kinder und Jugendliche erhalten ermäßigten Eintritt (5 Euro, regulärer Preis: 20 Euro, ermäßigt 17 Euro).

Wichtiger kultureller Faktor in Westfalen
Seit 22 Jahren ist das Kulturfestival fester Bestandteil der jüngeren Geschichte des Klosters Dalheim. “In dieser Zeit setzten Schauspiel, Konzerte und Lesungen immer wieder kulturelle Akzente in der Region Ostwestfalen”, bemerkt Hans-Dieter Seidensticker für den Verein der Freunde des Klosters Dalheim, der das Festival seinerzeit ins Leben rief: “Das authentische Erleben von Dichtung, Musik und Schauspiel an historischer Stätte ist ein Garant für kulturellen Hochgenuss”, so Seidensticker.

Förderer und Sponsoren
Unterstützt werden die Festivalmacher vom Hardware- und Software-Spezialist dspace, der Kirchenmusikstiftung Ziegler, dem Kreis Paderborn, den Volksbanken im Kreis Paderborn, der Stadt Lichtenau, dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) und der Veranstaltungstechnik event:ware.

Karten und Vorverkauf
Konzert- und Theaterkarten für den “Dalheimer Sommer” kosten je nach Kategorie 25, 20 oder 15 Euro (ermäßigt: 22, 17,12 Euro). Sonderpreise gelten für die Karten, des Eröffnungskonzerts (21.7), des Madrigalkonzerts (29.7.) und des Abschlusskonzerts (12.8). Sie kosten je nach Kategorie 30, 25 oder 20 Euro (ermäßigt: 27, 22, 17 Euro). Die Karten für die Lesung mit Musik (28.7) und das Picknickkonzert (4.8.) kosten 20 Euro (ermäßigt: 17 Euro). Freie Platzwahl haben die Besucherinnen und Besucher beim Wandel- (10.8) und Picknickkonzert, beim Konzert in Lichtenau (27.7) und bei der Lesung mit Musik.

Familienfreundlich: Sonderpreise für Kinder- und Jugendliche
Für Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre gilt eine Ermäßigung von 50 Prozent für alle Veranstaltungen und alle Plätze. Ausnahmen sind die Lesung mit Musik und das Picknickkonzert: Hier zahlen Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre nur 5 Euro.

Vorteil für Festival-Besucher
Mit ihrer “Dalheimer Sommer”-Eintrittskarte erhalten Festivalbesucher am Veranstaltungstag freien Eintritt in das Museum und die Klostergärten. “So haben unsere Gäste die Möglichkeit, den Kulturabend im Kloster Dalheim mit einem Besuch der Dauerausstellung und der Klosteranlage zu verknüpfen”, lädt Grabowsky zu einem Tagesausflug ins Kloster Dalheim ein.

Der Kartenvorverkauf läuft ab Donnerstag, 14. Juni, unter http://www.dalheimer-sommer.de oder telefonisch unter 05292 . 9319-224 (Mo-Fr von 9 bis 17 Uhr, an Veranstaltungstagen von 10 bis 18 Uhr).

Stiftung Kloster Dalheim / Am Kloster 9 / 33165 Lichtenau-Dalheim
www.stiftung-kloster-dalheim.lwl.org
www.dalheimer-sommer.de


 

 


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