Münster: Richard Serras Skulptur an neuem Ort

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Münster – Drei Stahlwände, zusammengestellt zu einem U, bilden die Arbeit “Fassbinder” (1983) des amerikanischen Bildhauers Richard Serra. Die Skulptur des LWL-Museums für Kunst und Kultur wurde am Dienstag (29.11.) im Hof des Bibelmuseums der Universität Münster nach siebenjähriger “Pause” wieder aufgestellt.

Prof. Dr. Holger Strutwolf, Direktor Bibelmuseum, Dr. Hermann Arnhold, Direktor LWL-Museum für Kunst und Kultur, Dr. Barbara Rüschoff-Thale, LWL-Kulturdezernentin und Matthias Schwarte, Kanzler der Universität Münster (v.l.) vor der Stahlskulptur "Fassbinder" (1982/83) von Richard Serra. Foto: LWL/Hanna Neander

Prof. Dr. Holger Strutwolf, Direktor Bibelmuseum, Dr. Hermann Arnhold, Direktor LWL-Museum für Kunst und Kultur, Dr. Barbara Rüschoff-Thale, LWL-Kulturdezernentin und Matthias Schwarte, Kanzler der Universität Münster (v.l.) vor der Stahlskulptur “Fassbinder” (1982/83) von Richard Serra. – Foto: LWL/Hanna Neander

Ein Torbogen und hohe Gebäude definieren den Innenhof des Bibelmuseums. Das Englische Seminar, das Geomuseum und das Bibelmuseum umrahmen den neuen Aufstellungsort der Skulptur. “Endlich hat die Stahlskulptur Richard Serras nach sieben Jahren Heimatlosigkeit wieder einen Platz, und zusammen mit der Universität Münster machen wir sie für alle zugänglich”, so Dr. Barbara Rüschoff-Thale, Kulturdezernentin des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL).

Der Höhenunterschied vom Innenhof zum benachbarten Areal des Geomuseums wirkt beengend. Der Gang über die neu gestaltete Treppe, der den Hof mit dem Garten des Museums verbindet, hingegen löst die Bedrängung und überführt in eine Weite. Dort laden ab 2017 wieder die grün-weißen Bänke, die Arbeit “Study Garden” von Siah Armajani (Skulptur Projekte 1987) zum Verweilen ein. “Mit der Aufstellung der Serra-Skulptur setzen die Universität Münster und das LWL-Museum eine bereits bestehende langjährige Tradition fort”, so Rüschoff-Thale.

Richard Serra, Fassbinder I, 1982/83. Foto: LWL/Rudolf Wakonigg. © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

Richard Serra, Fassbinder I, 1982/83. Foto: LWL/Rudolf Wakonigg. © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

Wer den Hof durch den Torbogen betritt, läuft auf die fünf Meter hohe rostig-braune Stahlwand zu. Abschreckend durch Höhe und Material und gleichzeitig Neugier weckend definiert sie den Platz inmitten der Universitätsgebäude. “Mit der Neugestaltung wird der Innenhof zwischen Bibelmuseum und Englischem Seminar zum öffentlichen Raum. Wir freuen uns darüber, dass wir heute eine kleine Öffnung vor der Eröffnung feiern können”, betonte Matthias Schwarte, Kanzler der Universität Münster. “Eingebettet in ein neues Konzept der Universitätsmuseen werden sich Serras ,Fassbinder‘ und Armajanis ,Study Garden‘ im Garten unseres künftigen Geomuseums in eine Museumszeile einfügen, wo sich Kunst, Kultur und Besucher begegnen.” Mit dem LWL-Museum für Kunst und Kultur, dem Archäologischen Museum, dem Bibel- und dem Geomuseum – die beiden letztgenannten Häuser werden derzeit umgebaut – haben die Münsteraner und alle Gäste entlang der Achse Domplatz/Pferdegasse künftig die Wahl zwischen vier Museen. Hinzu kommen mehrere Skulpturen, die “Silberne Frequenz” von Otto Piene an der Südfassade des LWL-Museums und die “Supraporten” von Josef Albers an der Fassade zur Pferdegasse als beeindruckende Beispiele zeitgenössischer Kunst.

Im neu gestalteten Hof des Bibelmuseums, in dem künftig der Eingang dieses Museums liegt, drängt sich die massive Stahlskulptur unweigerlich in das Blickfeld der Passanten. “Es ist der perfekte Raum für diese Skulptur, weshalb wir Serra schnell von diesem neuen Aufstellungsort in mittelbarer Nähe zu unserem Museum überzeugen konnten”, erklärt Dr. Hermann Arnhold, Direktor des LWL-Museums für Kunst und Kultur. Ähnlich wie im ehemaligen Gebäudekomplex des LWL-Museums bildet “Fassbinder” eine Art Rückzugsort, der die räumliche Bedrängnis des Hofes zugleich ausblendet und verstärkt. Die schief verlaufende Wand irritiert den Betrachter und spielt mit dem Bedürfnis nach einem klaren geraden Horizont. Der Höhenunterschied zum Geomuseum ermöglicht die Draufsicht auf die Skulptur und lässt den durch sie entstehenden Raum im Raum klar erkennen. “Der Perspektivwechsel gibt eine ganz neue Wahrnehmung auf Serras Arbeit, die von oben betrachtet viel leichter und luftiger wirkt”, so Arnhold.

Mit der Aufstellung der Skulptur erfährt auch eine Arbeit Serras im Altbau des LWL-Museums eine Vervollständigung: In der Wandarbeit “Fassbinder II” greift Serra mit einer großen schwarzen, schiefen Fläche die Wirkung der Skulptur auf. Diese Arbeit von 1984 bezieht sich unmittelbar auf die ein Jahr zuvor angeschaffte Skulptur, weshalb die Aufstellung im direkten Umfeld des Museums den Verantwortlichen besonders wichtig war.

Der Innenhof des Bibelmuseums ist ab sofort frei zugänglich. Die Arbeiten am Garten des benachbarten Geomuseums werden wahrscheinlich im kommenden Jahr abgeschlossen sein.

Fakten zu “Fassbinder” Richard Serra:
– Ankauf durch LWL-Museum für Kunst und Kultur 1983
– Name: Richard Serra “Fassbinder” (1983)
– Material: Corten Stahl
– Gewicht: circa 13 Tonnen
– Maße: 2,16 Meter  x 2,16 Meter; 5 Meter Höhe

LWL-Museum für Kunst und Kultur / Westfälisches Landesmuseum
Domplatz 10  / 48143 Münster

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Kommentare

  1. Norbert Albrecht meint

    Zum Standort dieser Skulptur kann man der Stadt nur gratulieren. Durch Zufall entdeckt, hat mich ihre Wirkung in dem, bis jetzt abgelegenen Hof, fasziniert und neugierig gemacht.

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