Agravis 2015: Große-Frie zieht Bilanz

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AGRAVIS-Bilanz 2015: Zum dritten Mal in Folge wurde die AGRAVIS Raiffeisen AG mit Sitz in Münster und Hannover beim bundesweiten Ranking „Bester Arbeitgeber Award“ des Nachrichtenmagazins Focus in Zusammenarbeit mit den Berufsportalen Xing und Kununu ausgezeichnet und erhielt das Siegel „Top Nationaler Arbeitgeber 2016“. In drei Kategorien belegte die AGRAVIS einen Platz in der Spitzengruppe unter den ersten fünf. Im Gesamtranking aller teilnehmenden Unternehmen liegt die AGRAVIS auf Rang 66 und ist damit nochmals deutlich besser platziert als vor einem Jahr. Insgesamt wurden die besten 1.000 Arbeitgeber mit mehr als 500 Mitarbeitern aus 22 Branchen ermittelt. „Wir sehen in der Bewertung einen Beleg für unsere wertschätzende Unternehmenskultur“ erklärte Agravis-Chef Dr. Clemens Große-Frie bei der Bilanzpresse-Konferenz des genossenschaftlichen Handels- und Dienstleistungsunternehmens in Münster. Gerade heute sei es für den Unternehmenserfolg unverzichtbar, für gute Arbeitskräfte attraktiv zu sein. „Die Stärke und das Know-how der Mitarbeiter – gerade im Agrarhandel – sind ein Wettbewerbsvorteil.“

AGRAVIS gehört zu den 100 besten Arbeitgebern in Deutschland

Im Focus-Ranking der besten Arbeitgeber Deutschlands hat AGRAVIS in mehreren Kategorien einen Spitzenplatz erreicht

Die Umsatzentwicklung beim zweitgrößten europäischen Agrarkonzern verlief nicht ganz so zufriedenstellend. „Die schwachen Getreidepreise, aber auch die schwachen Energie-, Fleisch- und Milchpreise haben das Leben für AGRAVIS 2015 nicht leicht gemacht“, musste Große Frie eingestehen. „Es war ein gehöriger Kraftakt nötig, um einen Umsatz von rund sieben Milliarden Euro – exakt 6,94 Milliarden Euro – zu erreichen. Aber wir haben es hinbekommen – trotz eines sehr herausfordernden Marktumfeldes.“ Die AGRAVIS Raiffeisen AG habe sich im Geschäftsjahr 2015 nicht von ihrem grundsätzlichen Wachstumstrend abbringen lassen und gezeigt, dass „schwierige Marktsituationen unternehmerisch angegangen werden müssen.“ Das zeige sich besonders auch beim Blick auf das Ergebnis vor Steuern. „Wir haben mit 45,1 Millionen Euro ein Ergebnis beachtlich über Vorjahresniveau realisieren können.“ Die AGRAVIS habe in allen Bereichen gute bis sehr gute Ergebnisse erzielt, nur an einigen, wenigen Stellen habe es reingeregnet. „Im Gesamtergebnis gab es durch Währungsschwankungen und Marktentwicklungen im hochvolatilen Agrarerzeugnis-Großhandelsgeschäft Rücksetzer. In diesem Geschäftsfeld war 2015 nicht viel zu holen. Da ging es darum, möglichst die Kosten einzuspielen, aber das ist uns nicht an allen Stellen gelungen.“ Auch der Einstieg der Raiffeisen-Märkte in den Online-Handel trägt noch keine Früchte: „Das erste Jahr war sehr flau, das zweite etwas besser.“ In diesem Jahr soll der Raiffeisen-Webshop zwei Millionen Euro Umsatz erwirtschaften und plusminus Null abschließen.

Die magere Umsatzrendite des Gesamtkonzerns ist für den AGRAVIS-Chef besonders unerfreulich: „O,64 Prozent – das ist homöopathisch.“ Für eine profitable Weiterentwicklung des AGRAVIS-Geschäfts will Große Frie die Internationalisierung dosiert fortsetzen. Da passt es ins Bild, dass das Unternehmen zusammen mit den dänischen Partnern Danish Agro und Vestjyllands Andel über die DAVA AGRAVIS International die Agrarhandelsaktivitäten der Getreide AG unter dem Namen Ceravis an den Start gebracht hat. In 2016 soll die Ceravis AG zu einem schlagkräftigen Unternehmen mit 1,3 Milliarden Euro Umsatz ausgebaut werden. Dazu hat die AGRAVIS zum 1. Januar 2016 die bisherigen Tochtergesellschaften in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern, nämlich die Fugema Futtermittel- und Getreidehandelsgesellschaft mbH in Malchin, die Raiffeisen Mölln GmbH & Co. KG in Mölln und die Raiffeisen-Zentrum-Idstedt GmbH in Idstedt, an die Ceravis AG abgegeben. Sie erhält dadurch eine gute Startposition im Norden der Republik.

AGRAVIS 2015

Dr. Clemens Große Frie (M.) ist nicht zufrieden mit der Umsatzrendite seines Unternehmens: „0,64 Prozent – das ist homöopathisch“. Neben dem AGRAVIS-Vorstandsvorsitzenden sein PR-Chef Bernd Homann (l.) und Finanzvorstand Johannes Schulte-Althoff (r.)

Ebenfalls ins Bild passt, dass sich die AGRAVIS gerade an dem internationalen Handelshaus Bögel beteiligt und 33 Prozent übernommen hat – vorbehaltlich der kartellrechtlichen Zustimmung. Bögel verfügt über mehr als 125 Jahre Erfahrung im nationalen und internationalen Handel mit Futtermittelkomponenten und möchte in Zukunft weiter profitabel wachsen. Die AGRAVIS erhält damit Zugang zur direkten Beschaffung von Futtermittelkomponenten wie Palmöl und Palmexpeller und zu den Beschaffungsmärkten in Asien.

Im heimischen Markt dokumentiert die AGRAVIS Raiffeisen AG durch eine beachtliche Anzahl an Akquisitionen, Kooperationen, Allianzen und Investitionen, dass sie ihren Fokus auf kontinuierliches Wachstum ausrichtet. „Wir haben beispielsweise unser Futtermittelgeschäft durch die Übernahme des Heidemark-Werkes in Höltinghausen ausgebaut und unser Technik-Geschäft durch verschiedene Übernahmen regionaler Landtechnik-Händler“, erläuterte der AGRAVIS-Chef. Insgesamt wuchs die AGRAVIS-Gruppe durch Mergers & Acquisitions-Aktivitäten in den vergangenen zehn Jahren umsatzmäßig um rund 1,7 Milliarden Euro. „Eine beachtliche Dimension, wie ich finde“, beschreibt Große Frie und ergänzt: „Dabei haben wir gleichzeitig die Investitionen in die bestehende AGRAVIS-Standortstruktur und auch die Eigenkapitalbasis des Konzerns nachhaltig ausgebaut.“ Auch an der Autohandels-Gruppe Vovis ist der Agrarhandelskonzern beteiligt.

Durch Gewinnthesaurierung und die Ausgabe von Genussrechten ist das Eigenkapital der AGRAVIS inzwischen auf 515 Millionen Euro angewachsen – und wurde seit Start der AGRAVIS Raiffeisen AG im Jahr 2004 bis zum Jahresende 2015 verdreifacht. Die Eigenkapitalquote liegt damit bei 27 Prozent, langfristig strebt die AGRAVIS-Führung 30 Prozent an. Ein Konsortialkredit über 600 Millionen Euro konnte das Unternehmen gerade um fünf Jahre verlängern.

Weiteres Wachstum und eine noch engere Kundenbindung sind Überschriften für 2016. Große Frie informierte, dass in 2016 mit 60 Mio. Euro erneut Investitionen oberhalb der Abschreibungen geplant sind. Weitere Kooperationen, Allianzen und Akquisitionen stünden ebenfalls auf der Tagesordnung. „Aktuell gehen wir mit 13 Genossenschaften aus der Region einen wirklich wichtigen Schritt genossenschaftlicher Partnerschaft. Wir werden als AGRAVIS 50 Prozent an unserer Gesellschaft AGRAVIS Kraftfutterwerke Münsterland GmbH – die umfasst die Werke hier in Münster und in Dorsten – abgeben. Damit betreiben wir mit unseren Kunden zusammen die Produktion und stärken uns dadurch im Wettbewerb. Aus Kunden werden also Gesellschafter.“ Ein Modell, das für AGRAVIS inzwischen ein Erfolgsmodell sei.

Für das laufende Geschäftsjahr geht die AGRAVIS von einer Weiterentwicklung auf gedämpftem Marktniveau aus. „Bei einem normalen Jahr – ohne Währungsturbulenzen, mit einer vernünftigen Ernte, mit einem ordentlichen Frühjahrsgeschäft, einem normalen Sommer, also einem normalen Jahr ohne große Sondereinflüsse – rechnen wir bei stabiler Preisentwicklung an den Rohstoffmärkten mit einem Umsatz von rund 6,7 Milliarden Euro und einem Gewinn vor Steuern von 48 Millionen Euro.“ Warum der prognostizierte Umsatzrückgang? „Wir haben mit unseren drei Gesellschaften im Norden, die an die Ceravis AG verkauft wurden, rund 300 Millionen Euro Umsatz abgegeben – und den Umsatz haben wir in der Prognose berücksichtigt“, erläuterte Große Frie auf der Pressekonferenz in Münster, und nahm auch Stellung zu den Untersuchungen des Bundeskartellamts hinsichtlich Preisabsprachen im Bereich Agrarchemie und Landmaschinenhandel, die auch AGRAVIS betreffen. Das Unternehmen unterstütze die Behörden bei ihren Ermittlungen nach allen Kräften.

Allen Widrigkeiten zum Trotz bleibt Große Frie für seine AGRAVIS weiter ehrgeizig: „Wir halten an unserer Strategie 8/80 – also 8 Milliarden Euro Umsatz bei 80 Millionen Euro Gewinn vor Steuern – fest.“ Bis 2018, soll die Umsatzrendite also auf ein Prozent steigen und der Konzernumsatz nochmal um 15 Prozent wachsen. hat das Potenzial dazu.“

www.agravis.de

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