Bauernverband: Nutztierhaltung ist größte Herausforderung

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Westfalen – Trotz zufriedenstellender bis guter Ergebnisse für das abgelaufene Wirtschaftsjahr prognostiziert der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband (WLV) für die hiesigen Bauernbetriebe ein schwieriges Jahr 2015. Schuld daran seien nicht nur zu erwartende Gewinnrückgänge, wie WLV-Präsident Johannes Röring angibt: „Die größte gesellschaftspolitische Herausforderung für die Branche ist, der heimischen Nutztierhaltung – traditionell das wirtschaftliche Rückgrat der regionalen Landwirtschaft – wieder zu höherer Akzeptanz zu verhelfen.“

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Johannes Röring, Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes – Foto: von Johannes Röring (Bundestagsbüro Johannes Röring MdB) [CC BY 2.0 de], via Wikimedia Commons

Wie der WLV verkündigt, stieg nach den vorläufigen Zahlen der landwirtschaftlichen Buchstellen der durchschnittliche Gewinn der landwirtschaftlichen Haupterwerbsbetriebe in Westfalen-Lippe im Wirtschaftsjahr 2013/14 (1.7.2013 bis 30.6.2014) um rund 8 Prozent auf 68.000 Euro. „Dieses Ergebnis kann sich sehen lassen“, resümiert WLV-Präsident Röring, schwenkt aber gleichzeitig ein: „Aber seit der Jahresmitte 2014 gibt es einen Abwärtstrend. In allen bedeutenden Produktionsrichtungen sind die Erzeugerpreise deutlich zurückgegangen. Die Stimmung auf den landwirtschaftlichen Beitrieben ist trotz einer mengenmäßig guten Ernte entsprechend gedämpft. Die Produktion bei Milch, Fleisch und Getreide ist hoch, die Lager sind gut gefüllt und die Nachfrage leider ohne Impulse.“ Absehbar geringere Ausgaben für Energie, Futter und Düngemittel dürften nach Einschätzung des WLV zwar eine gewisse Erleichterungen bringen, werden die erwarteten Einnahmerückgänge aber bei weitem nicht kompensieren können.

Doch was Bauernfamilien größte Sorge bereitet, weiß Röring: „Mit fetten Jahren und mageren Jahren können wir umgehen, die kommen immer wieder. Aber wenn von allen Ecken und Enden politische Regelungen kommen, die die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe einschränken oder gar einem Berufsverbot für kleinere Nutztierhalter gleichkommen, müssen wir reagieren.“ Im Detail bezieht sich der Bauernpräsident damit auf die Novelle der Dünge-Verordnung und die darin enthaltenden Länderöffnungsklauseln, die „die bewährte Praxis bundeseinheitlicher Lösungen beendet und Ideologen Tür und Tor öffnet, wenn Länderregierungen das Recht erhalten, nach Gutdünken in bestimmten Gebieten strengere Anforderungen an die Düngung zu stellen“, so Röring. Eine solche Verordnung ziele nur darauf „unter dem Deckmantel des Umweltschutzes eine sachlich nicht begründbare, brachiale Reduzierung der heimischen Nutztierhaltung zu erzwingen.“ Röring kündigte an, bei einem solchen Vorhaben massiven Widerstand zu leisten: „Wenn der Bogen überspannt wird, werden wir zu reagieren wissen!“ Sogar eine Klage könne das nach sich ziehen.

Die heimische Nutztierhaltung macht dem Bauernverband auch in anderer Hinsicht Sorgen: Offensichtlich, so der WLV, haben sich die Erwartungen an eine zeitgemäße Tierhaltung innerhalb der Agrarwirtschaft einerseits und in wichtigen Teilen der Verbraucherschaft andererseits in unterschiedliche Richtungen entwickelt. Das daraus resultierende wechselseitige Unverständnis müsse überwunden werden. Dazu WLV-Präsident Röring: „Wir nehmen die geänderten gesellschaftlichen Erwartungen an eine moderne Nutztierhaltung ernst und sehen uns auf einem guten Weg, kritische Punkte im Dialog mit der Gesellschaft zu lösen.“

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Die „Initiative Tierwohl“ soll für mehr Nachhaltigkeit in der Fleischerzeugung und eine kontinuierliche Verbesserung der Tierhaltung und -gesundheit sorgen – Foto: Westfleisch

Ein erster Schritt in die richtige Richtung sieht der WLV mit der zu Jahresbeginn 2015 gestartete „Initiative Tierwohl“. Dieses flächendeckende, branchenübergreifende Bündnis von Landwirtschaft, Fleischwirtschaft und Lebensmitteleinzelhandel soll eine nachhaltige Fleischerzeugung und eine kontinuierliche Verbesserung der Tierhaltung und -gesundheit in Deutschland hervorbringen. Machen Bauern bei der „Initiative Tierwohl“ mit, erklären sie sich bereit gemäß bestimmter Auflagen wie einem Antibiotika-Monitoringprogramm oder einem jährlichen Stallklimacheck durch Fachexperten zu produzieren. Die dafür nötigen Mehrausgaben werden aus einem Fond erstattet, in dem der Lebensmitteleinzelhandel 0,04 Euro pro Kilogramm vermarkteter Ware einzahlt. So kommt ein Volumen von 85 Millionen pro Jahr für zunächst drei Jahre zusammen. Der Aufschlag wird sich wohl auch auf den Endpreis für den Verbraucher auswirken – sprich: Geflügel- und Schweinefleisch wird teuerer – doch sollte man erwarten, dass die Verbraucher im Hinblick auf das Tierwohl bereit sind, entsprechend mehr zu zahlen.

Die „Initiative Tierwohl“, die in dieser Form weltweit neu ist, unterstützen alle Großen der Branche, darunter Tönnies und Westfleisch seitens der Fleischwirtschaft, der Deutsche Bauernverband e. V., die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands e. V. und der Zentralverband der Deutschen Schweineproduktion e. V. seitens der Landwirtschaft, sowie mit ALDI, EDEKA, Kaiser’s Tengelmann, Kaufland, Lidl, REWE und Penny 85 Prozent des Lebensmitteleinzelhandels. Bauernpräsident Röring ist sich des Erfolgs der Initiative sicher: „Unser Ziel sind es, dass 100 Prozent mitmachen!“

www.wlv.de, www.initiative-tierwohl.de
 

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