Kulturjahr 2015 wird äußerst vielfältig

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wh – Im Kulturausschuss des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) wurden vor wenigen Tagen die wichtigsten Vorhaben und Projekte für das kommende Jahr vorgestellt. Im Gespräch mit dem Nachrichtenservice Westfalen heute gibt LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Thale einen Ausblick auf das westfälische Kulturjahr 2015.

Frau Dr. Rüschoff-Thale, welche kulturellen Höhepunkte sind im kommenden Jahr in den Einrichtungen des LWL geplant?
Das Ausstellungsprogramm in den LWL-Museen wird äußerst vielfältig sein. Als besonderes Highlight möchte ich aber auf eine Ausstellung zu Wilhelm Morgner im neuen LWL-Museum für Kunst- und Kulturgeschichte hinweisen. Morgner ist einer der bedeutendsten westfälischen Maler und wird ab Herbst zusammen mit Künstlern der europäischen Moderne wie Vincent van Gogh oder Paul Gauguin präsentiert. Das wird mit Sicherheit eine sehr spannende Gegenüberstellung.

LWL-Kulturdezernentin  Dr. Barbara Rüschoff-Thale im Gespräch

LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Thale im Gespräch

Können Sie weitere Veranstaltungshighlights nennen?
Die Ausstellung „Die sieben Todsünden“ im LWL-Museum für Klosterkultur in Dalheim spannt ab dem 30. Mai 2015 einen Bogen vom Ursprung der sieben Todsünden bis in die Gegenwart. Dabei werden die Besucher im Hier und Jetzt abgeholt, indem wir beispielsweise den Slogan „Geiz ist geil“ interpretieren, der bereits zwei Todsünden berührt und zeigt, dass mit „sündigem Verhalten“ heute geworben wird.

Im Sommer wird zum Jubiläum der Provinz Westfalen die Ausstellung „200 Jahre Westfalen. Jetzt!“ im Dortmunder Museum für Kunst und Kulturgeschichte eröffnet. Was erwartet die Besucher?
Auf diese Ausstellung bin ich selbst sehr gespannt. Der Titel „200 Jahre Westfalen“ klingt ja zunächst nicht besonders spektakulär, aber für die Aufbereitung der Schau verspreche ich einen sehr frischen und innovativen Ansatz. Weil das Thema inhaltlich so viel zu bieten hat, ist sogar geplant, die Ausstellung während der Laufzeit mehrfach umzubauen, aber zu viel möchte ich jetzt noch nicht verraten.

Ein echtes Leuchtturmprojekt für Westfalen ist die Umwandlung von Burg Hülshoff in einen Zukunftsort für Literatur. Wie geht es dort weiter?
An der Weiterentwicklung von Burg Hülshoff und auch dem Rüschhaus werden wir weiter sehr intensiv arbeiten. Da geht es im kommenden Jahr vor allem darum, Gelder zu akquirieren und die Förderung durch die Regionale 2016 voranzutreiben. Genauso wichtig ist es aber auch, eine Lösung für das Preußen-Museum zu finden. Das kann nicht länger aufgeschoben werden.

Welche Planungen gibt es für das Projekt „Kultur in Westfalen“?
„Kultur in Westfalen“ hat mit den Kulturkonferenzen, die bislang stattgefunden haben, wichtige Netzwerkarbeit geleistet, die auch in Zukunft fortgesetzt wird. Darüber hinaus wird sich das Projekt verstärkt mit dem Thema Ehrenamt auseinandersetzen. Gerade hinsichtlich des demografischen Wandels ist es unerlässlich, dass wir überlegen, wie ehrenamtliches Engagement in Westfalen-Lippe weiterer aufrecht erhalten werden kann. Ein weiterer Schwerpunkt soll auf die Klosterkultur gelegt werden. Hier wollen wir ein regionales Netzwerk entwickeln, bei dem natürlich der neue Welterbestatus von Schloss Corvey eine wichtige Rolle spielt.

Welche weiteren kulturpolitischen Aufgaben kommen auf den LWL 2015 zu?
Ein großes Vorhaben ist die Bauinvestitionsplanung für die kommenden zehn Jahre. Um unsere Kultureinrichtungen zukunftsfähig zu machen, muss verwaltungsintern abgestimmt werden, welche Maßnahmen umgesetzt werden und wie sie finanziert werden können. Beispielsweise planen wir in Münster ein großes Zentralmagazin, das sowohl von LWL-Einrichtungen wie den Museen und der Archäologie, aber auch von Dritten genutzt werden kann.

In diesem Jahr hat es in Münster erstmals eine Tagung zum Thema „Qualität in Museen“ gegeben. Wird das Projekt fortgesetzt?
Wir haben bei der Tagung festgestellt, dass die Ansprüche an Museen gewachsen sind. Eine gute Ausstellung alleine reicht nicht mehr unbedingt aus, um die Menschen ins Museum zu locken. Neben der Sammlung spielen auch der Service, das Umfeld und natürlich die Inklusion von Besuchern mit besonderen Bedürfnissen eine wichtige Rolle. Diese und viele weitere Ergebnisse werden wir in einem Tagungsband veröffentlichen, aus dem nicht nur unseren eigenen Einrichtungen Gewinn ziehen sollen, sondern auch Museen, die nicht zum LWL gehören.

Ein prägendes Thema in diesem und dem vergangenen Jahr war die Denkmalpflege. Wird das den LWL auch 2015 beschäftigen?
Ganz bestimmt. Die Neuausrichtung der Landesregierung, Denkmalförderung über Darlehen zu finanzieren, ist gerade für private und ehrenamtliche Denkmalpfleger, die etwa ihr Haus instand setzen wollen, keine echte Alternative. Da haben wir große Sorge, dass sich die westfälisch-lippische Denkmallandschaft total verändern könnte. Der Aufwand, ein denkmalgeschütztes Gebäude wieder herzurichten ist enorm, und wenn der nicht anerkannt wird, geht die Motivation verloren. Denkmalpflege ist identitätsstiftend und gerade für die Landschaft in Westfalen-Lippe sehr prägend, deshalb werden wir dieses Thema ganz genau im Auge behalten.

www.lwl.org


 

 


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