Detmold: Neu verliebt in alte Sorten

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Westfalen – Garten kann jeder. Selbst auf dem kleinsten Balkon ist Platz für ein Gemüsebeet im Miniaturformat. Das zumindest findet das LWL-Freilichtmuseum Detmold und fordert seine Besucher im Themenjahr 2014 zum Gärtnern auf. Unter dem Titel “Marsch, marsch ins Beet – Neu verliebt in alte Sorten” stellt das Museum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) die Vielfalt im Garten und auf dem Teller in den Mittelpunkt der Saison, die am 1. April beginnt. Damit möchte das LWL-Freilichtmuseum Lust machen, in der heimischen Grünoase selbst Hand anzulegen.

Die Gärten stehen im Mittelpunkt der Saison 2014, so wie der des Valepagenhofes im Paderborner Dorf. Foto: LWL/DBCO

Die Gärten stehen im Mittelpunkt der Saison 2014, so wie der des Valepagenhofes im Paderborner Dorf. Foto: LWL/DBCO

Die Oma hatte noch einen Gemüsegarten, die Eltern vielleicht auch, aber wie sieht das heute aus? Heutzutage ist der Garten oftmals mehr etwas für das Auge als für den Magen, das stellte auch LWL-Direktor Dr. Wolfgang Kirsch bei der Vorstellung des Themenjahrs in Detmold fest: “Lebensmittel sind für viele Menschen überall und fast rund um die Uhr verfügbar. Daher ist es für uns selbstverständlich geworden, uns auf das Angebot im Supermarkt zu verlassen”, erklärte Kirsch. Dabei könne jeder etwas zur Erhaltung der biologischen Vielfalt beitragen. “Die Ernährung der Welt hängt heute von nur 30 Pflanzenarten ab. Essbar sind aber 25.000 Pflanzenarten. Die Dominanz weniger Pflanzenarten hat Folgen. Wissenschaftler schätzen, dass in den vergangenen 100 Jahren bereits 75 Prozent der Kulturpflanzenvielfalt verloren gegangen sind”, so der LWL-Direktor.

Garten kann jeder, das demonstrierten LWL-Direktor Dr. Wolfgang Kirsch, Projektleiterin Agnes Sternschulte und Museumsdirektor Prof. Dr. Jan Carstensen (v. l.) bei der Vorstellung des Themenjahres "Marsch, marsch ins Beet - Neu verliebt in alte Sorten" im LWL-Freilichtmuseum Detmold. - Foto: LWL/Jähne

Garten kann jeder, das demonstrierten LWL-Direktor Dr. Wolfgang Kirsch, Projektleiterin Agnes Sternschulte und Museumsdirektor Prof. Dr. Jan Carstensen (v. l.) bei der Vorstellung des Themenjahres “Marsch, marsch ins Beet – Neu verliebt in alte Sorten” im LWL-Freilichtmuseum Detmold. – Foto: LWL/Jähne

Auch der Umgang mit Saatgut hat sich entscheidend verändert. Sogenannte Hybrid-Sorten machen eine Vermehrung des Saatguts unmöglich, sodass jedes Jahr neues Saatgut gekauft werden muss. Zudem eroberten Sorten, die vermeintlich ertragreicher, robuster gegen Krankheiten und Schädlingsbefall oder schmackhafter sind die Regale in den Märkten und verdrängten mehr und mehr die alten Sorten.

“Wir wollen die Gartenvielfalt präsentieren, alte Sorten zeigen, darauf aufmerksam machen, wie vielfältig Gemüse sein kann und unseren Besuchern Tipps an die Hand geben, mit denen sie zu Hause ganz einfach weiterarbeiten können”, erklärte die Projektleiterin und Landschaftsökologin Agnes Sternschulte. So wird in der Saison 2014 das gesamte Museumsgelände zur Ausstellungsfläche. “Unsere Gärten sind in diesem Jahr die Stars”, fasste es Museumsdirektor Prof. Dr. Jan Carstensen zusammen. “Mit der Landschaftsökologie stellen wir eine unserer Kernkompetenzen in den Mittelpunkt. Unsere historische Kulturlandschaft gehört untrennbar zur Darstellung des Lebensalltags früherer Generationen dazu.”

Höhepunkt der Ausstellung ist der mobile Garten “Paletti” im Paderborner Dorf des Museums. “Nach dem Vorbild von ähnlich angelegten provisorischen Gärten beispielsweise in Berlin zeigen wir dort, dass selbst in einer aufgeschnittenen Milchtüte oder einer ausrangierten Kiste Platz für Gemüse ist”, so Sternschulte. Umgeben von so viel Grün kann man sich zudem über eigene Erfahrungen mit dem grünen Daumen austauschen.

Ein Begleitprogramm bietet Mitmachmöglichkeiten für alle Altersgruppen, vom Gemüseeinkochen bis hin zum Schmieden von Pflanzstäben oder dem Bau von Samenbomben, sogenannten Seedballs. Die erdigen Kugeln, die verschiedene Samenmischungen enthalten, muss man nicht einpflanzen, man kann sie einfach fallen lassen oder sogar an eine passenden Stelle werfen. Wenn die Samenbomben feucht werden, fangen sie an zu keimen.

Jahresprogramm
Ganz neu im Veranstaltungskalender ist der “Freilichtgenuss” am Samstag und Sonntag, 6. und 7. September. Bei der Flaniermeile über das Museumsgelände stehen die Themen biologische Vielfalt, gesundes Essen und die Gärten im Mittelpunkt. “Unsere Besucher können ganz entspannt durch das Museum spazieren und haben verschiedene Stationen, an denen sie kosten, kaufen, mitmachen und Informationen sammeln können. Dazu haben wir eine Reihe von Ausstellern eingeladen, die beispielsweise ökologische Lebensmittel, aber auch Gartenschmuck anbieten”, so Carstensen. In den historischen Museumsküchen kann man sich zudem über Themen wie Vorratshaltung, Einmachen, Einlegen oder Dörren informieren. Außerdem können Pflanzenliebhaber ihre alten Schätze bei einer Tauschbörse gegen neue eintauschen.

Mit einer großen Tankstellenparty am Freitag, 25. Juli, kommt das LWL-Freilichtmuseum dem Wunsch vieler Besucher nach einer Fortsetzung der vier Eröffnungsfeiern 2013 mit Oldtimerschau und Live-Musik nach.

2014 bietet der LWL seinen Museumsbesuchern erneut die Gelegenheit, die LWL-Museen an eintrittsfreien Tagen kennenzulernen. Im LWL-Freilichtmuseum Detmold fallen diese in dieser Saison auf sogenannte Lostage, an denen im Garten traditionell gewerkelt, gesät oder gepflanzt werden sollte. “Die kalte Sophie beispielsweise, das Ende der Eisheiligen am 15. Mai, kennt sicherlich fast jeder”, so Carstensen.

Das Jahr 2014 steht im Zeichen der Erinnerung an den Ausbruch des Ersten Weltkriegs, so auch im LWL-Freilichtmuseum Detmold. Ab August zeigt eine Kabinettausstellung den “Ersten Weltkrieg in privaten Fotografien”.

Wie gewohnt bildet der Museumsadvent vom 5. bis 7. Dezember, der in diesem Jahr zum zehnten Mal stattfindet, den Abschluss der Veranstaltungen im Jahr 2014.

Hintergrundinformation: Modellprojekt “Vielfalt ländlicher Gärten”
Im Herbst 2014 endet ein dreijähriges Forschungsprojekt des LWL-Freilichtmuseums Detmold, in dem es darum geht, die Vielfalt in den Gärten der Region Westfalen zu erhalten. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) über die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) gefördert. Ein Ziel ist es, die noch vorhandenen alten Kulturpflanzenarten und -sorten zu bewahren. Bisher wurden bereits mehr als 30 alte Sorten gesammelt. Sie werden im LWL-Freilichtmuseum Detmold vermehrt und an Interessenten abgegeben.

Öffnungszeiten: 1. April bis 31. Oktober
Di – So und an allen Feiertagen: 9 bis 18 UhrLWL-Freilichtmuseum Detmold / Krummes Haus / 32760 Detmold
Telefon 05231 – 706104
www.lwl-freilichtmuseum-detmold.de


 

 


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Kommentare

  1. Werner B.Zielberg meint

    Ich bediene mich dieser Möglichkeit für eine Anfrage zu Ihrem Thema “Neu verliebt in alte Sorten”. Dabei meine ich “Gemüsesorten”.
    In Fernsehserien “Planet Wissen – Kohlsorten” wurde angepriesen : Eine Grünkohlsorte “Lippische Palme”.
    Bei Samenhersteller und Händler in der ganzen Republik ist über diese Sorte nichts zu ermitteln.
    Frage: Können Sie mir auf diesem Weg Auskunft über die Beschaffung geben.
    Für Ihr Bemühen bedanke ich mich im Voraus.
    Freundlichst
    Werner B. Zielberg, Uhlandstr.2-35582 Wetzlar -Tel. 0641-21776.
    eMail wie aus dieser Anfrage.
    Wz,23.o1.20016

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