Architekt setzt Künstler ein Denkmal

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Westfalen – Sie sind beklemmend, atemberaubend und von einer großen Meisterschaft: Die Gemälde, die der deutsch-jüdische Maler Felix Nussbaum unter dem Eindruck des Nationalsozialismus und des Holocaust geschaffen hat, gehören zu den bedeutendsten künstlerischen Zeugnissen seiner Zeit. Das Felix-Nussbaum-Haus, in der Geburtsstadt Osnabrück errichtet, setzt dem Künstler ein Denkmal und beherbergt mit 160 Arbeiten, die weltweit größte Sammlung von Arbeiten des Künstlers.

Felix Nussbaum: Selbstbildnis

Felix Nussbaum: Selbstbildnis

Felix Nussbaum ist einer der bedeutendsten Söhne der Stadt Osnabrück. Er wurde hier am 11. Dezember 1904 geboren. Schon früh wurde er als begabter Maler zu einem wichtigen Chronisten seiner Zeit und war als Vertreter der „Neuen Sachlichkeit“ europaweit geschätzt. Doch als Jude geriet er ins Visier der Nationalsozialisten, wurde verfolgt und am 2. August 1944 in Auschwitz-Birkenau von den nationalsozialistischen Verbrechern ermordet.

Seine Malerei aber macht Felix Nussbaum unsterblich, zumal sein Spätwerk die Angst vor der rassistischen Ideologie, die Verfolgung sowie die Judenvernichtung in eine metaphernreiche Bildsprache übersetzt. Kein Betroffener hat Verfolgung und Vernichtung der Juden in Europa künstlerisch so dokumentiert wie Nussbaum. Über 450 Bilder hat der Künstler in seinem Leben gemalt. Das Felix-Nussbaum-Haus besitzt die weltweit größte Sammlung und präsentiert in einer Dauerausstellung die eindrucksvollsten Arbeiten.

Die unübersehbare Architektur stammt von Daniel Libeskind, der in Berlin auch das Jüdische Museum entworfen hat. - Foto: Westdoerp/Osnabrück

Die unübersehbare Architektur stammt von Daniel Libeskind, der in Berlin auch das Jüdische Museum entworfen hat. – Foto: Westdoerp/Osnabrück

Der Neubau des Felix-Nussbaum-Hauses entstand 1998 nach den Plänen des international bekannten Architekten Daniel Libeskind, der ähnlich wie beim Neubau des Jüdischen Museums in Berlin eine Architektur geschaffen hat, die auf kongeniale Weise mit den Inhalten der Ausstellung korrespondiert. Seit März 1999 ist hier die vollständige Sammlung Felix Nussbaum zu sehen, gemäß seinem Wunsch: „Auch wenn ich untergehe, lasst meine Bilder nicht sterben, zeigt sie den Menschen.”

Das Gebäude vermittelt auf Schritt und Tritt die Atmosphäre allgegenwärtiger Unsicherheit. Die Architektur „trägt“ die Kunst, sie verstärkt Themen und Aussagen der Bilder Nussbaums. Nussbaum-Haus, Nussbaum-Gang und „Die Brücke” bieten dem Besucher nicht das gewohnte museale Umfeld zur Betrachtung von Bildern und Grafiken. Im Gegenteil: Leicht ansteigende oder abfallende Fußböden, nicht parallel verlaufende Wände, Fenster ohne rechten Winkel und teilweise transparente Geschossdecken sorgen für ständige Irritation.

Beklemmende Räume: Die Architektur löst unmittelbare Wirkungen aus. - Foto: Felix-Nussbaum-Haus/Osnabrück

Beklemmende Räume: Die Architektur löst unmittelbare Wirkungen aus. – Foto: Felix-Nussbaum-Haus/Osnabrück

Mit einem System von Bezugslinien zwischen Osnabrück, Berlin, Brüssel und Auschwitz symbolisiert die Architektur die ständige Bewegung und zunehmende Orientierungslosigkeit im Leben des Künstlers. Diese besondere Symbiose von Malerei und Architektur macht den Besuch des Felix-Nussbaum-Hauses zu einem außergewöhnlichen Erlebnis.

Im Mai 2011 konnte das Felix-Nussbaum-Haus mit einem ebenfalls von Daniel Libeskind entworfenen Anbau erweitert werden. (jb)

Öffnungszeiten: Di / Mi / Fr 11–18 Uhr; Do 11–20 Uhr; Sa / So 10–18 Uhr

Eintritt: Erwachsene 5,00 Euro; Ermäßigter Eintritt 3,00 Euro; Familienkarte 12,00 Euro; Gruppen (ab 12 Personen) p. P. 4,00 Euro

Felix-Nussbaum-Haus, Lotter Straße 2,  49078 Osnabrück
Telefon 05 41/3 23-22 07 (-22 37)
www.osnabrueck.de/fnh


 

 


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