Theresa Ungru ist die Frau mit Rückenwind. Schweine im Stall, Windräder auf den Feldern und eine klare Vorstellung davon, wie Landwirtschaft künftig funktionieren kann. Theresa Ungru aus Hörstel verbindet bäuerliche Tradition mit unternehmerischem Mut. Jetzt wurde sie in Berlin zur Landwirtin des Jahres 2026 gekürt. Eine Auszeichnung für eine Frau, die nicht nur ihren eigenen Hof voranbringt, sondern auch die Energiewende im Münsterland kräftig antreibt.

Theresa Ungru ist die Landwirtin des Jahres 2026 mit einem starken Engegement für Windkraft – Foto Bürgerwind
Theresa Ungru hat gleich zwei gute Gründe zum Feiern. Bei der „Nacht der Landwirtschaft“ in Berlin gewann die Unternehmerin aus Hörstel-Dreierwalde gerade erst den Ceres Award in der Kategorie Unternehmerin. Obendrein holte sie den Gesamtsieg und darf sich nun Landwirtin des Jahres 2026 nennen. Die höchste Auszeichnung der deutschen Landwirtschaft, verbunden mit 20.000 Euro Preisgeld. Erst zum dritten Mal ging der Titel an eine Frau.
„Ich kann es immer noch nicht fassen“, schrieb die Preisträgerin am Tag nach der Ehrung. Doch lange wollte sie sich nicht allein feiern lassen. „Dieser Moment gehört nicht mir allein. Er gehört meiner Familie, unserem Team auf dem Hof und allen, die beim echten Bürgerwind an einem Strang ziehen.“
Der Dank verrät einiges über Theresa Ungru. Für sie endet Landwirtschaft nicht am Hoftor. Sie denkt in größeren Zusammenhängen, verbindet Ackerbau und Tierhaltung mit erneuerbaren Energien und setzt auf die Menschen, die in ihrer Region leben. Ihr Hof ist dabei gewissermaßen die Keimzelle einer unternehmerischen Idee, die inzwischen weit über Dreierwalde hinausreicht.
Schweine und Sonnenstrom
Seit 2012 führt Theresa Ungru den Familienbetrieb. Auf rund 110 Hektar Ackerland wachsen Getreide und andere Futterpflanzen für knapp 2.000 Mastschweine. Etwa 70 Prozent des Futters stammen aus eigenem Anbau. Der Wirtschaftsdünger aus den Ställen wiederum versorgt die Felder mit Nährstoffen. Ein Kreislauf, der Transportwege verkürzt und den Betrieb unabhängiger von externen Lieferanten macht.
Seit 2015 nimmt der Hof an der Initiative Tierwohl teil. Die Schweine werden nach den Kriterien der Haltungsstufe 2 gehalten. Das bedeutet mehr Platz und zusätzliche Beschäftigungsmöglichkeiten gegenüber den gesetzlichen Mindestanforderungen, ist allerdings nicht mit besonders großzügigen Freilandhaltungen zu verwechseln.
Auch bei der Energieversorgung versucht Ungru, möglichst viel selbst in der Hand zu behalten. Auf den Dächern produzieren Photovoltaikanlagen mit 190 Kilowatt Spitzenleistung Strom. Batteriespeicher helfen, die Sonnenenergie dann zu nutzen, wenn sie gebraucht wird. Rund die Hälfte seines Strombedarfs deckt der Hof damit selbst. Eine Hackschnitzelheizung liefert Wärme aus Holz des eigenen, 22 Hektar großen Waldes.
Für Ungru ist das keine romantische Vorstellung vom autarken Bauernhof. Es ist eine wirtschaftliche Entscheidung. Landwirtschaft muss sich rechnen, gerade in Zeiten schwankender Preise, steigender Kosten und wachsender Anforderungen.
Wenn der Wind zum Geschäft wird
Der zweite große Geschäftszweig beginnt dort, wo andere Landwirte vielleicht nur ihre Felder sehen. Theresa Ungru ist Mitgeschäftsführerin der Bürgerwindparks Hörstel und Altenrheine. Zusammen betreiben sie 18 Windkraftanlagen mit einer Leistung von knapp 67 Megawatt. Sie erzeugen rechnerisch Strom für rund 30.000 Haushalte. Fast 1.000 Menschen sind finanziell beteiligt.
Ungru bezeichnet sich selbst als „Windbäuerin“. Beim WDR erklärte sie ihre Motivation: „Der Klimawandel ist real, und seine Auswirkungen erkennen wir in der Landwirtschaft jedes Jahr.“ Als Mutter zweier Kinder wolle sie später sagen können, dass sie etwas dagegen unternommen habe.
Doch die 39-Jährige denkt nicht nur ökologisch. Sie will verhindern, dass große Investoren mit Windparks Geld verdienen, während die Menschen vor Ort lediglich auf die Anlagen schauen. „Die Energiewende kommt sowieso. Wenn wir’s nicht machen, dann machen’s andere. Dann lass doch lieber uns selbst profitieren“, sagte sie dem WDR.
Das Modell funktioniert über Beteiligungen. Bürger bringen Kapital ein, können mitentscheiden und erhalten einen Anteil an den Erträgen. Die beiden Windparks tragen das Gold-Zertifikat des Vereins energieland2050, das besondere Anforderungen an regionale Wertschöpfung und Bürgerbeteiligung stellt.
Inzwischen reicht Ungrus Engagement weit über die beiden Windparks hinaus. Als Vorsitzende des Bürgerenergieverbunds Steinfurt vertritt sie elf Bürgerwindparks mit 84 Anlagen und rund 3.500 direkt beteiligten Menschen. Aus einer Idee ist ein beachtliches Netzwerk geworden.
Eine Unternehmerin mit ungewöhnlichem Lebenslauf
Der Weg dorthin verlief keineswegs geradlinig. Theresa Ungru studierte zunächst Mathematik und Geschichte in Münster, später Agrarwissenschaften in Bonn. Ein Studienaufenthalt führte sie nach Paris, ihren Master in Agrar- und Lebensmittelwirtschaft machte sie in Osnabrück.
Seit 2012 führt sie den elterlichen Hof. Parallel übernahm sie Verantwortung in der Windenergiebranche. Seit 2023 steht sie an der Spitze des Bürgerenergieverbunds Steinfurt. Nebenbei engagiert sie sich im Aufsichtsrat der Erzeugerring Westfalen eG.
Die Jury des Ceres Awards überzeugte vor allem diese Verbindung von klassischer Landwirtschaft, unternehmerischem Denken und regionaler Verantwortung. Theresa Ungru zeigt, dass ein Bauernhof heute mehr sein kann als ein Betrieb, der Lebensmittel produziert. Er kann auch zum Motor einer wirtschaftlichen Entwicklung werden, von der eine ganze Region profitiert.
Der Titel Landwirtin des Jahres ist deshalb mehr als eine persönliche Ehrung. Er würdigt ein Modell, das Landwirtschaft und Energiewende nicht gegeneinander ausspielt.
Theresa Ungru hat verstanden, dass die Zukunft auf dem Land nicht allein davon abhängt, was auf den Feldern wächst. Sondern auch davon, wem die Windräder gehören, die darüber hinausragen. JB















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