Verrückte Freiheiten: Achim Hennecke zeigt Fotografien im Kunstbalken Senden. Die Ausstellung „Verrückte Freiheiten“ bringt Bilder aus mehr als zehn Jahren in den Kunstbalken auf Gosselmanns Hof in Senden. Ein passender Ort für eine Ausstellung, die den Dingen gerne einen zweiten Blick gönnt.
Ein alter Stall aus dem Jahr 1952, Ziegelwände, mächtige Balken des alten Dachstuhls, dazwischen weiße Ausstellungsflächen. Schon der Kunstbalken selbst spielt mit Gegensätzen. Erst 2025 wurde die Kunst- und Kulturlocation auf Gosselmanns Hof eröffnet. Mehr als 300 Quadratmeter stehen Künstlern in den beiden oberen Etagen des aufwendig sanierten Gebäudes zur Verfügung.
Ab dem 30. August zieht dort die Freiheit ein. Oder besser: das, was Achim Hennecke darunter gefunden hat.
Der Fotograf aus Münster hat für „Verrückte Freiheiten“ Aufnahmen zusammengetragen, die über mehr als ein Jahrzehnt entstanden sind. Es sind keine plakativen Bilder über Demokratie oder Menschenrechte. Hennecke sucht sein Thema im Alltag. Er fotografiert Situationen, in denen Menschen Freiheit genießen, sie sich nehmen, freiwillig auf sie verzichten oder anderen Grenzen setzen.
„Wir reden gerne über Freiheit, als wäre ganz klar, was damit für alle gemeint ist“, sagt Hennecke. „Aber je genauer man hinsieht, desto widersprüchlicher und verrückter wird es.“
Genau dieser zweite Blick interessiert ihn. Seine Fotografien wollen keine Antworten illustrieren. Manche streifen das Thema nur, andere wirken zunächst beiläufig oder eigentümlich komisch. Erst beim Hinsehen beginnen die Bilder Fragen zu stellen. Welche Einschränkungen akzeptieren wir ohne Murren? Wo verteidigen wir plötzlich vehement unsere Freiheit? Und wie viel davon gestehen wir den anderen zu? Die Ausstellung beschreibt Freiheit entsprechend als subjektiv, flüchtig und immer wieder neu verhandelbar.
Kunstbalken: 45 Wörter machen einen „Schwall“
Das größte Stück der Ausstellung besteht nicht aus einem großen Foto, sondern aus 45 kleinen Beobachtungen. Für die mehr als fünf Meter breite und fast zweieinhalb Meter hohe Installation „Schwall“ hat Hennecke Wörter und Begriffe fotografiert, die ihm im öffentlichen Raum begegnet sind. Aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang gelöst, geraten die Wörter miteinander ins Gespräch. Der Betrachter kann sie verbinden, gegeneinander lesen, neue Bedeutungen ausprobieren. Mal landet man bei gesellschaftlichen Konflikten, mal ziemlich schnell bei sich selbst.
Hennecke veröffentlicht seine fotografischen Arbeiten unter dem Namen A HENCORNER. Seine Bilder leben weniger vom spektakulären Augenblick als von einem wachen Blick auf das scheinbar Nebensächliche. Ein Wort, eine Situation, eine merkwürdige Konstellation reicht mitunter aus. Die Wirklichkeit liefert genügend Material.
Dazu passt der Kunstbalken. Auch hier wurde das Alte nicht hinter glatten Wänden versteckt. Neue Dachbalken stehen neben dem historischen Dachstuhl, unverputzte Ziegel neben weißen Wänden. Kunst darf sich mit der Geschichte des Ortes reiben.
Und wer nach so viel Freiheit etwas Bodenhaftung braucht, steigt einfach wieder hinunter. Zum Gosselmanns Hof gehören Garten, Café und Biergarten. Sonntags gibt es dort Kaffee und selbst gebackenen Kuchen. JB
Verrückte Freiheiten: Fotografien von Achim Hennecke
Vom 30. August bis 27. September 2026
Geöffnet sonntags von 13 bis 18 Uhr, Eintritt frei.















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