Höxter – Der Grundstein für eine neue Standardtherapie bei der Reha-Behandlung von Schlaganfall-Patienten ist gelegt. „Wir werden die Ergebnisse unserer Studie in Kürze in allen wichtigen internationalen Medizin-Journalen publizieren und wir gehen davon aus, dass daraus bald eine allgemeine Standardtherapie wird“, erklärt Chefarzt Jan Brocke, Ärztlicher Direktor an der Asklepios-Weserberglandklinik in Höxter.

Die Beteiligten Jan Brocke, Sabrina Mansouri, Janis Zemke, Andreas Schwan, Rüdiger Pfeiffer und Projektleiter Professor Jürgen Freiwald freuen sich über den erfolgreichen Abschluss der Studie- Foto Burkhard Battran
Es ist eigentlich nur ein kleines Detail innerhalb einer bewährten Therapie, aber sie hat eine enorme Auswirkung auf die Behandlung. Seit über 20 Jahren wird in der Schlaganfall-Reha die Methode der Roboter-gestützten Gangtherapie angewandt. Es handelt sich dabei um ein Laufbandtraining mit partieller Körperentlastung. Der Patient wird in einem speziellen Hebegurt über dem Laufband gesichert. Dies entlastet die Gelenke und ermöglicht es auch Patienten mit starker Muskelschwäche, frühzeitig in einer aufrechten Position zu trainieren.
Heilungseffizienz um fast 50 Prozent gesteigert
Bislang stand das Laufband dabei in einer waagerechten Position. Die Studie der Weserberglandklinik hat nun erstmals wissenschaftlich nachgewiesen, dass die Heilungseffizienz um fast 50 Prozent gesteigert werden kann, wenn man das Laufband in eine zehnprozentige Bergab-Stellung verändert. Muskeln und Gelenke wechseln von der muskelverkürzenden konzentrischen Bewegung in eine muskelverlängernde exzentrische Bewegung. „Die unterschiedlichen Effekte von konzentrischen und exzentrischer Bewegung erforschen wir sonst intensiv in der Sportmedizin, hier ist die Fragestellung sehr erfolgreich auf die Reha-Medizin übertragen können“, erläutert der medizinische Projektleiter Jürgen Freiwald, Professor der Bergischen Universität in Wuppertal.
Die Idee und das Umsetzungskonzept haben die medizinischen Wissenschaftler Janis Zemke von der Philipps-Universität in Marburg und Andreas Schwan Regionaldirektor der Kölner Ludwig-Fresenius-Schulen, die bundesweit Physiotherapeuten ausbilden, entwickelt. Andreas Schwan ist ehemalige Leiter der Medischulen in der Weserberglandklinik. So kam die Studie nach Höxter.
Insgesamt 52 Patientinnen und Patienten waren für die Studie über den Zeitraum eines Jahres begleitet worden. Jeder Studienteilnehmende hat innerhalb von drei Wochen zwölf Übungseinheiten absolvieren müssen, die genau dokumentiert wurden. Eine Hälfte hat an dem abwärts geneigten Laufband trainiert, die andere als Vergleichsgruppe an einem waagerechten Setting. Im Vergleich zu statistischen Erhebungen mag das wenig sein. „,Für uns als einzelne Klinik war das ein enorm großer Aufwand, zumal die gesamte Datenerhebung an sehr strenge wissenschaftliche Kriterien geknüpft war“, fasst Klinik-Geschäftsführer Rüdiger Pfeifer zusammen.
Reha-Erfolg ohne neue Geräte und Personal deutlich steigern
Die Verantwortung der fachgerechten Durchführung lag vor allem bei Therapieleiterin Sabrina Mansouri und ihrem Team. Chefarzt Jan Brocke: „Die Reha-Kompetenz bei Schlaganfall ist bereits sehr hoch und steigt mit diesen Erkenntnissen noch weiter an.“ Finanziert wurde die Studie durch die Deutsche Rentenversicherung. Für sie hat sich das Engagement auf jeden Fall gelohnt, kann doch der Reha-Erfolg ohne neue Geräte und Personal deutlich gesteigert werden.
Etwa 1,23 Millionen Menschen leben in Deutschland mit einer Schlaganfall-Erkrankung. Jedes Jahr kommen rund 270.000 neue Fälle hinzu. Jedes Jahr sterben 60.000 bis 70.000 Personen an den Folgen eines Schlaganfalls. Die häufigste Ursache sind Durchblutungsstörungen, die zum sogenannten Ischämischen Schlaganfall führen. Er macht etwas über 80 Prozent aller Schlaganfälle aus. Die andere Ursache ist der hämorrhagische Schlaganfall, der durch eine Hirnblutung verursacht wird. Dabei platzt ein Blutgefäß, und Blut drückt auf das Hirngewebe.
So lässt sich einem Schlaganfall vorbeugen
Bluthochdruck ist der größte Risikofaktor beim Schlaganfall. Menschen mit dauerhaft hohem Blutdruck haben ein zwei- bis vierfach höheres Risiko für einen Schlaganfall. „Was den Blutdruck senkt, beugt auch dem Schlaganfall vor“, sagt Weserbergland-Chefarzt Jan Brocke. Wichtig seien viel Bewegung, fettarme Ernährung, keinesfalls rauchen und wenig Alkohol zu konsumieren. „Und natürlich ist es wichtig, seinen Blutdruck regelmäßig ärztlich kontrollieren zu lassen“, rät Chefarzt Brocke. Täglich spazieren gehen, Radfahren, Schwimmen oder leichtes Ausdauertraining von 30 Minuten am Tag tragen schon viel zu dabei, das Schlaganfall-Risiko zu senken.















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