“Landschaft” – neues Projekt der Meancult Gallery

“Landschaft” – neues Projekt der Meancult Gallery in Münster: Die Meancult Gallery präsentiert ihr neues Ausstellungsprojekt “Landschaft– einen vielschichtigen visuell-poetischen Dialog zwischen der ukrainischen und der deutschen Kultur”. Die Ausstellung mit Arbeiten von Joseph Beuys, Yana Bestrova, Serhii Bielik, Uwe Ehrngruber, Oleh Holosii (Leihgabe der Grynyov Art Collection) und Jürgen Kramer wird am 14. März um 18:00 Uhr eröffnet.

"Landschaft" - neues Projekt der Meancult Gallery

“Landschaft”, die zweite Ausstellung im Projektraum Münster wird in dieser Woche eröffnet – Foto Meancult Gallery 

Das Projekt versteht die Landschaft nicht als Genre, sondern als Erfahrungsraum von Erinnerung, Körperlichkeit und Zeit als existenzieller Struktur. Der Raum erscheint als Spiegel innerer menschlicher Zustände – Angst, Hoffnung, Verlust, Schweigen und Liebe.

„Das räumliche Konzept der Ausstellung basiert auf einem moosgrünen Farbton, der an natürliche Pigmente erinnert und es ermöglicht, die Landschaft als Träger historischer und individueller Erfahrung zu begreifen. Diese farbliche Atmosphäre erzeugt einen Zustand der Erdung und inneren Konzentration, in dem das Bild nicht konsumiert, sondern in einer Form der Ko-Präsenz erlebt wird.“ (Vitalii Adlermann, Kurator)

Eine zentrale Rolle im Projekt spielt die poetische Dimension, die als gleichwertiges Element der Ausstellung fungiert. Ukrainische künstlerische Positionen treten in Resonanz mit Texten der deutschen Romantik, während deutsche Werke durch ukrainische Poesie des 20. Jahrhunderts gerahmt werden. Auf diese Weise entsteht eine gegenseitige Lesart der Landschaft – als innerer Raum, als Ort metaphysischer Suche und zugleich als Zeugin historischer Erfahrung und ethischer Spannung.

Ein Blick auf die künstlerischen Praktiken zeigt, dass Natur und Landschaft beispielsweise im Werk von Joseph Beuys eine entscheidende Rolle spielen. Entsprechend seiner anthropologisch begründeten Landschaftskonzeption sollten die energetischen Systeme der Natur aktiv auf die Menschheit einwirken. Beuys entwickelte klassische Landschaftsmotive – etwa die bukolische Idylle oder den locus amoenus – zu einem „landschaftlichen Inventar“, das er in seinen Kanon der erweiterten Kunst integrierte. Der Künstler verwendete klassische Landschaftstopoi, anthropologisch verständliche Naturkonzepte sowie sozialwissenschaftliche, psychoanalytische und meteorologische Themen, um seine Vorstellung der Natur als energetische „Einflusssphäre“ zu formulieren, die auch in sozialen Prozessen wirksam werden soll.

Oleh Holosii erscheint als Künstler eines „inneren Stroms“: obsessive Gedanken, gesehene, beobachtete oder intuitiv angeeignete Bilder formen die besondere Struktur seiner Malerei. Zugleich war sein Werk von einem starken Gefühl der Einsamkeit und Kontemplation geprägt. In Holosii`s Arbeiten tauchen immer wieder existenzielle Fragen nach dem Sein, dem Sinn des Lebens und der Bestimmung der Kunst auf – Fragen, die in der Epoche der postmodernen Ironie oft als unzeitgemäß erschienen.

Viele seiner Landschaften zeichnen sich durch eine leichte Melancholie, Fantasie und die Schaffung elegischer Naturbilder aus. Die für diesen Werkzyklus typische „aquarellartige“ Malweise lässt die Malerei beinahe transparent erscheinen und verleiht selbst großformatigen Leinwänden ein Gefühl von Leichtigkeit. Der Künstler griff häufig auf archetypische Motive zurück – Wege, Wälder, einsame Inseln oder unendliche Fernen. Für ihn wurden sie zum Ausdruck zutiefst persönlicher Suchbewegungen und existenzieller Erfahrungen.

Jede der in der Ausstellung vertretenen künstlerischen Positionen bietet eine eigene Perspektive auf die Landschaft als Raum innerer Erfahrung.

In diesem Projekt erscheint die Landschaft als Schwellenraum – zwischen Anwesenheit und Verschwinden, zwischen Körper und Geist, zwischen individueller Wahrnehmung und kollektivem Gedächtnis.

Selbst in Zeiten technischen Fortschritts, von Kriegen und allgemeiner Erschöpfung lebt der Mensch weiterhin poetisch – das heißt tragisch, ironisch und sinnlich – und damit entgegen der Logik von Nutzen und Produktivität. (Kateryna Ray)

Meancult Gallery Projektraum – eine ukrainisch-deutsche Kultureinrichtung für zeitgenössische Kunst in Nordrhein-Westfalen. Er versteht sich als Ort des künstlerischen Dialogs im Bereich der zeitgenössischen bildenden Kunst sowie als Forum für die Reflexion sozialpolitischer Transformationsprozesse und die Pflege kultureller Beziehungen.

Die Projekte und Veranstaltungen des Ausstellungsraums widmen sich universellen Werten wie Einheit, Verständigung und kultureller Zusammenarbeit. Ziel des Meancult Gallery Projektraum ist es, die Entwicklung der ukrainischen und deutschen Kunst zu fördern, die strategische Kooperation im Kulturbereich zu vertiefen und das öffentliche Bewusstsein für aktuelle Entwicklungen in beiden Ländern zu stärken.

 

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