Geschichte zukunftsfit: 40 Jahre WasserEisenLand

„WasserEisenLand – Industriekultur in Südwestfalen e.V.“ feiert in diesem Jahr sein 40-jähriges Bestehen und geht mit Schwung daran, die nächsten vier Jahrzehnte in Angriff zu nehmen. Seit 1985 fördert der Verein die regionale Industriekultur mit ihren einzigartigen Technikdenkmälern im Märkischen Kreis und fungiert als Dachmarke der technischen Kulturdenkmäler. In einem rückblickenden Textbeitrag erinnert der Verein an die in vier Jahrzehnten geleistete industriekulturelle Heimatarbeit.

Der "WasserEisenLand - Industriekultur in Südwestfalen e.V.“ feiert in diesem Jahr sein 40-jähriges Bestehen. Seit 1985 fördert der Verein die regionale Industriekultur mit ihren einzigartigen Technikdenkmälern - Collage WasserEisenLand e.V.

Der “WasserEisenLand – Industriekultur in Südwestfalen e.V.“ feiert in diesem Jahr sein 40-jähriges Bestehen. Seit 1985 fördert der Verein die regionale Industriekultur mit ihren einzigartigen Technikdenkmälern – Collage WasserEisenLand e.V.

Auslöser der Vereinsgründung war 1985 eine negative Berichterstattung über den Märkischen Kreis in einer renommierten überregionalen deutschen Tageszeitung. Dort war von „dunklen Tälern“ und „ergrauten Fabrikfassaden“ zu lesen. Der Altenaer Kreistagsabgeordnete und Drahtfabrikant Arnold Rump fühlte sich provoziert und fasste den Entschluss, seine Heimat mit ihren einzigartigen Technikdenkmälern, der schönen Landschaft und ihrer lebendigen Industriekultur in ein positiveres Licht zu rücken.

Märkische Straße Technischer Kulturdenkmäler

Mit Gleichgesinnten entwickelte er einen Tourismusführer mit Übersichtskarte zu den technischen Denkmälern Südwestfalens: Die „Märkische Straße Technischer Kulturdenkmäler“, auch „Märkische Museumsstraße“ genannt. Ziel war es, dem heimischen Raum ein Gesicht zu geben und das industriekulturelle Erbe der Region zu bewahren. Auch in den folgenden Jahren blieb Arnold Rump die treibende Kraft der Arbeitsgruppe, aus der sich später WasserEisenLand entwickelte. Engagierte Märker machten das möglich. Für sie war auch hilfreich, dass mit Heinz Störing, der Leiter des Kreiskulturamtes zu den „märkischen Urvätern“ zählte.

Blick ins Deutsches Drahtmuseum Altena, einer der Ankerpunkte im reichhaltigen Spektrum des WasserEisenLand e.V. - Foto Heinz-Dieter Wurm

Blick ins Deutsches Drahtmuseum in Altena. Es gehört zu den sechs industriegeschichtlichen Einrichtungen, die die WasserEisenLand-Mitglieder 2004 als Standorte mit touristisch und kulturell großem Potential definierten – Foto Heinz-Dieter Wurm

Zudem war für den späteren Verein WasserEisenLand die Südwestfälische Industrie- und Handelskammer zu Hagen (SIHK) ein wichtiger Impulsgeber. Am 26. August 1996 wurde unter ihrer Federführung im Wasserschloss Werdringen ein Förderverein gegründet: Die „Märkische Straße Technischer Kulturdenkmäler e.V.“ – mit 17 Gründungsmitgliedern aus Wirtschaft, Kultur sowie Verwaltung. Heinz Störing wurde 1. Vorsitzender, Paul Bäbler-Behling, Obermeister der märkischen Stuckateurinnung und der Iserlohner Architekt Ernst Dossmann, über 30 Jahre lang Kreisheimatpfleger, waren seine Stellvertreter. Gründungsmitglied Dr. Wolfgang Willmann, damaliger Geschäftsführer der Südwestfälischen Handelskammer zu Hagen, erinnert sich: „Wir waren eine sehr tüchtige Truppe. Die Bewahrung des industriekulturellen Erbes unserer Heimat war uns allen eine Herzensangelegenheit. Das hat man gespürt.“ Damalige Aufgabe des Vereines war es, die zahlreichen, teilweise unbekannten Baudenkmäler, kleinen Eisenhämmer, Mühlen und Schmiedehütten im Märkischen Kreis überhaupt zu erfassen, zu beschreiben und mögliche Restaurierungen der Denkmäler zu überprüfen.

Industriegeschichte und Tourismus

Schnell erkannten die Verantwortlichen auch das große touristische Potential der industriekulturellen Denkmäler im Märkischen Kreis und Südwestfalen. Dazu trug auch der damalige Geschäftsführer des Freizeit- und Touristikverbandes, Michael Krause, bei. Es galt, die Technikdenkmäler touristisch zu erschließen und zu vermarkten: zum Beispiel mit Image-Flyern und Faltblättern. Außerdem gab es eine erste kostenlose Standortkarte mit Fotos und Beschreibungen von rund 200 technischen Denkmälern. Im Jahr 2000 realisierte der Verein einen eigenen Internetauftritt. Zeitgleich bereitete auch der Regionalverband Ruhr (RVR) ein Großprojekt vor – mit ähnlichen Zielsetzungen: Die Route der Industriekultur, die 1999 gegründet wurde. Von Beginn an war klar, dass sich die beiden Technikrouten gegenseitig ergänzen und sie gemeinsame Ziele verfolgen: Liegen doch die Wurzeln der Ruhrgebietsindustrie in der märkischen Region. Die zunächst lockere Zusammenarbeit mündete im Jahr 2000 in einer offiziellen Kooperationsvereinbarung.

Wenn in der Luisenhütte in Balve die Saison eröffnet wird, gibt es immer viel Industriehistorisches zu sehen, zum Beispiel eine Giessvorführung - Foto Stephan Sensen

Wenn in der Luisenhütte in Balve die Saison eröffnet wird, gibt es immer viel Industriehistorisches zu sehen, zum Beispiel eine Giessvorführung – Foto Stephan Sensen

Da sich die Handlungsschwerpunkte immer stärker auf touristische Erschließung und öffentlichkeitswirksame Vermarktung fokussierten, wurde einer neuer Vereinsname zum Thema. Auf der Mitgliederversammlung 2004 wurde „WasserEisenLand e.V.“ mit der Unterzeile „Märkische Industriekultur“ beschlossen. Neuer Vorsitzender des Vereins wurde der Hagener Unternehmer Dietmar Millhoff. Mit dem Führungswechsel des Vereins definierten die Mitglieder sechs industriegeschichtliche Standorte mit touristisch und kulturell großem Potential: Alle befinden sich im Märkischen Kreis: drei von ihnen, die Luisenhütte Balve Wocklum, das Deutsche Drahtmuseum und die Museen der Burg Altena sind in Trägerschaft des Märkischen Kreises. Hinzu kommen der Bremecker Hammer, das Stadtmuseum Lüdenscheid und die Historische Fabrikanlage Maste-Barendorf in Iserlohn. Diese „Ankerpunkte“ wurden nun mit marketing- und tourismusorientierten Maßnahmen in der breiten Öffentlichkeit bekannt gemacht.

Ein Netzwerk für ganz Südwestfalen

Nach dem Vorstandswechsel 2006 folgten in den kommenden Jahren weitere Marketingaktivitäten. Gründungsmitglied Marlis Gorki erinnert sich: „Mit neuen Übersichtskarten, Broschüren und dem Buch ‚Das WasserEisenLand – Technikerlebnisse vom Ruhrgebiert bis Sauerland‘, waren wir mit einem Infostand auf NRW-Tagen und bei der Landesgartenschau 2010 in Hemer unterwegs. Das hat viel Spaß gemacht.“ Eine weitere „Baustelle“: die Beschilderung der technischen Kulturdenkmäler im Märkischen Kreis und darüber hinaus. Ab 2010 sorgte der Verein für eine eindeutige und einheitliche Beschilderung zu den industriekulturellen Highlights der Region.

Technikerlebnisse in Südwestfalen übersichtlich auf Papier gedruckt, das bietet die Übersichtskarte des WasserEisenLand e.V. zur Industriekultur - Foto WasserEisenLand e.V.

Technikerlebnisse in Südwestfalen übersichtlich auf Papier gedruckt, das bietet die Übersichtskarte des WasserEisenLand e.V. zur Industriekultur – Foto WasserEisenLand e.V.

2008 wurde Stephan Sensen, Leiter der Museen des Märkischen Kreises und langjähriger Mitstreiter im Verein, zum Ersten Vorsitzenden gewählt. Unter seiner Führung folgte ein Meilenstein für den Verein: Die Teilnahme an der REGIONALE 2013 mit dem „Netzwerkprojekt WasserEisenLand – Industriekultur in Südwestfalen“ und dem Unterprojekt „Eisenstraße Südwestfalen“. Damit öffnete sich der Verein als überregionales, industriekulturelles Netzwerk für die gesamte Region Südwestfalen. Das ist noch heute so.

Zeitgleich wurde die Zusammenarbeit mit den anderen Kommunen in Südwestfalen intensiviert: Die am Routenverlauf der Eisenstraße ansässigen Kommunen Hochsauerlandkreis, Kreis Olpe, Kreis Soest, Hagen, Ennepe-Ruhr-Kreis und Kreis Siegen-Wittgenstein wurden Mitglied der Arbeitsgruppe Eisenstraße Südwestfalen und später von WasserEisenLand. Es folgten die Herausgabe von Übersichtskarten mit industriekulturellen Ausflugszielen im Sauer- und Siegerland sowie zahlreiche Reiseführer, eine Wanderausstellung sowie die Etablierung des Festivalverbundes FERROMONE.

Starker Partner: Route Industriekultur

2018 schloss WasserEisenLand einen weiteren Kooperationsvertrag mit der „Route Industriekultur“ des benachbarten Ruhrgebiets. Das war ein deutliches Signal, dass sich Südwestfalen und die Metropole Ruhr auch zukünftig gemeinsam vermarkten. Um dem Arbeitsauftrag gerecht zu werden, wurde in Kooperation mit dem Märkischen Kreis 2020 eine Geschäftsstelle in Altena eingerichtet. Gefördert von der EU realisierten die Regionen das kulturtouristische Projekt StahlZeitReisen. Dazu gehörte unter anderem der Internetauftritt www.stahlzeitreisen.de.

Das Ruhrgebiet und Südwestfalen arbeiten beim Thema öffentlichkeitswirksame Industriekultur zusammen. Darauf weist anlässlich 40 Jahre WasserEisenLand die Hompage des südwestfälischen Vereins und zeigt auch ein Bild anlässlich der Kooperationsvereinbarung - Foto WasserEisenLand e.V.

Das Ruhrgebiet und Südwestfalen arbeiten beim Thema öffentlichkeitswirksame Industriekultur zusammen. Darauf weist anlässlich 40 Jahre WasserEisenLand die Hompage des südwestfälischen Vereins und zeigt auch ein Bild anlässlich der Kooperationsvereinbarung – Foto WasserEisenLand e.V.

Ein Generationswechsel stand im November 2023 bei der Vorstandsarbeit an. Der Leiter des Sauerland-Museums Arnsberg, Dr. Oliver Schmidt, wurde zum Nachfolger von Stephan Sensen gewählt. Das deutlich jüngere Vorstandsteam macht sich daran, das weite geschichtliche Spektrum von WasserEisenLand zukunftsfähig zu gestalten. Im neuen Vorstand ist neben dem Arnsberger Museumschef weitere Expertise aus Südwestfalen vertreten. Zum Beispiel die stellvertretenden Vorsitzenden: Friederica Ihling, Leiterin des Sauerländer Besucherbergwerks Ramsbeck und Jeanette Metz, Leiterin der Westfälischen Salzwelten in Bad Sassendorf. „Wir treten in große Fußstapfen, die ihren Anfang im Märkischen Kreis haben. Industriekultur war, ist und bleibt ein entscheidender touristischer Faktor in Südwestfalen und darüber hinaus“, fasst Dr. Oliver Schmidt die 40 Jahre Vereinsgeschichte zusammen. „Und deshalb sind wir mit Herzblut dabei, die heimische Industriekultur zu unterstützen und für unsere Kinder zu bewahren.“

Spektakuläre Feuershows in historischen Gemäuern, Klassik im Museum, Rockmusik in ehemaligen Eisenhütten: Die Veranstaltungsreihe FERROMONE feiert die Industriekultur in Südwestfalen auf unterschiedliche Weise. Hier eine Szene der Veranstaltung "Luise heizt ein" - Foto Stephan Sensen

Spektakuläre Feuershows in historischen Gemäuern, Klassik im Museum, Rockmusik in ehemaligen Eisenhütten: Die Veranstaltungsreihe FERROMONE feiert die Industriekultur in Südwestfalen auf unterschiedliche Weise. Hier eine Szene der Veranstaltung  „Luise heizt ein“ – Foto Stephan Sensen

Speak Your Mind

*