Heimat neu sehen und denken

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Experiment HEIMAT – das gewohnte Lebensumfeld mit anderen Augen sehen und denken will ein groß angelegtes neues Literatur- und Fotografie-Projekt des Westfälischen Literaturbüros Unna (WLB). Und bekommt dabei großzügige Unterstützung von der NRW-Landesregierung: Am 27. Juli übergab Ina Scharrenbach, NRW-Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung, im Nicolaihaus Unna, dem Sitz des WLB, einen Förderbescheid über knapp eine Million Euro für das WLB-Projekt. „Ich freue mich, dass wir mit der Förderung dieses umfangreichen und zeitgemäßen Kulturprojekts das Thema Heimat weiter in den Fokus rücken und aus einer neuen und künstlerischen Perspektive betrachten können“, so die Ministerin. „Denn gerade heute ist die Frage, was Heimat für die Menschen bedeutet, hochaktuell. Nicht nur für jene, die schon lange hier leben, sondern auch für jene, die bei uns eine neue Heimat suchen. Wenn ich nach Unna komme, ist das zudem immer ein Stück Heimat für mich und deswegen ist es für mich eine besondere Freude, hier zu sein.“

Heimat neu

Fast eine Million Euro vom Land NRW für das „Experiment HEIMAT“ des Westfälischen Literaturbüros (WLB): Mitte Juli übergab NRW-Heimatministerin Ina Scharrenbach (2.v.l.) in Unna den Förderbescheid an den WLB-Vorstandsvorsitzenden Wolfram Kuschke (4.v.l.). Mit dabei: Die Landtagsabgeordneten Susanne Schneider (l.) und Hartmut Ganzke (3.v.l.), WLB-Leiter Heiner Remmert (5.v.l.) und Projektmitarbeiterin Corinna Glück (r.) – Foto Westfalium

Für das beim WLB entwickelte interdisziplinäre Kulturprojekt reisen im Frühjahr 2021 neun renommierte internationale Autorinnen und Autoren (Helene Bukowski, Safiye Can, Nora Gomringer, Lütfiye Güzel, Sabrina Janesch, Wladimir Kaminer, Sharon Dodua Otoo, Raoul Schrott und Najem Wali) und neun Fotograf*innen (Peter Bialobrzeski, Alem Kolbus, Ute und Werner Mahler, Loredana Nemes, Christina Stohn, Ritesh Uttamchandani, Jörg Brüggemann und Nikita Teryoshin) nach Westfalen. Ihre mehrtägigen Recherche- und Begegnungsaufenthalte führen sie an ausgewählte Heimat-Orte: das Bermudadreieck in Bochum, Hermannsdenkmal und Teutoburger Wald bei Detmold, die Fußballstadt Dortmund und die Widukind-Stadt Enger, die ehemaligen Arbeits- und heutigen Freizeitorte Henrichshütte Hattingen und Schiffshebewerk Henrichenburg, die historischen Stätten Wilzenberg im Sauerland und Kolvenburg im Kreis Coesfeld sowie den Genuss- und Kulturort Lindenbrauerei in Unna.

In Begegnungen und im Austausch mit den dort lebenden Menschen sowie Heimatvereinen, Migrantengruppen und anderen gesellschaftlichen Gruppierungen erforschen sie in einem offen experimentellen Prozess die Bedeutung, die diese dem jeweiligen Ort zuschreiben. Zentral wird dabei stets die Frage sein, inwieweit sich der künstlerische Blick von außen mit der Eigenwahrnehmung der in Westfalen lebenden Menschen von „ihrer“ Heimat deckt.

Während der Rechercheaufenthalte ist ein vielseitiges Veranstaltungsprogramm von Lesungen über Diskussionsforen bis hin zu Schreib- und Fotoworkshops sowie eine journalistische und wissenschaftliche Begleitung geplant. Im Anschluss setzen die Autoren ihre Erfahrungen künstlerisch um. So entstehen literarische Texte und Fotoserien zu den Orten, die in einem hochwertigen Text-Foto-Band veröffentlicht und in einer multimedialen Wanderausstellung präsentiert werden, die 2022 an alle beteiligten Orte zurückkehrt. Auftakt für das Projekt ist im April 2021 in Unna.

Wolfram Kuschke, Landesminister im Ruhestand und Vorstandsvorsitzender des WLB, dankte Ina Scharrenbach für das Vertrauen, das in der großzügigen Förderung zum Ausdruck komme und umriss noch einmal die wesentlichen Ziele des Vorhabens: „Wir möchten mit dem Projekt einen Beitrag dazu leisten, dass Menschen sich mit ihrer Heimat auseinandersetzen, ins Gespräch kommen und sich annähern, um die Geschichte des Gegenübers besser verstehen können und neue Blickwinkel auf scheinbar Altbekanntes zu entwickeln.“ Auch der Leiter des Büros, Heiner Remmert, zeigte sich hocherfreut: „Nachdem das Heimat-Ministerium im September 2019 grünes Licht für die Planungsphase des Projekts gegeben hat, haben wir auf Hochtouren und mit viel Begeisterung das Konzept weiterentwickelt und viele gute Partner gefunden. Jetzt freuen wir uns, dass sich diese Arbeit gelohnt hat und das Experiment HEIMAT bald starten kann.“

Bei Experiment HEIMAT kooperiert das WLB mit Bochum Marketing, dem Literaturbüro OWL, der Stadt Dortmund, der Stadt Enger, den LWL-Museen Henrichshütte und Henrichenburg, dem Kreis Coesfeld, der Stadt Schmallenberg und der Kreisstadt Unna sowie zahlreichen weiteren Vereinen, Einrichtungen und Initiativen in Westfalen. Das WLB entwickelte Experiment HEIMAT konzeptionell, ist federführender Hauptveranstalter und Organisator, Herausgeber des Text-Foto-Bands und betreut die Ausstellung. Das Projekt wird vom Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes NRW mit einer Gesamtsumme von einer Million Euro gefördert.

Das Westfälische Literaturbüro in Unna e. V. (WLB) ist eine Einrichtung der Literatur- und Autorenförderung. 1984 als zweites von mittlerweile fünf Literaturbüros in NRW gegründet, nahm es 1985 seine Arbeit auf. Mitglieder des Vereins sind Autoren, Freunde und Förderer der Literatur, Büchereien, Kulturämter oder andere literarische Institutionen. Das WLB hat die Federführung für das Netzwerkprojekt „literaturland westfalen“ inne und ist gemeinsam mit dem Bereich Kultur der Kreisstadt Unna Hauptveranstalter der Biennale Mord am Hellweg, Europas größtes internationales Krimifestival. Es betreibt die umfangreiche Literaturdatenbank NRW, bietet zudem die Ferienakademie NRW für den literarischen Nachwuchs sowie Fortbildungen und Lesereihen an.

Westfälisches Literaturbüro in Unna e.V., Nicolaistraße 3, 59423 Unna, Öffnungszeiten Mo-Do 9:30-16:30 Uhr, Fr 9:30-13:00 Uhr, Tel. 02303/963850, www.wlb.de

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