Grabbe und Freiligrath in Detmold

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Grabbe und Freiligrath: Aus der alten lippischen Residenzstadt Detmold stammen gleich zwei bedeutende westfälische Schriftsteller. Der Dramatiker Christian Dietrich Grabbe (1801–1836) war neben Georg Büchner der bedeutendste Erneuerer des deutschsprachigen Dramas seiner Zeit. Er war beeinflusst von Shakespeare und dem „Sturm und Drang“. In seinen ambitionierten Dramen, die mit ihren Massenszenen und schnellen Szenenwechseln die damalige Theater- und Bühnentechnik überforderten, löste er die strenge Form des klassischen Dramas in eine Folge locker verbundener Szenen auf und wurde zum Wegbereiter des Realismus auf der Bühne. In seinen Stücken entwarf er eine desillusionierende bis pessimistische Weltsicht mit teilweise schrillen Szenen.

Grabbe

Das Grabbe-Geburtshaus in Detmold
– Foto Wolfgang Noltenhans, Grabbe Gesellschaft Detmold

Grabbe ging mit seiner Heimatstadt zunächst hart ins Gericht: Er fühlte sich nach seinem gescheiterten Versuch, in Leipzig als Schauspieler zu arbeiten, zu „langjährigem Detmold“ verurteilt. Dennoch kehrte er auch nach Aufenthalten in Frankfurt am Main und Düsseldorf 1836 wieder zurück in die lippische Residenzstadt. Stark angeschlagen und deswegen von der Bevölkerung verhöhnt, überarbeitete er sein Drama „Die Hermannsschlacht“. Darin finden sich durchaus versöhnliche Worte über seine Heimat.

Grabbe, Christian Dietrich

Christian Dietrich Grabbe nach einer Zeichnung von Joseph Wilhelm Pero – Foto Wikimedia Commons, Scan von Michael Schönitzer

Nach seinem Tod zunächst vergessen, wurde Grabbes Werk in Teilen erst von den Dramatikern des Naturalismus und Expressionismus wiederentdeckt. Verehrung fand er als nationaler Dichter unter dem Nationalsozialismus, wobei die von ihm überlieferten antisemitischen Aussagen, vereinzelte judenfeindliche Passagen in seinen Stücken (vor allem Aschenbrödel) und die nationale Tendenz seiner Stoffe (insbesondere Die Hermannsschlacht) zu ideologischen Anknüpfungspunkten wurden. Vor allem in den 1930er Jahren wurden mehrere Straßen nach Grabbe benannt.

Ferdinand Freiligrath

Ferdinand Freiligrath, gemalt von Johann Peter Hasenclever – Foto Wikipedia

Ein weiterer populärer Detmolder ist Ferdinand Freiligrath (1810–1876). Freiligrath wurde als ältestes Kind des Lehrers Johann Wilhelm Freiligrath und von Anna Luise Wilhelmine, geb. Tops in der Wehmstraße 5 in Detmold geboren. Von 1820 bis 1825 besuchte er das Detmolder Gymnasium. Besonders seine Lehrer Christian Friedrich Falkmann und der Direktor Christian Gottlieb Clostermeier förderten seine dichterischen Versuche.Im 19. Jahrhundert war er einer der bekanntesten westfälischen Dichter. Nach der Schule ging er nach Soest, um eine Kaufmannslehre zu machen – in dieser Zeit wurden seine ersten Werke veröffentlicht. 1832 trat er eine neue Stelle in Amsterdam an und lebte danach an wechselnden Orten im Rheinland, in der Schweiz, in Thüringen, in London und in Schwaben. Gestorben ist er in einem Wirtshaus in Bad Cannstatt.

Grabbe und Freiligrath

Auf den Spuren von Grabbe und Freiligrath in Detmold – eine der Literatouren in der Westfalium-Sommerausgabe 2013

Schlagartig bekannt wurde Freiligrath 1838 mit seiner ersten Sammlung „Gedichte“. Im Jahr 1840 veröffentlichte er mit Levin Schücking das westfälische Reisebuch „Das malerische und romantische Westphalen“. Das Buch sollte die vorherrschende Meinung über die karge westfälische Landschaft sowie das Negativbild über ihre Poeten beseitigen. Es war der Anfang einer populistischen, nostalgisch verklärten Westfalenromantik.

Zu den Orten in Detmold, die an die beiden Schriftsteller erinnern, führt eine der fünf Literatouren im Spezial der Westfalium-Sommerausgabe 2013. Das Heft ist noch verfügbar – jetzt online im Westfalium-shop bestellen

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