Stephan Hann im Textilmuseum Bocholt: Anfassen erwünscht

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Bocholt –  Baumwolle, Seide, Polyester – daraus besteht unsere Kleidung. Aber auch aus bunten Plastiktüten, Zeitungen, Sektkorken und CDs lässt sich tragbare Kleidung fertigen. Das zeigen die Arbeiten des Berliner Designers Stephan Hann in der aktuellen Sonderausstellung „Fashion Material“ in der Spinnerei des Museums TextilWerk Bocholt. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) lädt am Sonntag (25.8.) ab 14 Uhr Kinder und Erwachsene dazu ein, diesen Modekunstwerken ganz nah zu kommen.

Stephan Hann

Ausstellung im Arbeiten von Stphann Hann im LWL Industriemuseum TextilWerk in Bocholt – Foto Sven Betz

Mit der Nähe zu den niederländischen Häfen und dem feuchten Klima war das Münsterland ein idealer Standort für Baumwollwebereien, zumal die Flachs- und Leinenweberei in der Region tradtionell stark verbreitet war. Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden in der ländlich geprägten Region hunderte von Textilfabriken – oft waren die Firmengründer Bauernsöhne, die von Höfen stammten, auf denen die Leinenweberei als Nebenerwerb betrieben wurde. Einen Großteil ihrer Produktion lieferte die münsterländische Textilindustrie in das naheliegende Ruhrgebiet. In den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts ist ein Großteil dieser Textilunternehmen verschwunden – die kostengünstigere Konkurrenz aus dem Ausland und der Druck großer Produzenten machte den meisten mittelständisch geprägten familiengeführten Textilfabriken im Münsterland den Garaus. Das LWL-Textilmuseum zeichnet diese Geschichte an seinen beiden Standorten in Bocholt eindrucksvoll nach und produziert auf historischen Webstühlen sogar wieder – beispielsweise Grubentücher aus Baumwolle, die früher an die Zechen im Ruhrgebiet verkauft wurden.

Unter dem Motto „Schauen, Staunen, Spüren“ gehen Kinder, Eltern und Großeltern nicht nur in der aktuellen Ausstellung von Stephan Hann, sondern auch in der Dauerausstellung auf Entdeckungstour des LWL-Textilmuseums und spüren den ungewöhnlichen Materialien nach. An einer lebensgroßen Modepuppe können schließlich alle selbst ausprobieren, wie sich aus vermeintlichem „Müll“ modische Looks entwerfen lassen. Anfassen ist dabei ausdrücklich erwünscht.

Das Programm dauert rund eine Stunde. Die Teilnahme ist kostenlos. Zu zahlen ist lediglich der Museumseintritt: Erwachsene 4 Euro, für Kinder und Jugendliche ist der Eintritt frei.

www.lwl-industriemuseum.de

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