Kiepenkerl-Blog: Gut gemeint ist nicht gut gemacht!

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Heute hat man oft das Gefühl, als seien die alten Tugenden aus der Zeit gefallen. Doch Wertschätzung, Vertrauen, Zuverlässigkeit, Loyalität, Ehrlichkeit oder die vorurteilsfreie Suche nach der richtigen Entscheidung kommen nie aus der Mode. Voraussetzung ist jedoch, dass mit offenem Visier um den Kompromiss gerungen wird.

Bloße Meinungen sind keine solide Basis für Entscheidungen. Relevantes Meinen muss auf der Basis von belastbaren Fakten erworben sein. Sonst werden Meinen und Hoffen von der Realität abgestraft. Informationsfrei Argumente oder angebliche Erfahrungen, die sich nicht auf der Basis von kritischen Diskussionen gefestigt haben, führen langfristig in die Sackgasse. Der Volksmund ist da eindeutig: „Gut gemeint ist nicht gut gemacht.“

Wird positives Wissen mit Vorurteilen bekämpft, dann führt das allenfalls zu Pyrrhussiegen. Vorurteile können schwimmen! Bei autoritärer Führung gehen sie auch durch positive Erfahrungen von Mitstreitern nicht unter – sie werden von Diktatoren schlichtweg ausgeblendet. Positive wie negative Erfahrungen, aus denen man gelernt hat, sind wie eine Laterne, die den Weg ausleuchtet. Doch viele Führungskräfte tappen lieber im Dunkeln – ignorieren ist angesagt. Entscheidend für den Misserfolg ist häufig, was nicht geschieht.

Die Lösung komplexer Fragen zwingt zu straffer Organisation. Ohne Teamarbeit sind gesetzte Ziele in der Regel nicht zu erreichen. Entscheidend für den Erfolg ist die Auswahl der Akteure nach ihren menschlichen und fachlichen Kompetenzen. Zeitnahe interne und externe Kommunikation bereiten im Team dank Internet dann keine Probleme. Die hierarchische Einflussnahme in der Umsetzungsphase sollte sich aufs Controlling beschränken. Dazu zählen die Einhaltung der zeitlichen Vorgaben und der sinnvolle Einsatz von Ressourcen. Spätere Korrekturen an den Zielen kosten Zeit und Geld.

Entscheider müssen Prioritäten setzen, um zeitnah zu tragfähigen Ergebnissen zu gelangen. Entscheidend ist die richtige Reihenfolge der einzelnen Schritte, um den Gesamterfolg nicht zu gefährden. So sollte ein Spezifikationskauf nicht nach dem Motto getätigt werden: „Den Anzug nehme ich mit, die Maße bringe ich gelegentlich vorbei.“ Auch ein Richter würde mit seiner Rechtsprechung scheitern, wenn er die Verfahren nach dem Motto abkürzt: „Das Urteil schreibe ich schon mal, mit den Fakten beschäftige ich mich später.“ Diese Beispiele führen zum Suizid auf hohem Niveau.

In der Politik gehen die Uhren anders. Eine Partei kann sagen „Lieber nicht regieren, als schlecht regieren“, wenn sie keine Partner findet, mit denen die gesteckten Ziele umsetzbar sind. Für eine Krankenpflegerin heißt: „Lieber nicht pflegen, als schlecht pflegen“, dass sie sich für Hartz IV entscheidet. Spitzenpolitiker sitzen Entscheidungen häufig in der Hoffnung aus, dass sich alles zum Guten wendet.

Für verantwortungsvolle Führungskräfte gelten diese Alternativstrategien nicht – sie müssen ihren Job machen. Dazu sollten sie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ggf. unter externer Moderation in die Entscheidungsfindung einbinden, um konkrete Wege und Ziele festzulegen. Das Einbinden von Erfahrungen aus dem eigenen Unternehmen ist allemal besser, als sich auf externe Berater zu verlassen, die die spartenspezifischen Probleme nicht kennen und Patentrezepte und Beraterstunden verkaufen wollen.

Anders als in den USA darf es für deutsche Führungskräfte und Politiker keine alternativen Wahrheiten geben!

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