Kiepenkerl-Blog: Sylt heiter betrachtet

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Foto: Pixabay

Keitum

Unter einem Reetdach in Keitum habe ich einige der Texte fürs fröhliche Wörterbuch des Tomus-Verlags geschrieben. Der Reiseführer ist eine Fundgrube für Insulaner und alle, die von Sylt magisch angezogen werden.

Der Walfang brachte Wohlstand in den damaligen Hauptort der Insel. Davon zeugen zahlreiche reetgedeckte Kapitänshäuser und die Grabdenkmäler ehemaliger Kapitäne und Steuermänner.

Aufkleber mit Sylt-Silhouette

Der Autoaufkleber ist dem Känguru nachempfunden und dem Urlauber gewidmet, der nach großen Sprüngen auf der Top-Ferieninsel mit leerem Beutel nach Hause kommt.

Bikini

Das ökonomische Prinzip des knappen zweiteiligen Badeanzugs besteht darin, ein bestimmtes Ergebnis (zum Beispiel hohe Zuschauerzahlen) mit geringstem Aufwand zu erzielen. Steigerungen sind möglich, denn noch weniger wäre mehr.

Ellenbogen

Die unter Naturschutz stehende nördlichste Landzunge ist erholungssuchenden Führungskräften gewidmet, denen zu Unrecht Ellenbogen-Mentalität nachgesagt wird. Tatsächlich handelt es sich bei den dort anzutreffenden Urlaubern nicht um Ellenbogen-Menschen, sondern um Leute, die ihre Ärmel bei der Arbeit bis zum Ellenbogen hochkrempeln.

Gastronomie

Der Restaurantführer „Gault&Millau” kürte das Duo Johannes King und Jan-Philipp Berner vom „Söl’ring Hof“ 2018 zum „Koch des Jahres“. Gemeinsam entwickelten sie eine authentische norddeutsche Küche, die ganz auf die Qualität hochwertiger und vergessener regionale Produkte setzt. Der Restaurantführer lobt vor allem die höchste Kreativität und die bestmögliche Zubereitung.

Auch sonst ist die Gastronomie auf Sylt einsame Spitze. Kein Wunder, denn in den Orten wimmelt es nur so von Millionären, die dort luxuriöse Feriendomizile besitzen. Die Rechnung im Top-Lokal macht das Essen zur Erlebnisgastronomie.

Sparfüchse sollten die Sternerestaurants meiden:

Söl’ring Hof, Rantum – 2 Michelin-Sterne

Restaurant Fährhaus, Sylt-Ost – 1 Michelin-Stern

Bodendorf’s, Tinnum – 1 Michelin-Stern

Spices, List – 1 Michelin-Stern

JM, Westerland – 1 Michelin-Stern

KAI3, Hörnum – 1 Michelin-Stern

Nachdem einige Sterneköche den Michelin-Löffel abgegeben haben und auf die Sterne verzichteten, gibt es nur noch Gourmet-Restaurants in Rantum, Tinnum und Hörnum. Doch Kenner wissen, dass die früheren Sternerestaurants mit neuem Konzept weiterhin exzellente Speisen anbieten. Schließlich haben die Stars am Herd das Kochen nicht verlernt.

Hindenburgdamm

Die 11 km lange Eisenbahnverbindung zwischen Sylt und dem Festland wurde 1927 eröffnet und nach Reichspräsident Paul von Hindenburg benannt. Bürgerinitiativen fordern die Umbenennung des Damms, denn von Hindenburg wird wegen seiner zögerlichen Haltung als Wegbereiter von Adolf Hitler gesehen.

Beim Hindenburgplatz in Münster war die Umbenennungsinitiative auf Anhieb erfolgreich. Mit „Schlossplatz“ präsentierte man eine überzeugende Alternative. Das hat bei einem neuen Namen für den Bismarckhering bisher nicht geklappt, obwohl von Bismarck 1815 das Machtmonopol der Katholiken in Münster bei der Eingliederung ins Königreich Preußen brach. Im Brennpunkt des „Kulturkampfes“ stand die Besetzung von Spitzenpositionen in der öffentlichen Verwaltung mit protestantischen Beamten aus Preußen.

Pollyphylla fullo

Zwei gewöhnungsbedürftige Worte für den auf Sylt lebenden räuberischen „Dünensandmaikäfer“. Begegnungen mit dem Kerbtier aus der Familie der „Blatthornkäfer“ sind für Menschen unbedenklich. Der braune Käfer mit weißem Fleckenmuster wird auch „Türkischer Maikäfer“ genannt.

Im Zuge der Flüchtlingswelle warnen Migrationsgegner: Erst hatten die Türken die Türkentaube, jetzt haben sie auch noch einen eigenen Maikäfer eingeschleppt. Doch der „Türkenmaikäfer“ ist Teil der Schöpfung und sollte nicht mit Füßen getreten werden. Schließlich könnten einem noch andere (süße) Käfer über den Weg laufen, denen nur Verheiratete aus dem Weg gehen sollten.

Whiskystraße

Die teuerste Meile Deutschlands, die Neu- und Altreichenavenue, liegt zwischen Kamphüs und Sturmhaube. Hier schlürfen VIPs Austern und Whisky. Es gehört zur Normalität, dass es keine Normalität gibt. Wer allerdings nur wegen des Whiskys nach Sylt kommt, ist reifer für die Insel, als er wahrhaben will.

Zwickel

Mit einem Runderlass wollte der Innenminister des Kabinetts von Kurt von Schleicher die zunehmende Freikörperkultur auf Sylt unterbinden: „Frauen dürfen nur dann öffentlich baden, falls sie einen Badeanzug tragen, der Brust und Leib an der Vorderseite des Körpers vollständig bedeckt und unter den Armen fest anliegt sowie mit angeschnittenen Beinen und einem Zwickel versehen ist. Der Rückenausschnitt darf nicht über das Ende der Schulterblätter hinausgehen.

Männer dürfen öffentlich baden, falls sie wenigstens eine Badehose tragen, die mit angeschnittenen Beinen und einem Zwickel versehen ist. In sogenannten Familienbädern haben Männer einen Badeanzug zu tragen.“

Urteil aus heutiger Sicht: Eine ziemlich verzwick(el)te Angelegenheit!“


 

 


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