Klasse statt Masse im Naturpark Sauerland Rothaargebirge

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Foto: Klaus-Peter Kappest

„Klasse statt Masse“, das hat sich der Verein Naturpark Sauerland Rothaargebirge auf seine Fahne geschrieben. Klasse ist vorhanden. Der am 29. April 2015 aus den drei Naturparks Homert, Ebbegebirge und Rothaargebirge gegründete Park hat mit pfiffigen Ideen bereits den Landeswettbewerb „Naturpark.2018. Nordrhein-Westfalen“ gewonnen. Auf Masse muss er dennoch nicht verzichten. Mit 3.827 Quadratkilometern Fläche ist er der zweitgrößte in Deutschland.

Auch die Ansprüche sind groß. „Der Naturpark soll eine Modellregion für nachhaltige Entwicklung sein“, sagt Detlef Lins, Geschäftsführer des Naturparks Sauerland Rothaargebirge. Der 52-Jährige entwickelt mit seinem Team, mit zahlreichen Partnern, den Kreisen, Städten, Institutionen und der Öffentlichkeit zwischen Halver und Winterberg, Menden und Burbach Ideen und Projekte. Sie alle sollen dem Naturschutz, der Regionalförderung, der Umweltbildung und der Erholung dienen. Natur und Heimat – zwischen diesen Polen bewegen sich Detlef Lins und sein Team.

Foto: Kerstin Berens

Und warum muss man dazu aus drei eins machen? „Alle drei Naturparks kamen nicht über die Mängelverwaltung hinaus. Kein Personal, keine Mittel – aber 400 Anlagen, vom Wanderparkplatz über Wege bis zu anderen Einrichtungen. Das war auf Dauer kein Zustand“, resümiert Detlef Lins. Heute arbeitet der neue Naturpark Sauerland Rothaargebirge mit sieben Vollzeitkräften, darunter vier Regionalmanager. Bernd Strotkemper (Märkischer Kreis), Mona Mause (Kreis Olpe), Christoph Hester (Hochsauerlandkreis) und Christina Ermert (Kreis Siegen-Wittgenstein) sind die Gesichter des Naturparks in ihrer Region.

Die vier Kreise, 41 Städte und Gemeinden sowie Mitglieder vom Sauerländischen Gebirgsverein über den Waldbauernverband bis zu den Kreisjägerschaften oder den Tourismusverbänden stehen hinter ihrem Naturpark.

Detlef Lins hat ein schönes Beispiel für das gewachsene Engagement parat. „Vor der Fusion zahlte der Märkische Kreis jährlich 28.000 Euro für den Naturpark. Jetzt sind es 133.000 jährlich.“ Mit dem Geld aus den anderen Kreisen und der Förderung durch das Land Nordrhein-Westfalen lässt sich arbeiten. „Inzwischen steht uns eine Million Euro zur Verfügung.“

Der Weg dahin war allerdings steinig. Bewusst wurde zum Neustart eine Bewertung des Verbandes Deutscher Naturparke im Rahmen der Qualitätsoffensive Naturparke beantragt, um die geplanten Verbesserungen in der Zukunft „messbar“ zu machen. „Auf Basis der Leistungen aller drei Vorgängernaturparke erreichten wir gerade 95 von 500 möglichen Punkten. 250 waren nötig, um das Siegel Qualitätspark führen zu dürfen.“ Also machte sich das Team an die Arbeit. Detlef Lins und sein Team bereisten alle 400 Anlagen. Die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen. Etwa 180 blieben übrig. Ein radikaler Schnitt, der mancherorts auch für Unmut sorgte. „Jetzt kommen die Sauerländer und machen alles platt“, habe es im Siegerland geheißen. Aber: „Vieles war einfach verfallen, lag räumlich nicht mehr zeitgemäß und bildete so schlicht eine Anti-Werbung für die Region, die sich ja weiter nach außen öffnen will.“

Foto: Klaus-Peter Kappest

Die nachbarschaftlichen Ressentiments sind wohl über- wunden. Nicht nur, weil die „Schatztruhen“ der Naturparks in Hemer, Meinerzhagen, Bad Berleburg, Burbach, Lennestadt-Kirchhundem und Medebach strategisch geschickt über die Region verteilt sind. Sie stellen als Besucherinformationszentren die Natur- parkarbeit vor und weisen mit regionalen Schwerpunkten in Bereichen wie Umweltbildung oder Naturerkundung auf die Besonderheiten der Region hin. In den Schatztruhen werden die sogenannten Juwelen der Regionen präsentiert. Lieblingsorte und Ausflugsziele, die der Naturpark in einer breit ange- legten crossmedialen Kampagne ermittelt hat. Auf die Resonanz ist Detlef Lins noch heute stolz. Immerhin trudelten 1.103 Vorschläge ein – über Facebook, Instagram und Co., per E-Mail oder als klassische Briefpost. Eine wichtige Erkenntnis dabei auch: Der Naturpark Sauerland Rothaargebirge interessiert offenbar alle Alters- und Bevölkerungsgruppen. „Dieses Starterprojekt hat uns weit nach vorn gebracht“, urteilt der Geschäftsführer.

Das liefert Schwung für andere Projekte. Sie reichen von der Präsentation heimischer Direktvermarkter über die Pfle- ge der Bergheiden im Rothaargebirge und die Erhaltung der Hangmoore im Ebbe bis zu den Naturparkschulen und -Kindergärten. Das „Klassenzimmer in der Natur“ ist Detlef Lins ein besonderes Anliegen. „Wissen über die Tier- und Pflanzenwelt geht immer mehr verloren“, sagt er. Das möchte der Naturpark Sauerland Rothaargebirge ändern und bietet interessierten Einrichtungen seine Unterstützung an.

So lässt sich der Naturpark mit Leben füllen. Kein leichtes Unterfangen. Es gibt auch Menschen, die mit dem Begriff wenig anfangen können. Die 3.827 Quadratkilometer Fläche sind eben kein in sich geschlossener Freizeitpark. Vielmehr läuft hier ein spannender Prozess, der die Region mit ihren Aussichtstürmen, Burgen und Schlössern, Museen, Denkmälern, Höhlen und Seen fördern und weiter nach vorn bringen soll.

Naturpark Sauerland Rothaargebirge, Johannes-Hummel-Weg 2,
57392 Schmallenberg, Tel. 02974/9691838, www.naturpark-sauerland- rothaargebirge.de


 

 


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