Vatikanexperte spricht über seine Erfahrungen

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Senden – Seine Bücher sind Bestseller, seine Auftritte und Lesungen meist schnell ausverkauft. Andreas Englisch ist ein echter Zuschauermagnet. Gerade erst besuchte er das Münsterland, um in der Steverhalle in Senden ganz hautnah von seinen Erfahrungen im Vatikan berichtete.

Pfarrer Klemens Schneider begrüßt Andreas Englisch zur Lesung in der Steverhalle – Fotos: Sven Janßen

Seit 1987 beschäftigt sich Andreas Englisch mit dem Vatikan. Er ist einer der profiliertesten Botschafter des Vatikans, gerade weil er zu erzählen weiß, wie es hinter den Mauern des Kirchenstaates in Rom wirklich zugeht. Wir haben unsere beiden Leserkorrespondenten, Doris und Sven Janßen, zur Veranstaltung mit Andreas Englisch geschickt. Hier ihr begeisterter Bericht:

Andreas Englisch berichtet von seinen Erfahrungen im Vatikan

Bereits 20 Minuten vor Beginn der Veranstaltung waren nahezu alle Plätze besetzt. Steverhalle war komplett ausverkauft. Obwohl leicht erkältet und etwas schlecht zu Fuß, weil er sich bei einem Skiunfall passenderweise das „Kreuzband“ gerissen hatte, war es ihm wichtig, diesen Termin wahrzunhemen, nachdem es bereits eine Verschiebung gegeben hat. Um dem Ansturm Herr zu werden, signierte Englisch bereits vor dem Vortrag Bücher.

Großes Interesse: Die Steverhalle ist bis auf den letzten Platz ausverkauft

Pfarrer Schneider von der St. Laurentiusgemeinde Senden begrüßte die Gäste und stellte Andreas Englisch kurz vor. Die nächsten gut 90 Minuten vergingen wie im Flug. Andreas Englisch ist seit Jahrzehnten so nah am Vatikan und an den Päpsten wie kein anderer. Er spricht daher nicht distanziert über Lehrmeinungen, Entwicklungen und Strömungen in der katholischen Kirche, sondern schildert mit vielen kleinen Anekdoten seine persönlichen Erlebnisse. Die sind allerdings spannender als jeder Krimi und dabei sehr unterhaltsam.

Die Nachfrage ist große: Andreas Englisch signiert seine Bücher

Andreas Englisch nimmt kein Blatt vor den Mund. Er berichtet unverblümt vom Prunk und Protz, in dem die Kardinäle im Vatikan leben, und wie Papst Franziskus 2013 als erste Amtshandlung die gepanzerte Dienstlimousine verkaufen liess, sich weigerte, in die etwa 1400 Räume umfassende Papstwohnung im apostolischen Palast einzuziehen. Seitdem wohnt er auf 20 Quadratmetern im Gästehaus der Vatikanstadt. Dieses Gästehaus war für die Unterbringung kirchlicher Besucher und der Kardinale während der Konklave gebaut worden.

Englisch berichtet darüber wie Franziskus den üppigen Speiseplan in der Mensa zusammenstrich, jegliches persönliches Personal ablehnte und sich über nahezu jedes seit Jahrhunderten detailliert vorgegebene Protokoll hinwegsetzt.

Andreas Englisch spricht auch offen über Feindseligkeiten, ja über den Hass, den Papst Franziskus damit auf sich zieht. Aber auch darüber, wie er die persönliche Nähe zu den Menschen sucht und mit welcher Energie er sich für alle einsetzt, um die es ihm besonders geht: um die, die in Not sind und Hilfe brauchen.

Andreas Englisch ist als Journalist auf der einen Seite neutraler Beobachter, inzwischen aber auch zum Botschafter geworden. Als er durch Zufall in den Job als „Vatikanexperte“ rutschte, konnte er weder italienisch sprechen, noch wusste er etwas über den Papst, die Kirche im allgemeinen und und katholische Kirche im besonderen. Heute sagt er, dass insbesondere die Zeit mit Johannes Paul II in ihm den Glauben an Gott geweckt habe.

Sein spirituellstes Erlebnis hatte er beim Weltjugendtag in Rio 2013. Zitat: „Was die katholische Kirche wirklich nicht hinbekommt, ist Weltjugentage zu organisieren. Das geht eigentlich immer schief.“ So musste die Vigilfeier verlegt werden, weil der Veranstaltungsort viel zu weit draußen lag und außerdem durch Starkregen unter Wasser stand. Der einzige Ort in Rio, der eine solche Menge an Menschen noch aufnehmen konnte, war der Strand der Copacabana. Und dorthin pilgerten dann mehr als drei Millionen Jugendliche, übernachteten am Strand und feierten am nächsten Morgen die Abschlussmesse mit Papst Franziskus.

Am Ende des Vortrages gibt Andreas Englisch den Zuhörern noch eine Botschaft mit auf den Weg, die nicht nur Papst Franziskus, sondern auch ihm persönlich am Herzen liegt. In einer Zeit, in der in Paris, Nizza, Berlin und anderen Orten unschuldige Menschen zu Tode kommen, sollten alle Christen sich auf ihre Gemeinsamkeiten konzentrieren, und nicht auf das, was sie trennt.

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