Die rauhen Nächte in Attendorn

Attendorn – Nachtwächterführungen durch „die rauhen Nächte“ gibt es am Montag, 29. Dezember, und Dienstag, 30. Dezember. Treffpunkt ist um 19:00 Uhr auf dem „Alter Markt“.

Die rauhen Nächte (Rauhnächte) sind die 12 magischen Nächte zwischen Weihnachten (24./25. Dez.) und dem Dreikönigstag (6. Jan.), eine „Zwischen den Jahren“-Zeit mit Wurzeln in vorchristlichen Traditionen, die als Schwellenzeit zwischen Anderswelt und Diesseits galt. Sie sind eine Zeit für Rituale, Orakel und Manifestationen, um Altes loszulassen und Neues zu begrüßen, oft durch Räuchern, Wünsche aufschreiben und Traumtagebuch führen, um sich von negativen Energien zu reinigen und das kommende Jahr zu gestalten.

Der Attendorner Nachtwächter Dieter Auert entführt alle Interessierten bei seinen Rauhnacht-Führungen auf eine Reise in die Vergangenheit. Die Teilnehmer erleben die Hansestadt im Laternenschein und erfahren Dönekes und Geschichtliches. Um Punkt 19:00 Uhr wird der Turmbläser Christoph Hilleke die Zeit anblasen. Kurze Zeit später beginnt die Nachtwächterführung.

Die rauhen Nächte

Alte Geschichten erzählt der Attendorner Nachtwächter bei seinen Führungen durch die “rauhen Nächte” – Foto/Auschnitt Andrea Volmert

Am Montag sind die Valberter Jäger, die Jagdhornbläser und Attendorner Symbolfiguren wie Tobias Schrottke und Rafael Dattoli mit von der Partie. Am Dienstag wird das Programm etwas abgeändert. Dann wird ein kurzer Rundgang durch die Ausstellung „100 Jahre Erlöserkirche“ im Südsauerlandmuseum in die Führung integriert.

An beiden Tagen sind vor allem auch Kinder herzlich willkommen. Sie dürfen Laternen mitbringen und den Nachtwächter beim Ausleuchten des Weges unterstützen. Eine vorherige Anmeldung ist nicht notwendig. Die Führungen sind kostenlos.

Ttendorn liegt an dem Schnittpunkt zweier Fernverkehrsstraßen, der Heidenstraße und der so genannten „Königsstraße“. In der Zeit Karls des Großen entstand dort eine Urpfarrei. 1072 stiftete der Erzbischof Anno von Köln das Kloster Grafschaft und stattete es u. a. mit Rechten an einem Hof in Attendorn aus. Die Stiftungsurkunde des Klosters Grafschaft stellt die erste urkundliche Erwähnung von Attendorn dar.

Schaurige Geschichten und die rauhen Nächte

Im Jahre 1222 wurden unter dem Kölner Erzbischof Engelbert II. von Berg der Stadt durch Verleihung des Soester Rechts die Stadtrechte zugesprochen. Die um 1200 errichtete Burg Schnellenberg und der Erwerb der Waldenburg im Jahre 1248 dienten der Sicherung der Interessen des Erzbistums Köln in der Region.

Attendorn verdankt seine Bedeutung neben den neun Zünften hauptsächlich den Woll- und Leinewebern. Weiterhin brachte die politische und kirchliche Stellung der Stadt als Grenzfeste des zum Erzbistum Köln gehörenden Herzogtums Westfalen gegen die Grafschaft Mark und als Sitz einer Dekanate im alten Erzbistum Köln Reichtum und Wohlstand in die Stadt. Um 1200 war Attendorn bereits erzbischöfliche Münzstätte. Mittelalterliche Münzen aus Attendorn lassen sich von Brüssel bis Lubnice in Polen und zur Insel Gotland nachweisen. Münzzeichen der Stadt Attendorn war ein Halbmond.[6]

Vom Anfang des 14. Jahrhunderts bis in die heutige Zeit bestand ein Hospital mit Kirche und Friedhof vor den Mauern der Stadt. 1420 stiftete Heinrich Weke das Kloster Ewig. 1429 schloss er ein Armenhospital an. Zeitweilig war die Stadt so wohlhabend, dass sie selbst dem Kölner Erzbischof Kredite gewähren konnte. Darüber hinaus erhielt er Unterstützung während seiner Auseinandersetzung mit der Stadt Soest. 1444–1445 half die Stadt in der sogenannten Soester Fehde bei der Eroberung der Burg und des Landes Bilstein.

1464, 1597, 1598 und 1613 kam viermal die Pest über die Stadt. 1613, 1623, 1656, 1710, 1732, 1742 und 1783 wüteten Großfeuer in der Stadt. 1656 wurde dabei die halbe Stadt vernichtet. Auch litt die Stadt unter Kriegen, Schatzungen und Einquartierungen. Beispielsweise im Limburger Erbfolge-Krieg 1280, in der Soester Fehde 1444–1449, bei den Truchsessischen Wirren 1583–1584 und im Dreißigjährigen Krieg 1618–1648. Erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts hatte die Stadt sich von diesen Schicksalsschlägen erholt.

Tourist-Information Attendorn. www.attendorn.de

PS: Einen aktuelleren Artikel zu Attendorn gibt es hier

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