Blick hinter die Museumskulissen

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Westfalen – Häufig verhindern Bauzäune einen tieferen Einblick. Oder es spielen sich spannende Dinge hinter verschlossenen Museumstüren ab. Der Tag des offenen Denkmals am 14. September öffnet Bereiche für Streifzüge in die Vergangenheit, die sonst den Augen der Besucher verborgen bleibt. An mehreren Orten lädt der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) Neugierige an diesem Sonntag ein, auf historische Entdeckungstour zu gehen.

Die Falkenburg ist eine der beeindruckendsten Burgen in Westfalen und heißt die Besucher am Tag des offenen Denkmals willkommen. Foto: LWL

Die Falkenburg ist eine der beeindruckendsten Burgen in Westfalen und heißt die Besucher am Tag des offenen Denkmals willkommen. Foto: LWL

Tief in die römische Vergangenheit dringt an diesem Tag das LWL-Römermuseum in Haltern am See vor. Statt sonst gut geschützt hinter Vitrinenscheiben, entfaltet sich das Alltagsleben der römischen Soldaten hier unter freiem Himmel. Brustpanzer und Kettenhemden werden angelegt, die Zelte der Legionäre auf der Museumswiese aufgeschlagen und die Handwerker zeigen, wie Waffen geschmiedet und welche Werkzeuge dabei benutzt wurden. Katapulte schleudern Geschosse, Nüsse rollen über römische Spielfelder und Wein und Oliven verwöhnen wie schon vor über 2.000 Jahren den Gaumen. Zusätzlich bietet Dr. Bettina Tremmel von der LWL-Archäologie für Westfalen zwischen 10 und 17 Uhr Führungen auf der Ausgrabung im geplanten Römerpark an. Die Römertage beginnen schon am Samstag von 10 bis 19 Uhr und werden über den Tag des offenen Denkmals am Sonntag von 10 bis 18 Uhr fortgesetzt.

Die Sonderausstellung "Das weiße Gold der Kelten" zeigt im LWL-Museum für Archäologie in Herne, wie die Kelten im ältesten noch im Betrieb befindlichen Salzbergwerk der Welt den wertvollen Rohstoff abbauten. Foto: LWL/Arendt

Die Sonderausstellung “Das weiße Gold der Kelten” zeigt im LWL-Museum für Archäologie in Herne, wie die Kelten im ältesten noch im Betrieb befindlichen Salzbergwerk der Welt den wertvollen Rohstoff abbauten. Foto: LWL/Arendt

Archäologie wartet beim Tag des offenen Denkmals auf der Falkenburg bei Detmold auf die Besucher. Der Stammsitz der Edelherren zu Lippe hat eine lange und bewegte Geschichte, die bis in das 12. Jahrhundert hineinreicht. Seit 2005 untersuchen die LWL-Archäologen eine der größten Dynastenburgen Westfalens und betreuen eine der größten Burguntersuchungen Europas. Auch in diesem Jahr sind die Bauzäune geöffnet und geben bei Führungen Einblick in die derzeit untersuchte mehrphasige Bebauung der Vorburg. Hier gilt es, Mauern und Keller, schräge Treppen und Brunnen sowie bislang unbekannte Gebäude im Zwinger zu entdecken. Die Führungen werden in Zusammenarbeit mit dem Falkenburgverein nach Bedarf von 10 bis 16 Uhr angeboten.

Nicht nur römische Geschosse warten bei den Römertagen im LWL-Römermuseum in Haltern am See auf originalgetreue Benutzung. Foto: LWL/Burgemeister

Nicht nur römische Geschosse warten bei den Römertagen im LWL-Römermuseum in Haltern am See auf originalgetreue Benutzung. Foto: LWL/Burgemeister

Um “geheime Orte” dreht sich alles im Museum in der Kaiserpfalz in Paderborn. Ab 15 Uhr bekommen Besucher die Gelegenheit zu einem Blick hinter die Kulissen. Türen, die sonst verschloEdelherren zu Lippe,ssen bleiben, öffnen sich in das Magazin des Museums oder auch in den Keller der Kaiserpfalz. Hier präsentiert sich der Museumsalltag mit einem ganz anderen Blickwinkel. Der Eintritt ist frei.

Die LWL-Archäologen in Paderborn untersuchen aktuell das Gelände des ehemaligen Landeshospitals. Hier verbergen sich die Spuren der ersten Siedler aus den ersten Jahrhunderten n. Chr. im Boden. Die Forscher zeigen den Teilnehmern der Führungen, die um 11 und um 14 Uhr angeboten werden, wie sich die westliche Außensiedlung der Burg Karls des Großen in der Erde erkennen lässt und welche Überreste von der im 12. Jahrhundert geplanten mittelalterlichen Stadt erhalten sind. Im Anschluss an die etwa 30 Minuten dauernde Führung werden ausgewählte Funde der Ausgrabung gezeigt. Der Eingang zur Ausgrabung ist an der Straße Kisau.

Die Holsterburg bei Warburg ist eine einzigartige Burganlage - die einzige mit oktogonalem Grundriss in Westfalen. Foto: LWL/Burgemeister

Die Holsterburg bei Warburg ist eine einzigartige Burganlage – die einzige mit oktogonalem Grundriss in Westfalen. Foto: LWL/Burgemeister

Als ihre wahre Struktur entdeckt wurde, war die Burganlage in der Nähe von Warburg eine echte Sensation nicht nur für die Fachwelt. Denn die Holsterburg ist die nördlichste achteckige Burg im deutschsprachigen Raum und mit ihren architektonischen Besonderheiten einzigartig. Seit 2014 gehen die Fachleute der LWL-Archäologie für Westfalen ihrem Aufbau auf den Grund. Fundamente und Räume geben Aufschluss darüber, wie die Anlage im 13. Jahrhundert genau aussah. In der neuen Grabungssaison sind die LWL-Archäologen insbesondere dem Standort des Bergfrieds auf der Spur. Führungen um 11 und 14 Uhr zeigen, was bislang entdeckt wurde.

Die Kelten sind aktuell zu Gast im LWL-Museum für Archäologie in Herne. Es gibt dort mit spektakulären Funden aus dem Salzbergwerk in Hallstatt einen Einblick in eine untertägige Welt. Um 16 Uhr nimmt eine Führung durch die Sonderausstellung “Das weiße Gold der Kelten” die Besucher mit auf eine Entdeckungsreise in tiefe Salzschächte, in uralte Abbautechniken, in eine längst vergessene Kultur. Sie präsentiert die Zeugnisse großen Reichtums und bitterer Armut, erzählt von Kinderarbeit und harten Lebensbedingungen, von Naturkatastrophen und schier grenzenlosem Luxus.

Alle Geschichtsinteressierten können sich bereits um 14 Uhr auf historische Entdeckungstour begeben, wenn die Führung “gesucht.gefunden.ausgegraben” Funde aus der westfälischen Geschichte in der Dauerausstellung in den Fokus nimmt. Um 15 Uhr öffnet das Grabungscamp mit seiner Mitmachausstellung auf dem Außengelände des Museums und lädt große wie kleinere Besucher dazu ein, sich selbst als Archäologen zu versuchen.

Termine
Tag des offenen Denkmals, 14.09.2014
• Haltern:
o Römertage im LWL-Römermuseum Haltern, Samstag von 10 bis 19 Uhr, Sonntag von 10 bis 18 Uhr
o Führungen über die Ausgrabungen im Römerpark, Dr. Bettina Tremmel, zwischen 10 und 17 Uhr nach Bedarf.
Detmold:
o Führungen nach Bedarf durch die Burganlage und die aktuellen Grabungen auf der Falkenburg, 10 bis 16 Uhr
• Paderborn:
o Museum in der Kaiserpfalz, 15 Uhr Führung “Geheime Orte”
o Landeshospital (Zugang Kisau): 11 und 14 Uhr Führung durch die Ausgrabungen
• Warburg:
o Führungen durch die Ruinen und Ausgrabungen auf der Holsterburg, 11 und 14 Uhr; die Ausgrabung liegt an der Straße “am Anger”
• Herne:
o LWL-Museum für Archäologie: 14 Uhr Führung “gesucht.gefunden.ausgegraben” durch die Dauerausstellung; 15 Uhr GrabungsCamp; 16 Uhr Führung durch die Sonderausstellung “Das weiße Gold der Kelten”.

www.lwl-archaeologie.de

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