Ippenburg – Gartenparadies an der Hunte

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Bad Essen – Seit mehr als 600 Jahren ist Schloss Ippenburg im Besitz der Familie von dem Bussche-Ippenburg, idyllisch gelegen am Rande der Norddeutschen Tiefebene im Urstromtal der Weser, eingebettet in die Wiesen- und Parklandschaft der Hunteniederung, verborgen hinter hohen Kastanien. Im rund 80.000 Quadratmeter großen Park des heutigen Schlosses hat Viktoria von dem Bussche in den vergangenen 20 Jahren einzigartige Gärten entstehen lassen: Manche wecken Kindheitserinnerungen – andere sind von moderner Schlichtheit. Den dazugehörigen landwirtschaftlichen Betrieb mit 300 Hektar Acker und 330 Hektar Wald hat ihr Ehemann Philip von dem Bussche in den 1980er Jahren in einen modernen land- und forstwirtschaftlichen Betrieb umgewandelt. Der Schlossbau aus dem 19. Jahrhundert ist mit seinen 100 Zimmern und einer Vielzahl an Fenstern von beeindruckender Größe und bereits das dritte Bauwerk Ippenburgs. „Meine Familie und ich verbinden gern das Neue mit dem Alten: Die wechselvolle Geschichte Ippenburgs lehrt, dass man den Geist des Ortes am besten erhält, indem man sich den Herausforderungen der Gegenwart stellt“, erklärt Viktoria von dem Bussche ihr Wirken auf dem historischen Herrensitz.

Von der Burg zum Herrensitz

Ende des 14. Jahrhunderts erbaute der Ritter Johann von dem Bussche eine mit Schießscharten versehene Burg, die von einem Wassergraben umgeben und nur über eine Zugbrücke zugänglich war. Zwischen dem Schlossgraben und einem weiteren äußeren Graben ließ er einen befestigten Wall anlegen. Die um einen Innenhof gebaute Burg war mit Wohnräumen für Ritter und Knappen, Küche, Kapelle, Rüstkammer, Ritter- und Büchersaal, Junkerstube sowie Wohnräumen für Gäste ausgestattet. Diese Burg bestand bis 1811. Sie wurde wegen Baufälligkeit abgerissen. Nördlich der ersten Burg hatte die Familie von dem Busche bereits nach dem Dreißigjährigen Krieg am Standort des heutigen Schlosses ein Herrenhaus mit zwei Flügeln im Stil des Barock errichten lassen. Auch dieses enthielt eine Hauskapelle, deren Glocke aus dem Jahr 1724 noch existiert. Blitzschlag zerstörte 1756 den barocken Giebel am Hauptflügel des Herrenhauses. 1862 wurde auch das Herrenhaus abgerissen, weil es von Steinschwamm befallen war.

Graf Wilhelm von dem Bussche ließ auf den Fundamenten des Herrenhauses zwischen 1862 und 1867 aus Ibbenbürener Sandstein das heutige neugotische Schloss mit mehr als hundert Räumen errichten. In den 1930er Jahren wurde es von Hermann Graf von dem Bussche und seiner Frau Vera Gräfin von dem Bussche umfassend renoviert. Das Schloss wurde mit Zentralheizung versehen; Bäder wurden eingebaut. Die neugotische Ausstattung blieb erhalten. Weitere Renovierungen wurden in den 1960er Jahren vorgenommen. So wurde das Dach neu gedeckt. In den 1980er Jahren erhielten die Turmdächer eine Verkleidung aus Kupfer, außerdem wurde die Wetterfahne vergoldet. Die repräsentative Eingangshalle und die Fenster wurden in den 1990er Jahren renoviert.

Seit 1976 leben Philip Freiherr von dem Bussche und Viktoria Freifrau von dem Bussche auf dem Anwesen, zunächst in einem Kötterhaus; später zog das Ehepaar mit der wachsenden Familie ins Schloss um. Philip Freiherr von dem Bussche bewirtschaftet den landwirtschaftlichen Betrieb mit 300 Hektar Ackerland und 330 Hektar Wald. Victoria Freifrau von dem Bussche ist eine Hobbygärtnerin, die sich für englische Gärten begeistert. Wahrzeichen des Ippenburger Festivals ist seit 2001 die Wasserskulptur Taraxatum (Löwenzahn) von Ugo Dossi aus einem 300 Jahre alten Eichenstamm.

Der Schlosspark Ippenburg war im Jahr 2010 ein Kerngebiet der 4. Niedersächsischen Landesgartenschau, die am 31. März 2009 an Bad Essen vergeben wurde. Nur während der jährlichen vier Festivals und den Ippenburger Sonntagen können das neugotische Schloss, der große Küchengarten, die kunstvollen Schaugärten, das neue Rosarium 2000+ sowie seit einiger Zeit auch das Waldstück westlich des Schlosses besichtigt werden. An anderen Tagen ist das Gelände für Besucher nicht zugänglich.

Im Zeichen der Rose

Im Rosarium 2000+ auf Schloss Ippenburg erleben Rosenliebhaber ganz neue Facetten der „Königin der Blumen“. In der modern gestalteten Anlage wachsen Rosen in außergewöhnlichen Pflanzkombinationen. Das Rosarium 2000+ zeigt die schönsten Neuzüchtungen des 21. Jahrhunderts und versteht sich als eine moderne Rosensammlung – ähnlich einem Museum für zeitgenössische Kunst. Jedem Jahrgang ist ein Beet gewidmet und jährlich kommt so ein neues hinzu.

Ippenburg - Jedem Jahrgang ist ein Beet gewidmet und jährlich kommt so ein neues hinzu. - Gartenlust

Jedem Jahrgang ist ein Beet gewidmet und jährlich kommt so ein neues hinzu. – Gartenlust

Zum Festival „Gartenlust und Landvergnügen“ immer Anfang Juli können Besucher die farbenreiche Blütenvielfalt zehntausender Rosen genießen. „Ohne Rose ist ein Garten kein Garten“, sagt Viktoria von dem Bussche. Die Schlossherrin und bekannte Gärtnerin hat als erste in Deutschland Gartenfestivals veranstaltet und sie zu einem festen Termin im Kalender von Gartenfreunden und -experten gemacht. Im Heckenlabyrinth können kunstvoll gestaltete Schaugärten entdeckt werden – von üppigen Staudenbeeten bis zu englischen Knotengärten und romantischen Bauerngärten.

Zum Festival „Gartenlust und Landvergnügen“ vom 3. bis 6. Juli können Besucher die farbenreiche Blütenvielfalt zehntausender Rosen auf Ippenburg genießen

Zum Festival „Gartenlust und Landvergnügen“ vom 3. bis 6. Juli können Besucher die farbenreiche Blütenvielfalt zehntausender Rosen genießen. – Foto: Gartenlust

Das erlesene Angebot der 150 Aussteller reicht vom Schönen bis zum Nützlichen – eine riesige Auswahl an Pflanzen und Pflanzzubehör für die Blütenpracht im eigenen Garten sowie Mode, Accessoires, Hübsches und Originelles von Kitsch bis Kunst. Daneben locken allerlei kulinarische Delikatessen, Wasserspiele für die Kinder und viele sonnige wie schattige Sitzplätze zu einem wahren Sommervergnügen.

Deutschlands größter Küchengarten

Zu den Gartenanlagen des Herrensitzes gehört auch Deutschlands größter Küchengarten: Hier wachsen Früchte, Gemüse, Kräuter und Schnittblumen – von Erdbeeren, Kopfsalaten und Tomatenpflanzen bis zu exotischeren Feigenbäumen, Melonen und Artischocken. Am Wegesrand rankt durch den Gartenzaun gelbe und orange-rote Kapuzinerkresse. Für Viktoria von dem Bussche ist diese Szenerie viel mehr als ein Obst- und Gemüsegarten: „Der Küchengarten erweckt Erinnerungen, Träume und längst verloren geglaubte Bilder zu neuem Leben.“ Dieser Garten ist 5000 Quadratmeter groß, und er ist einzigartig in seiner Vielfalt und Fülle. Die Lust an Schönheit und Sinnlichkeit zeigt sich in jedem Detail, die Gartenleidenschaft von Viktoria von dem Bussche ist überall spürbar.

„Ohne Rose ist ein Garten kein Garten“, sagt Viktoria von dem Bussche. - Foto: Gartenlust Schloss Ippenburg

„Ohne Rose ist ein Garten kein Garten“, sagt Viktoria von dem Bussche. – Foto: Gartenlust Schloss Ippenburg

Nicht ganz so groß wie das Sommerfestival – aber mindestens genauso schön – ist das Frühlingsfest auf Ippenburg und das Herbstfestival. 2019 steht mit dem „Brocante Festival“ zum ersten Mal auch ein Winterevent im Veranstaltungskalender des Garten-Schlosses.

Schloss Ippenburg, www.ippenburg.de

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