Bürgerpreise: Münster schaut nicht weg. Die Stiftung Bürger für Münster zeichnet ehrenamtliches Engagement aus. Drei Bürgerpreise, ein Ehrenpreis für einen 14-jährigen Schüler und 6.000 Euro für Kinder- und Jugendprojekte.

Die drei Preisträger des diesjährigen Bürgerpreises zusammen mit dem Vorstand und den Laudatoren beim Abschlußfoto – Foto Michael C. Möller/Stiftung Bürger für Münster
Sie helfen Menschen, die auf der Straße leben, versorgen Kranke ohne Krankenversicherung und retten Lebensmittel, um daraus kostenlose Mahlzeiten zuzubereiten. Was die Ehrenamtlichen leisten, die am Freitagabend (9. Oktober) im historischen Rathaus mit dem Bürgerpreis 2026 ausgezeichnet wurden, ist ebenso vielfältig wie beeindruckend. Unter dem Motto „Handeln statt Wegsehen“ würdigte die Stiftung Bürger für Münster drei Organisationen, die sich in besonderer Weise um Menschen in Not kümmern. Mehr als 200 Gäste feierten die Preisträger im vollbesetzten Festsaal des Rathauses.
Bereits zum 21. Mal vergab die Stiftung ihre Bürgerpreise. 17 Vereine und Initiativen hatten sich beworben, sieben erreichten das Finale. Insgesamt 8.000 Euro Preisgeld standen zur Verfügung.

Das ist die Trophäe für den ersten Preisträger – ein Skulptur gestaltet von Dieter Sieger – Foto Michael C. Möller/Stiftung Bürger für Münster
Oberbürgermeister Tilman Fuchs ließ es sich trotz seines engen Terminkalenders nicht nehmen, die Fest-veranstaltung als Hausherr persönlich zu eröffnen. Er dankte den vielen Ehrenamtlichen für ihren Einsatz und würdigte besonders die Hilfe für Wohnungslose und Menschen mit Suchterkrankungen. „Es ist für mich sehr beeindruckend, wie vielfältig ihre Projekte sind und wie sehr sie zum Zusammenhalt in der Stadt beitragen“, erklärte Fuchs. Besonders wichtig sei ihm, dass Menschen in Not mit Respekt begegnet werde und ihre Würde gewahrt bleibe.
Gold für den Frauentreff
Der mit 5.000 Euro dotierte erste Preis ging an den Sozialdienst katholischer Frauen Münster e.V. für seinen Frauentreff. Seit 30 Jahren finden wohnungslose und sozial benachteiligte Frauen hier einen geschützten Ort. Sie bekommen warme Mahlzeiten und Kleidung, können duschen und ihre Wäsche waschen. Mindestens ebenso wichtig sind die Gespräche, die Begegnungen und das Gefühl, nicht allein zu sein.

Dietmar Dertwinkel, Mitglied des Vorstands der Volksbank Münster hielt die Laudation auf den ersten Preisträger: den Frauentreff des Sozialdienst katholischer Frauen in Münster – Foto Michael C. Möller/Stiftung Bürger für Münster
Die Laudatio hielt Dietmar Dertwinkel, Vorstandsmitglied der Volksbank im Münsterland. Ihn beeindruckte besonders die Beständigkeit des ehrenamtlichen Engagements. Einige Frauen helfen bereits seit der Gründung des Frauentreffs vor drei Jahrzehnten mit. Sie sind geblieben, haben angepackt und über viele Jahre Menschen begleitet, die sonst oft übersehen werden.

Der zweit Preis ging an die „Malteser Medizin für Menschen ohne Krankenversicherung“ in Münster. Die Laudatorin war Prof. Dr. Andrea Tafferner – Foto Michael C. Möller/ Stiftung Bürger für Münster
Der zweite Preis, verbunden mit 2.000 Euro, ging an die „Malteser Medizin für Menschen ohne Krankenversicherung“ in Münster. Ehrenamtlich tätige Ärztinnen und Ärzte behandeln dort Menschen, die keinen regulären Zugang zur medizinischen Versorgung haben. Bei Bedarf vermitteln sie fachärztliche Hilfe. Ein Sozialarbeiter unterstützt die Patienten bei Fragen zur Krankenversicherung und zum Aufenthaltsstatus.
Laudatorin Prof. Dr. Andrea Tafferner, emeritierte Professorin der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen, Abteilung Münster, würdigte besonders den menschlichen Umgang mit den Patienten. Wer Hilfe suche, wolle nicht nur medizinisch versorgt, sondern auch ernst genommen werden. Respekt und Begegnung auf Augenhöhe seien deshalb ebenso wichtig wie die Behandlung selbst. Menschliche Zuwendung gebe Menschen in schwierigen Lebenssituationen ein Stück Würde zurück.

Laudator für den dritten Preis war der Kuratoriumsvorsitzende Alexander Wackerbeck. Der dritte Preis in Höhe von 1.000 Euro ging an das Foodsharing Café Münster – Foto Michael C. Möller/Stiftung Bürger für Münster
Der dritte Preis in Höhe von 1.000 Euro ging an das Foodsharing Café Münster. Hier werden überschüssige Lebensmittel gerettet, gemeinsam zubereitet und kostenlos angeboten. Das Café ist zugleich ein offener Treffpunkt, an dem Menschen unterschiedlicher Herkunft und Lebenssituationen miteinander ins Gespräch kommen.
Alexander Wackerbeck, Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung Bürger für Münster, begründete in seiner Laudatio die Entscheidung der Jury: „Das foodsharing Café verbindet ökologische Nachhaltigkeit, soziale Teilhabe und bürgerschaftliches Engagement, Woche für Woche und ganz praktisch. Es zeigt, dass verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen Gemeinschaft stiften kann.“
Ein 14-Jähriger, der einfach anpackt
Eine besondere Auszeichnung erhielt der 14-jährige Leif Weverinck, Schüler der Montessori-Schule Münster. Die Stiftung verlieh ihm ihren Ehrenpreis, der erst zum zweiten Mal in der Geschichte des Bürgerpreises vergeben wurde.

Den Ehrenpreis bekam in diesem Jahr der 14jährige Schüler Leif Weverinck – hier mit Marcus Hopp, Bereichsleiter des Beratungs- und BildungsCentrums der Diakonie Münster und dem Vorstandsvorsitzenden der Stiftung Wilhelm Weischer – Foto Michael C. Möller/Stiftung Bürger für Münster
Im Rahmen des Schulprojekts „SocialGenial“ hatte Leif begonnen, wohnungslosen Menschen im Haus der Wohnungslosen Münster kostenlos die Haare zu schneiden. Als das Schulprojekt endete, machte er einfach weiter. Freiwillig, ehrenamtlich und aus eigener Überzeugung.

Im Interview mit der Moderatorin des Abends Eva-Maria Jazdzejewski wurde Leif Weverinck vorgestellt – Foto Michael C. Möller/Stiftung Bürger für Münster
Die Laudatio hielt Marcus Hopp, Bereichsleiter des Beratungs- und BildungsCentrums der Diakonie Münster. Der Ehrenpreis ist nicht mit einem Geldbetrag verbunden. Er würdigt ein außergewöhnliches persönliches Engagement, das zeigt, dass man nicht erst erwachsen sein muss, um Verantwortung für andere zu übernehmen.

Großer Auftritt und Urkunden für die verbliebenen vier Finalisten des Wettbewerbs – Foto Michael C. Möller/Stiftung Bürger für Münster
Auch die vier weiteren Finalisten wurden für ihre Arbeit gewürdigt. Wilhelm Weischer, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Bürger für Münster, dankte draußen! e.V., INDRO e.V., MENSCHEN DIREKT e.V. und Underdogs Münster e.V. für ihre überzeugenden Bewerbungen und ihren Einsatz. Alle vier Organisationen erhielten Urkunden.
Warum Menschen wegsehen
Einen nachdenklichen Akzent setzte der Impulsvortrag von Prof. Dr. Ursula Tölle. Die emeritierte Professorin der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen, Abteilung Münster, gehört seit diesem Sommer dem Vorstand der Stiftung an.

In ihrem Impulsvortrag stimmte Prof. Ursula Tölle nachdenkliche Töne an – Foto Michael C. Möller/Stiftung Bürger für Münster
Tölle näherte sich dem Motto „Handeln statt Wegsehen“ aus einer ungewöhnlichen Perspektive. Statt nur diejenigen zu loben, die helfen, fragte sie, warum Menschen angesichts von Not und Elend manchmal lieber wegsehen. Nicht immer stecke Gleichgültigkeit dahinter, gab Tölle zu bedenken. Mitunter seien es Überforderung, Hilflosigkeit oder die Angst, mit dem Leid anderer konfrontiert zu werden. Wer Not sehe, werde auch an die eigene Verletzlichkeit und Endlichkeit erinnert. Nicht jeder könne jederzeit helfen. Die eigenen Grenzen zu kennen, sei deshalb ebenso wichtig wie die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Ihr Vortrag regte dazu an, das eigene Verhalten zu hinterfragen, ohne vorschnell über andere zu urteilen.
Junge Jury entscheidet über 6.000 Euro
Dass ehrenamtliches Engagement keine Frage des Alters ist, zeigte auch das FörderForum der Stiftung Bürger für Münster. Zum zweiten Mal wurden während der Bürgerpreisverleihung die Förderentscheidungen des Kinder- und Jugendbeirats bekanntgegeben.

Die Jury des FörderForums verkündeten welche speziell für Kinder und Jugendliche ausgerichteten Projekte in der Stadt eine eigne Förderung bekommen – Foto Michael C. Möller/Stiftung Bürger für Münster
13 junge Jurorinnen und Juroren hatten wenige Tage zuvor über die eingereichten Anträge beraten und entschieden, welche sechs Projekte in Münster unterstützt werden. Insgesamt vergaben sie 6.000 Euro.
Jeweils 1.500 Euro erhalten die „Spachtel-Leeze“ des Ernährungsrats Münster e.V. für Kochangebote mit einer mobilen Fahrradküche und KAKTUS Münster für die Workshopreihe „Sich begegnen: Junge Perspektiven im Fokus“. Weitblick Münster e.V. wird mit 1.200 Euro beim Ferienprojekt „Selbstgekocht“ unterstützt. 750 Euro gehen an skate-aid international für Skateboard-Workshops und einen kostenlosen Verleih in Coerde.
Mit 600 Euro fördert das FörderForum die Teilnahme von Schülerinnen und Schülern an „Münster University International Model United Nations“ (MUIMUN). Das Internationale Kinderspielzeugmuseum Münster erhält 450 Euro für sein Projekt „KI-Kids Münster: Analoge Detektive in der digitalen Welt“.
Das FörderForum wurde im März 2024 von der Stiftung Bürger für Münster gemeinsam mit Children for a better World e.V. gegründet. Die Kinder und Jugendlichen lernen Initiativen aus ihrer Stadt kennen, prüfen Förderanträge und entscheiden selbst, welche Projekte Geld erhalten. Die Mittel stammen aus Spenden.
Bürgerpreise: Ein Fest für das Ehrenamt
Durch den Abend führte Eva-Maria Jazdzejewski. Die musikalische Begleitung übernahm die Formation Monday Night Jazzband, die mit Coverversionen bekannter Popsongs für Schwung und gute Laune sorgte. Filme stellten die ausgezeichneten Projekte und die Menschen dahinter vor.

Die musikalische Begleitung des Abends hatte die Monday Night Jazzband übernommen – Foto Michael C. Möller
Ermöglicht wurden die Bürgerpreise durch die Unterstützung der Volksbank im Münsterland eG, Union Investment, Atruvia AG und der Stadtwerke Münster.
Nach der Preisverleihung trafen sich Preisträger, Ehrenamtliche und Gäste zu einem Empfang im Foyer des Festsaales. Dort wurde weitergeredet, gratuliert und gefeiert. Vor allem bekamen diejenigen Aufmerksamkeit, die sich sonst meist um andere kümmern.















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