„Playback“: Das GOP Münster dreht auf

„Playback“ – die neue Show im GOP Varieté-Theater Münster dreht voll auf: Michael Jackson trifft auf ABBA, Whitney Houston auf Helene Fischer. Dazwischen fliegen Artisten durch die Luft, rasen auf Rollschuhen über die Bühne und wechseln ihre Kostüme schneller, als man gucken kann. „Playback“ ist ein einziger, ziemlich verrückter Höllenritt durch die Popgeschichte. Zwei Stunden Adrenalin pur.

„Playback“: Das GOP Münster dreht auf

“Playback” – das Ensemble im GOP Varité-Theater Münster – Foto Annakarina Gey – Andreas Gey

Kaum hat man einen Song erkannt, ist schon der nächste dran. Die Beatles, Michael Jackson, ABBA, Whitney Houston, Helene Fischer und viele viele andere. Manchmal reichen ein paar Takte, und schon werden Erinnerungen wach. Auf der Bühne wird dazu gesungen, genauer gesagt: so getan als ob. Schließlich heißt die Show „Playback“. Aber was die Künstlerinnen und Künstler daraus machen, ist alles andere als Konserve. Sie scheinen zu singen und zu performen, dabei tanzen, springen, turnen, flirten, albern herum und legen ein Tempo vor, bei dem einem schon vom Zuschauen schwindelig wird. Und das Beste: Der Wahnsinn hört einfach nicht auf.

„Playback“: Das GOP Münster dreht auf

“Playback” – Margot Bullmann und Martin Regouffre im GOP Varité-Theater Münster – Foto Annakarina Gey – Andreas Gey

„Playback – überraschend live“ heißt die neue Produktion, die am 8. Oktober im GOP Varieté-Theater Münster gestartet ist und bis zum 17. Januar 2027 läuft. Ein wilder Mix aus LipSync-Battle, Artistik, Tanz, Comedy und Popkultur. Das Ganze ist ein musikalischer Sampler, der keine Gelegenheit auslässt, noch einen draufzusetzen. Glamourös, schrill, mitunter herrlich überkandidelt. Auch die Kostüme sind wild und glitzernd als wenn der Kostümbildner auf einem Trip war. „Playback“ ist eine Show, die sich selbst nicht allzu ernst nimmt und gerade deshalb so viel Spaß macht.

Radnely Ordani Oliva Alonso skating-phoenix in GOP Varité-Theater Münster – Foto Annakarina Gey – Andreas Gey

Dann ist da Simon-James. Was für ein Kerl! Der gebürtige Australier hat Regie geführt und führt nicht nur durch den Abend, er ist auch dessen schillernder Mittelpunkt. Ein Showmaster, Entertainer, Tänzer, Artist und Verführungskünstler in einer Person: mal glamouröse Diva, mal sexy Muskelmann, mal komödiantischer Wirbelwind. Immer mit einem Augenzwinkern, immer mit dieser unglaublichen Bühnenpräsenz. Simon-James weiß, wie man sich in Szene setzt. Und noch besser weiß er, wie man andere glänzen lässt.

„Playback“: Das GOP Münster dreht auf

Martin Regouffre in “Playback” im GOP Varité-Theater Münster – Foto Annakarina Gey – Andreas Gey

Sein Körper sieht aus, als hätte ihn eine künstliche Intelligenz nach den kühnsten Wünschen ihrer Nutzer entworfen: wohl proportioniert, durchtrainiert, ziemlich sexy. Dazu kommt eine gehörige Portion Erotik, die sich erfreulicherweise nicht um Geschlechtergrenzen schert. Simon-James ist unbestritten die Sahneschnitte dieses Abends, die ideale Projektionsfläche für allerlei unanständige Gedanken. Ob man den nach der Vorstellung wohl mitnehmen darf? Mancher im Publikum dürfte zumindest darüber nachgedacht haben.

Dass Simon-James auch artistisch einiges draufhat, beweist er spätestens am Aerial Pole. Und als wäre das alles noch nicht genug, hat er bei „Playback“ erstmals auch die Regie einer GOP-Produktion übernommen. Eine ausgesprochen glückliche Entscheidung. Denn diese Inszenierung hat Rhythmus, Witz und ein bemerkenswertes Gespür für große Auftritte. Oft ist das ganze Ensemble eine einzige tanzende Augenweide. Selbst die Übergänge zwischen den Nummern werden zum Spektakel.

“Playback” – das Ensemble im GOP Varité-Theater Münster – Foto Annakarina Gey – Andreas Gey

Dabei hat Simon-James ein Ensemble um sich versammelt, das sich wahrlich nicht verstecken muss, weder von der Erscheinung noch von ihren Fähigkeiten als Performer und Artisten. Margot Bullmann etwa, die im Cyr Wheel über die Bühne wirbelt. Dieses riesige Metallrad gehört inzwischen fast zum Inventar des modernen Varietés. Man hat solche Nummern schon oft gesehen. Und staunt trotzdem immer wieder, wie unterschiedlich die Artisten mit dem Rad umgehen. Bullmann macht daraus ein Spiel mit Tempo, Balance und der Schwerkraft. Gemeinsam mit Martin Regouffre zeigt sie außerdem eine kraftvolle Hand-auf-Hand-Akrobatik, bei der Vertrauen keine schöne Floskel, sondern überlebenswichtig ist.

Regouffre hat noch eine zweite Spezialität: das Diabolo. Was bei anderen wie ein Geschicklichkeitsspiel aussieht, wird bei ihm zum rasanten Tanz mit fliegenden Objekten. Alles im Takt der Musik, alles scheinbar mühelos. Wie viel Training dahintersteckt, möchte man lieber nicht wissen.

„Playback“: Das GOP Münster dreht auf

“Playback” – Yulia Girda im GOP Varité-Theater Münster – Foto Annakarina Gey – Andreas Gey

Für Glanz und Glamour sorgen Vlada Dapper und Yulia Girda. Die beiden Showgirls sind weit mehr als hübsches, sexy Beiwerk. Mit Tanz, Witz und einer gehörigen Portion Sexappeal halten sie das musikalische Karussell in Bewegung. Sie wechseln Rollen, Stimmungen und Ausdruck, setzen Akzente und geben den Songs immer wieder ein neues Gesicht. Manchmal genügt eine kleine Geste, ein verführerischer Blick, eine winzige Bewegung. Und schon ist die nächste Szene da.

Richtig gefährlich sieht es aus, wenn Skating Phoenix die Bühne übernimmt. Yordani und Sirenia, ein kubanisches Duo, rasen auf einer winzigen kreisrunden Rollschuhfläche herum, drehen sich in aberwitzigem Tempo und vollführen akrobatische Figuren, bei denen einem der Atem stockt. Man wartet beinahe darauf, dass die beiden abheben und wie eine fliegende Untertasse quer durch den Zuschauerraum segeln. Zum Glück bleiben sie auf der Bühne als bewegten sie sich auf Schienen.

“Playback” – Simon-James im GOP Varité-Theater Münster – Foto Annakarina Gey – Andreas Gey

Mariia Girda wiederum beherrscht eine Kunst, die sich jeder wünschen dürfte, der morgens ratlos vor seinem Kleiderschrank steht. Quickchange! Eben trägt die junge Ukrainerin noch dieses Kleid, im nächsten Augenblick ein völlig anderes. Glitzer, Farben, Formen, alles wechselt in Sekundenschnelle. Wie macht sie das bloß? Man schaut genau hin, versucht den Trick zu durchschauen und hat doch keine Chance. Schon steht sie wieder in einem neuen Kostüm da und lächelt, als sei nichts gewesen.

Eine besondere Überraschung ist La Suricata, hinter der die Künstlerin Maria Padilla steckt. Zunächst wirkt ihre Figur wie das hässliche Entlein der glamourösen Showgesellschaft, ein wenig unbeholfen, irgendwie fehl am Platz. Doch dann dreht sie auf. Und wie! Mit Hula-Hoop-Reifen, komödiantischem Talent und einer geradezu unverschämten Spielfreude erobert sie die Bühne. Plötzlich wird aus der Außenseiterin eine gefeierte Hauptdarstellerin.

Ein besonderes Highlight ist schließlich Piki. Der brasilianische Artist Antonio Correa Firmino hat sich dem Einrad verschrieben. Allerdings nicht irgendeinem. Was er da auf die Bühne bringt, sind kleine technische Wunderwerke, ziemlich schräge Konstruktionen, auf denen ein normaler Mensch vermutlich nicht einmal sitzen geschweige denn fahren könnte. Piki fährt damit, balanciert, steigt mit einer Art Trittleiter in schwindelerregende Höhen und macht Kunststücke, bei denen die Physik gelegentlich ein Auge zudrückt. Der Mann scheint mit seinen Rädern verwachsen zu sein.

„Playback“: Das GOP Münster dreht auf

“Playback” – Margot Bullmann im GOP Varité-Theater Münster – Foto Annakarina Gey -Andreas Gey

Das eigentlich Verblüffende an „Playback“ ist allerdings nicht die einzelne artistische Höchstleistung. Es ist das Tempo, mit dem alles ineinandergreift. Die Musik treibt die Artisten an, die Artistik macht aus den Songs kleine Geschichten. Vertraute Melodien bekommen plötzlich ein neues Gesicht. Die Show zitiert, parodiert und feiert die Popgeschichte zugleich. Und weil fast jeder die Songs kennt, bleibt das Publikum nicht lange still. Da wird mitgewippt, geklatscht und bisweilen ziemlich vernehmlich mitgesungen.

Ich habe im GOP Münster schon viele gute, gelegentlich auch großartige Produktionen gesehen. Aber eine derart temporeiche, ausgelassene und hemmungslos unterhaltsame Show ist mir dort selten begegnet. „Playback“ ist ein Feuerwerk, bei dem die nächste Rakete schon startet, bevor die vorherige verglüht ist. Man weiß irgendwann gar nicht mehr, wohin man zuerst schauen soll.

„Playback“: Das GOP Münster dreht auf

“Playback” – das Ensemble im GOP Varité-Theater Münster – Foto Annakarina Gey – Andreas Gey

Eine kleine Warnung sei deshalb erlaubt: Wer nach einem beschaulichen Abend sucht, bei dem er sich gemütlich zurücklehnen und zwischendurch ein wenig dösen kann, ist hier völlig falsch. „Playback“ macht wach. Sehr wach sogar. Sie putscht auf. Die Energie schwappt von der Bühne direkt in den Saal, und wenn nach zwei Stunden der letzte Ton verklungen ist, könnte es meinetwegen gleich noch einmal von vorne losgehen oder man hat einen Herzkasper.

Showdauer: ca. 2 Stunden inkl. Pause

Eintrittskarten für „Playback“, die Show vom 8. Oktober 2026 bis 17. Januar 2027 im GOP Varieté-Theater Münster, sind schon ab 54 Euro erhältlich, ergänzt um ein 2-Gänge-Menü bereits ab 78 Euro. Kinder (bis 14 Jahre) erhalten 50 Prozent, Schüler und Studenten (bis jeweils 27 Jahre bei Vorlage eines gültigen Ausweises) 25 Prozent Ermäßigung auf den Eintrittspreis.

Mittwochs ist Schüler- und Studententag: Schüler und Studenten (bis 27 Jahre) erhalten mittwochs 50 Prozent Ermäßigung auf den Kartenpreis. Alle anderen Gäste sind mittwochs natürlich ebenso herzlich willkommen!

Informationen und Buchungen von Montag bis Freitag in der Zeit von 11 bis 18 Uhr sowie samstags, sonntags und an Feiertagen von 12 bis 18 Uhr über die GOP Tickethotline: (02 51) 490 90 90 oder online unter variete.de.

(Jörg Bockow)

Speak Your Mind

*