Karin Klas: “Wenn es still wird” – Ausstellung in der Heilig-Kreuz-Kirche in Münster ab 10. Oktober mit einer Lesung.
Ein Admiral sitzt auf einer verwitterten, ausgebleichten Holzbank. Ein Augenblick nur, ganz zart, verletzlich und vergänglich. Jeden Moment könnte der Schmetterling wieder davonfliegen. „Sie steigen auf, die Schmetterlinge des Planeten, wie Farbenstaub vom warmen Körper Erde“, heißt es in Inger Christensens „Das Schmetterlingstal“. Karin Klas hat dieses Bild und diese Zeilen ihrer neuen Ausstellung wie ein Motto vorangestellt. Es geht um das Leben. Und darum, was bleibt.
„… und wenn es still wird …“ heißt die Ausstellung, die am Samstag, den 10. Oktober, um 19 Uhr in der Heilig-Kreuz-Kirche in Münster eröffnet wird. Karin Klas zeigt Malerei, Fotografien und Objekte. Dazu kommen eigene Gedichte und lyrische Texte. Sie werden während der Vernissage von ihr selbst und ihrer Tochter vorgetragen. Die Musikerin Jutta Bitsch begleitet die Eröffnung und fügt mit ihrer Musik eine weitere Ebene hinzu. Bild, Wort und Klang treten miteinander in einen Dialog.
Stille ist bei Karin Klas keineswegs nur still und schon gar nicht immer friedlich. Die Künstlerin lotet aus, wie unterschiedlich wir sie erleben. Da ist die Stille eines Sommerabends, wenn in der Dämmerung die Konturen verschwimmen, „der Tag sich neigt für Mensch und Tier, und manches fortan schweigt.“
Doch die Stille ist ambivalent – sie bekommt Risse. Klas schreibt vom Altern, von der Ahnung des Todes, vom Verschwinden und von der Erinnerung an ein gelebtes Leben. Sie findet Worte wie diese: „Die Liebe, die wir sind und geben im Innehalten, ohne Worte, still.“
Ihr Zyklus führt weiter zu Krieg, Gewalt und Angst. Plötzlich ist Schweigen nicht mehr tröstlich, sondern bedrohlich. „Es ist ein böses Geschrei in der Welt und ein böses Schweigen.“ Die Frage „Wieviel erträgt der Mensch?“ steht im Raum. Und Klas unterscheidet zwischen der Stille, die ein Mensch sucht, und dem „bösen Schweigen“ derer, die angesichts von Leid wegsehen.
Der feingewebte Zyklus aus 16 Texten bilden den Spannungsbogen der Ausstellung, ohne dass die gezeigten Bilder zu Illustrationen der Gedichte werden. Malerei, Fotografie, Objekte und Sprache sind eigenständige Werke, im Zusammenspiel ergeben sich freilich für jede Besucherin und jeden Besucher eigene assoziative Verbindungen. Im großen Kirchenraum können sich diese Gedanken entfalten.
Am Ende des lyrischen Zyklus steht der Tod. „Ach, das Gelebthaben“, beginnt das letzte Gedicht. Kein Pathos, keine Vertröstung. Atem, Wärme, Augenlicht, das Ich und Du sind verschwunden. Zurück bleiben Schmerz, Verlorensein und Stille. Der Admiral verlässt die Holzbank: „Unter dem Fuß der Geschichte, darüber ein Himmel. Ein Flügelschlag des Admirals. Er schließt seine Augen, trinkt Nektar von Blüte zu Blüte und gaukelt in die weiche Stille der Zeit.“ Ein kurzer Epilog führt noch einmal zurück zum Anfang des Lebens. Ein Kind bittet um Liebe, Trost und einen Namen. „Puste mir den Schmerz vom blutenden Knie.“ Sein letzter Wunsch ist so einfach wie unmöglich: „Stirb nie“.
Karin Klas wurde 1955 in Verl geboren und studierte Deutsch und Sozialwissenschaften in Marburg und Münster. Seit 50 Jahren lebt und arbeitet sie in Münster. Unter ihrem Mädchennamen Karin Berenbrinker veröffentlichte sie mehrere Bücher, darunter „Traumtänzerin“, „Der schwarze Vogel“, „Gegengift“ und das Theaterstück „Ohne Vorgang: Münster wird ‚judenfrei‘“. In der Heilig-Kreuz-Kirche war sie bereits 2023 mit der Ausstellung „immer das Leben“ zu Gast.
Karin Klas widmet die Ausstellung „denen, die mit mir gelebt haben“. Das macht aus der Beschäftigung mit Alter, Tod und Vergänglichkeit eine Rückschau – so zart wie der Flügelschlag eines Admirals.
„… und wenn es still wird … Für die, die mit mir gelebt haben“
Ausstellung von Karin Klas, Heilig-Kreuz-Kirche Münster. Eröffnung am Samstag, 10. Oktober 2026, um 19 Uhr mit Karin Klas und der Musikerin Jutta Bitsch. Die Ausstellung ist täglich bis zum bis 22. Oktober 2026 zwischen 9.00 und 18.00 Uhr zu sehen.
Jörg Bockow















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