Von Ludwig Maria Vongries erwartet man Großes. Tonnenschwere Stahlplatten, mächtige Eichenstämme, archaisches Wurzelwerk. Seine Skulpturen stehen auf Plätzen, in Parks und Landschaften. Nun zieht der Bildhauer in einen der kleinsten Kunsträume Münsters ein. Und macht ihn noch enger und zugleich grenzenlos.
Für seine Ausstellung „red bodies“ kleidet Vongries die Produzentengalerie SO66 vollständig mit Spiegelfolie aus. Wände und Boden verschwimmen, Ecken lösen sich auf, der Raum vervielfacht sich. Darin stehen zwölf kleine, leuchtend rote Skulpturen. Und mittendrin steht plötzlich auch der Besucher.
Das ist mehr als ein optischer Trick. Mit jedem Schritt verändert sich das Bild. Skulpturen tauchen mehrfach auf, begegnen ihren Spiegelbildern, verschwinden hinter anderen Formen. Dazwischen immer wieder das eigene Gesicht, der eigene Körper. Wer hier Kunst betrachten will, kann sich selbst nicht aus dem Bild halten.
Ludwig Maria Vongries kehrt damit die gewohnten Größenverhältnisse seiner Arbeit um. Der 1959 nahe Aschaffenburg als Hubert Hofmann geborene Bildhauer arbeitet seit vielen Jahren mit Stahl, Holz und Wurzeln. Oft entstehen daraus mehrere Meter hohe Skulpturen für den öffentlichen Raum. Zu sehen sind Arbeiten unter anderem auf dem Skulpturenweg in Raesfeld, im Park der Benediktinerabtei Gerleve und in Bocholt. In SO66 schrumpfen die Dimensionen. Die Intensität nicht.
Die zwölf Arbeiten greifen die Formsprache seiner großen Skulpturen auf. Manche erinnern an Torsi, andere an Embryonen, Gefäße oder Kruzifixe. Wurzeln werden zu Adern und Nervenbahnen. Eindeutig wird das nie. Ludwig Maria Vongries lässt den Formen ihre Offenheit.
Eine Farbe aber hält alles zusammen: Rot. Die Skulpturen sind mit glänzendem rotem Epoxidharz überzogen. Die Assoziation stellt sich fast automatisch ein. Blut. Fleisch. Körper. Verletzung. Das Rot wirkt schön und alarmierend zugleich. Es zieht den Blick an und lässt ihn nicht recht zur Ruhe kommen.
Für die Kunsthistorikerin Annette Georgi verweist die Farbe „auf das Leben selbst, auf Wärme und Verletzlichkeit, auf Energie und Endlichkeit“. Tatsächlich braucht es dafür in diesem Raum nicht viele Worte. Das Rot trifft auf die kühle Spiegelfläche, die Körper vervielfachen sich, scheinen einander näherzukommen und wieder auseinanderzutreiben.
Seit Jahren beschäftigt sich Ludwig Maria Vongries mit dem menschlichen Körper und seiner Verletzlichkeit. In „red bodies“ wird daraus keine Illustration von Schmerz. Es gibt keine Wunden, kein fließendes Blut, keine dramatische Geste. Die Körper bleiben seltsam still. Gerade deshalb wirken sie.
Für einen Bildhauer, der sonst viel Raum braucht, ist das eine erstaunliche Volte. Vongries macht seine Skulpturen kleiner und den Raum größer. Ein paar Quadratmeter SO66 reichen dafür vollkommen aus.
Die Ausstellung „red bodies“ wird am Sonntag, 11. Oktober 2026, um 15 Uhr eröffnet.
Ludwig Maria Vongries ist anwesend. Die Kunsthistorikerin Dr. Annette Georgi stellt die Ausstellung im Gespräch mit ihm vor.
Zu sehen ist sie bis zum 6. Dezember 2026, samstags und sonntags von 15 bis 18 Uhr sowie nach Vereinbarung unter Tel. 0175 605 26 17.
















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