Lichtkunst in Unna leuchtet seit 25 Jahren

Lichtkunst in Unna leuchtet seit 25 Jahren: Man muss erst hinunter in die Dunkelheit, damit einem ein Licht aufgeht.

Lichtkunst in Unna leuchtet seit 25 Jahren

“Light Dialogues” im Zetrum für Internationale Lichtkunst Unna – Foto Hannes Woidich

Tief unter der ehemaligen Lindenbrauerei haben James Turrell, Rebecca Horn, Brigitte Kowanz und andere große Namen Räume geschaffen, in denen Licht plötzlich mehr ist als Helligkeit. Zum Jubiläum zeigt das Museum, wie lebendig diese Kunstform geblieben ist.

Vom Tageslicht geht es hinab, bis zu zwölf Meter unter die Erde. Hier unten verliert Licht seine alltägliche Selbstverständlichkeit. Es zeichnet Linien, verändert Räume, täuscht das Auge, lässt Farben schweben und den Betrachter mitunter daran zweifeln, was er gerade wirklich sieht.

Lichtkunst in Unna leuchtet seit 25 Jahren

Maurizio Nannucci “What to” Serie 2007 – Foto Hannes Woidich

Seit 2001 ist das Zentrum für Internationale Lichtkunst in den Kellergewölben der ehemaligen Lindenbrauerei zu Hause. Rund 3.000 Quadratmeter stehen zur Verfügung. Wo einst Bier lagerte, hat die Dunkelheit heute eine andere Aufgabe: Sie schafft die Bühne für das Licht.

Lichtkunst: Große Namen unter Tage

Das Zentrum hat sich in 25 Jahren einen festen Platz in der internationalen Lichtkunst erarbeitet. Künstler wie Rebecca Horn, Brigitte Kowanz, François Morellet, Maurizio Nannucci, Keith Sonnier und James Turrell sind mit Arbeiten vertreten. Mehr als 30 Themenausstellungen mit raumgreifenden Installationen hat das Haus seit seiner Gründung gezeigt.

Dabei wollte das Museum nie nur Schaufenster für bereits berühmte Namen sein. Junge Künstlerinnen und Künstler gehören ausdrücklich zum Konzept. Mit dem International Light Art Award förderte das Zentrum neue Positionen der Lichtkunst. Drei Ausgaben gab es bislang. Eine Neuauflage wartet noch auf einen Sponsor.

Lichtkunst in Unna leuchtet seit 25 Jahren

Maurizio Nannucci “What to” Serie 2007 – Foto Hannes Woidich

Seit März 2012 leitet John Jaspers das Haus. Für ihn liegt die besondere Kraft der Lichtkunst gerade in ihrer Veränderlichkeit. Sie wirke unmittelbar, wecke Emotionen und eröffne immer wieder neue Wahrnehmungen. Das Jubiläum versteht Jaspers deshalb weniger als Rückschau denn als Einladung, neugierig weiterzumachen.

Lichtkunst: Licht spricht mit Licht

Das zeigt die große Jubiläumsausstellung „LIGHT DIALOGUES“. Sie entstand gemeinsam mit dem „Schauwerk“ Sindelfingen und bringt unterschiedliche künstlerische Positionen miteinander ins Gespräch. Es geht um Licht und Raum, um Wahrnehmung und um die Frage, was wir eigentlich sehen, wenn Künstler mit Helligkeit, Farbe und Dunkelheit arbeiten.

Zu den prominenten Namen gehört der italienische Konzept- und Neon-Künstler Maurizio Nannucci, von dem fünf großformatige Arbeiten präsentiert werden. „LIGHT DIALOGUES“ läuft noch bis zum 10. Januar 2027.

Vom Skyspace bis zur Künstlichen Intelligenz

Auch das weitere Jubiläumsprogramm wagt den Blick über den klassischen Museumsbetrieb hinaus. Bei „Sunset Vibes“ wurde James Turrells „Skyspace“ im August zum besonderen Beobachtungsposten für die Dämmerung. Der Himmel selbst wurde Teil des Kunstwerks.

Am 12. September geht es in einem Workshop um Augmented Reality und die Frage, wie sich digitale und reale Räume miteinander verbinden lassen. Kunstgeschichte mit deutlich weniger Ehrfurcht verspricht am 24. September Jakob Schwerdtfeger. Der Kunsthistoriker und Stand-up-Comedian kommt mit seiner Lesung nach Unna.

Lichtkunst in Unna leuchtet seit 25 Jahren

„Der reflektierende Korridor | Entwurf zum Stoppen des freien Falls”, 2002 – Foto Frank Vinken

Am 6. Dezember dürfen beim Familiensonntag ausdrücklich auch junge Besucher experimentieren, rätseln und basteln. Zwei Tage später wird es grundsätzlich: Prof. Dr. Renate Buschmann fragt unter dem Titel „Künstliche Intelligenz in der Kunst: Konkurrentin oder Komplizin?“, was KI für Kreativität und Urheberschaft bedeutet.

Damit spannt das Jubiläumsjahr einen weiten Bogen. Von der Lichtinstallation tief unter der Erde bis zu Augmented Reality und Künstlicher Intelligenz geht es immer wieder um dieselbe Frage: Wie verändert Technik unseren Blick auf Kunst und Wirklichkeit?

Seit 25 Jahren gibt Unna darauf keine fertige Antwort. Zum Glück. Das Zentrum für Internationale Lichtkunst macht etwas viel Spannenderes: Es schaltet das Licht an und lässt uns selbst genauer hinsehen. JB

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